Wirtschaft & Politik

Bischof Wilmer: Demokratie braucht Empathie und offene Gespräche

Wie kann die Kirche zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen? Gemeinsam mit Experten aus Theologie und Rechtswissenschaft diskutierte er über Empathie, Demokratie und den Umgang mit gesellschaftlicher Polarisierung.

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Andreas Nachbar
2 min Lesezeit
Bischof Wilmer: Demokratie braucht Empathie und offene Gespräche
Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Angesichts wachsender gesellschaftlicher Polarisierung hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, die Kirche als Raum für Zuhören, Begegnung und Dialog beschrieben. Bei einer Podiumsdiskussion mit der Moraltheologin Katharina Klöcker und der Staatsrechtlerin Charlotte Kreuter-Kirchhof betonte er, dass Empathie, gegenseitiges Zuhören und der offene Austausch grundlegende Voraussetzungen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt seien.

Zuhören als Auftrag

Bei einer Diskussion am 10. Juli mit Prof. Dr. Klöcker und Staatsrechtlerin Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof sprach Bischof Heiner Wilmer über Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Verantwortung der Kirchen. Für Wilmer beginnt christlicher Glaube mit dem Hören. „Was berührt uns? Was bewegt unser Herz? Und wie gelingt es uns, Menschen wirklich wahrzunehmen?“, fragte der Bischof. Als Vorbild nannte er eine Kirche in Paris, die bewusst als offener Ort für Stille, Begegnung und Gespräch gestaltet worden sei. Aufgabe der Kirche sei es, „Raum und Zeit zur Verfügung zu stellen, damit Menschen neu hören – auf sich selbst, auf den anderen und auf den je Größeren“.

Den inhaltlichen Auftakt des Abends gestaltete Klöcker mit einem Impulsvortrag. Sie bezeichnete Zuhören als unverzichtbare Voraussetzung demokratischen Zusammenlebens. Demokratie brauche „Hellhörigkeit“ – die Bereitschaft, Zwischentöne wahrzunehmen, Unsicherheiten auszuhalten und die eigene Haltung immer wieder zu hinterfragen. Autoritäre Denkweisen hingegen seien von Abschottung und fehlender Empathie geprägt, sagte die Moraltheologin.

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Mit Empathie gegen Spaltung

Einen Gedanken aus Klöckers Vortrag hob Wilmer besonders hervor: den zunehmenden Mangel an Empathie. Mit Blick auf Stimmen, die Mitgefühl als Schwäche betrachteten, warb der Bischof dafür, der jüdisch-christlichen Tradition wieder mehr Gehör zu verschaffen. Diese erinnere daran, dass Gott den Menschen in seiner ganzen Verletzlichkeit ernst nehme – „mit Weinen, mit Lachen, mit Erfahrung, mit Empathie, mit Zorn, mit Liebe“.

Auch die Staatsrechtlerin Prof. Dr. Kreuter-Kirchhof betonte die zentrale Bedeutung des Zuhörens für Demokratie und Rechtsstaat. Eine demokratische Gesellschaft lebe davon, dass Menschen Gehör fänden und unterschiedliche Positionen im Gespräch blieben. Das rechtliche Gehör sei zwar ein Grundprinzip des Rechtsstaats, darüber hinaus brauche es aber auch Orte, „die Menschen zusammenführen“. Kirchen hätten die gesellschaftliche Aufgabe, solche Räume zu eröffnen und damit den Zusammenhalt zu stärken. Dies sei „sogar eine Erwartung, die der demokratische Staat an die Kirchen habe“, sagte Kreuter-Kirchhof.


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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