Christenverfolgung bis über den Tod hinaus: Christliche Bestattungen in Indien verwehrt
In Odisha stoßen christliche Familien bei der Beisetzung ihrer Verstorbenen auf massiven Widerstand. Christliche Vertreter fordern nun ein Umdenken der Landesregierung.

In Odisha im Osten Indiens sind christliche Familien nach eigenen Angaben daran gehindert worden, ihre verstorbenen Angehörigen nach christlichem Ritus zu bestatten. Das Odisha Christian Forum fordert deshalb eigene Friedhöfe für Christen. Die Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf anhaltende Konflikte um das Recht religiöser Minderheiten, ihre Toten entsprechend ihren eigenen Traditionen zu bestatten.
Bestattungen verwehrt: Begräbnisse in weit entfernten Dörfern
Nach Angaben des Odisha Christian Forum kam es in der vergangenen Woche im Bezirk Nabarangpur zu zwei Fällen, in denen christliche Familien bei der Beisetzung ihrer Angehörigen auf Widerstand stießen. H. D. Sudhir Patra, Präsident des Forums, betonte gegenüber dem asiatischen Nachrichtendienst UCA News, dass die Bestattungen „wegen ihres Glaubens“ verweigert worden seien.
Demnach verhinderten am 17. September hinduistische Dorfbewohner in Umerkote die Beisetzung eines 55-jährigen Christen auf dem örtlichen Gemeinschaftsfriedhof. Die Familie musste den Leichnam daraufhin in das rund 75 Kilometer entfernte Kobaguda bringen, wo sie ihn schließlich bestatten konnte.
Bereits am 14. September war nach Angaben Patras eine Christin im Dorf Odondi verstorben. Zwei Tage lang hätten die Dorfbewohner eine Beisetzung verhindert. „Der Körper begann bereits zu verwesen“, erklärte Patra. Schließlich griff die Polizei in die Auseinandersetzung ein, transportierte den Leichnam mit einem Polizeifahrzeug in das rund 160 Kilometer entfernte Loharkani und ließ ihn dort bestatten.
Das Odisha Christian Forum sieht in den Vorfällen ein grundlegendes Problem für die christliche Minderheit. Separate Begräbnisstätten könnten nach Ansicht der Organisation dazu beitragen, derartige Konflikte zu vermeiden und christlichen Familien eine Bestattung nach ihren religiösen Traditionen zu ermöglichen.
Forderung an die Regierung
Aus den Vorfällen leitet das Odisha Christian Forum eine konkrete Forderung an die Landesregierung ab. Bei einem Treffen mit Nityananda Gond, dem Minister für Minderheiten und rückständige Klassen, am 18. September verlangten die christlichen Vertreter die Ausweisung eigener Begräbnisflächen.
Pastor Gourab Kauri, Sekretär des Christlichen Minderheitsrats im Bezirk Nabarangpur, sagte gegenüber UCA News: „Wir drängten ihn, dass die Regierung in jedem Gram Panchayat [Dorfrat] separate Begräbnisstätten für Christen sowie für andere – Muslime, Buddhisten und Hindus – bereitstellen sollte.“ Unterstützt worden sei die Delegation dabei von zwei Abgeordneten aus dem Bezirk, in dem eine vergleichsweise große christliche Gemeinschaft lebt.
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In einem dem Minister übergebenen Memorandum forderten die Vertreter zudem, dass christliche Familien ihre Angehörigen „nach christlichen Riten und Bräuchen“ bestatten können, ohne dabei auf Widerstand zu stoßen. Neben der Bereitstellung geeigneter Grundstücke gehe es damit auch um die grundsätzliche Anerkennung des Rechts, die Toten entsprechend der eigenen religiösen Tradition zu bestatten.
Bekehrung zum Hinduismus als Ziel der Verweigerung?
Die jüngsten Vorfälle stehen nach Angaben christlicher Vertreter in Odisha nicht allein. In den vergangenen zwei Jahren seien in sieben Bezirken – Balasore, Bhadrak, Koraput, Rayagada, Malkangiri, Keonjhar und Nabarangpur – rund 29 Fälle gemeldet worden, in denen christlichen Familien die Bestattung ihrer Angehörigen verweigert worden sei.
Die Vorwürfe reichen dabei über einzelne Auseinandersetzungen um Friedhofsflächen hinaus. „Hinduistische Gruppen halten Leichen als Geiseln, um Wiederbekehrungen [zum Hinduismus] zu erzwingen oder lokale Kirchen zu schließen“, sagte Bischof Pallab Lima gegenüber UCA News. Er forderte die Landesregierung auf, Begräbnisstätten für christliche Minderheiten zu sichern.
Auch Ismail Patro, Generalsekretär der National Christian Front, sieht eine zunehmende Benachteiligung von Christen. Seit dem Regierungswechsel zugunsten der Bharatiya Janata Party (BJP) in Odisha im Jahr 2024 habe sich die Diskriminierung nach seiner Einschätzung verschärft.
Das Odisha Christian Forum setzt nun auf eine dauerhafte Lösung durch die Landesregierung. Eigene Friedhöfe sollen nach Vorstellung der Organisation verhindern, dass trauernde Familien zusätzlich um die Möglichkeit kämpfen müssen, ihre Angehörigen nach christlichem Ritus zu bestatten.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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