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DBK-Herbst-Vollversammlung gestartet – Bischof Wilmer kündigt Änderungen der Strukturen an

Zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung in Fulda kündigt Bischof Wilmer eine grundlegende Neuordnung der DBK-Strukturen an – und äußert sich zu Antisemitismus, Populismus und Künstlicher Intelligenz.

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Andreas Nachbar
5 min Lesezeit
DBK-Herbst-Vollversammlung gestartet – Bischof Wilmer kündigt Änderungen der Strukturen an
(c) Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) will ihre Strukturen deutlich verschlanken. Zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung in Fulda kündigte der Vorsitzende, Bischof Heiner Wilmer SCJ, eine Neuordnung der bischöflichen Kommissionen an: Aus bislang 14 Gremien sollen künftig acht werden. Zugleich will Wilmer die Sitzungen der Vollversammlung und des Ständigen Rates stärker inhaltlich ausrichten und die Moderation der Diskussionen anderen überlassen. Inhaltlich standen zum Auftakt zudem der Umgang mit Rechtsextremismus und Antisemitismus sowie die ethischen Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt.

DBK ordnet Kommissionen neu

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) will ihre Arbeitsstrukturen deutlich verschlanken. Zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung in Fulda kündigte der Vorsitzende, Bischof Heiner Wilmer SCJ, eine grundlegende Neuordnung der bischöflichen Kommissionen an. Künftig soll es nur noch acht statt bisher 14 Kommissionen geben.

Bei der Reform gehe es ausdrücklich um mehr als einen turnusmäßigen Wechsel der Vorsitzenden und Mitglieder. „Das gesamte System der Kommissionen wird neu geordnet“, sagte Wilmer. Einzelne Themenbereiche sollen dabei zusammengeführt werden. Als Beispiel nannte er die Bereiche Weltkirche und Migration. Wie die neue Struktur im Einzelnen aussehen soll, erläuterte der DBK-Vorsitzende zunächst nicht.

Auch die Arbeitsweise innerhalb der Vollversammlungen soll sich unter Wilmer verändern. Anders als seine Vorgänger will er die Diskussionen künftig nicht selbst moderieren. Die Leitung der Sitzungen behält er jedoch bei: „Ich werde schon die Vollversammlung weiter leiten, wie auch den Ständigen Rat“, betonte der Bischof.

Mit dieser Trennung von Leitung und Moderation wolle er sich stärker auf die inhaltlichen Fragen konzentrieren. Er habe „ein großes Vertrauen“ in wunderbare Mitarbeiter – jetzt natürlich „in dem Falle in die Brüder Bischöfe“, erklärte Wilmer. Dadurch könne er sich stärker auf „die Dynamik“ und „die Psychologie“ einer Sitzung sowie auf die Ziele der Bischofskonferenz konzentrieren.

Er habe mit diesem Vorgehen bereits im Ständigen Rat begonnen und damit nach eigenen Worten gute Erfahrungen gemacht. Die neue Arbeitsweise helfe ihm zudem persönlich: Sie mache ihn „innerlich deutlich entspannter“.

Warnung vor Populismus

Auch die politische Entwicklung in Deutschland war Thema zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung. Mit Blick auf die jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern warnte Wilmer vor einem zunehmenden „Populismus von rechts und von links“.

Besonders deutlich äußerte sich der Bischof zum Antisemitismus. Dieser nehme „mehr und mehr“ zu und sei für ihn eindeutig zu verurteilen: „Antisemitismus ist Sünde.“ Die Kirche stehe an der Seite der jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Antisemitismus sei „ein Angriff auf die Gesellschaft“ und untergrabe die Demokratie.

Zugleich wandte sich Wilmer gegen politische Forderungen, die aus seiner Sicht die öffentliche Sicherheit schwächen könnten. „Es kann natürlich nicht sein, dass wir über eine Reduktion bei den Polizeikräften sprechen“, sagte er mit Blick auf entsprechende Debatten.

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Wilmer betonte zugleich die Bedeutung der Menschenwürde für das gesellschaftliche Zusammenleben. „In Deutschland wird es darauf ankommen, dass allen Menschen die gleiche Würde zukommt“, sagte er. Christen dürften sich dabei nicht aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Sie hätten den Auftrag, „aus der Sakristei hinauszugehen auf die Straße“ und sich auch angesichts einer „verbeulten Kirche“ nicht zurückzuziehen.

Dabei bekräftigte der Bischof die Haltung der deutschen Bischöfe zum völkischen Nationalismus. „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“, sagte Wilmer und verwies auf die entsprechende Erklärung der Bischöfe aus dem Jahr 2024, die weiterhin aktuell sei.

Für die anstehenden Beratungen brauche es vor allem Raum für Austausch und eine klare inhaltliche Orientierung. Es gelte, „klar daran zu erinnern“, dass das christliche Menschen- und Weltbild aus Sicht der Bischöfe eine zentrale Grundlage für die Demokratie bilde.

Bischöfe nehmen KI in den Blick

Neben der Neuordnung ihrer Strukturen und der politischen Lage in Deutschland wollen sich die Bischöfe in Fulda auch mit den Folgen Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV., mit der sich die Vollversammlung ausführlich auseinandersetzen will.

Der DBK-Vorsitzende kündigte an, den Inhalt des päpstlichen Schreibens stärker in die Gesellschaft tragen zu wollen. „Es ist Ziel, den Inhalt der Enzyklika auf die Straße zu bringen“, sagte er. Dabei gehe es auch darum, „über die Großartigkeit des Menschen zu staunen“.

Wilmer warb zugleich für einen differenzierten Blick auf die neue Technologie. Die Bischöfe wollten „einen positiven Zugang zu KI gewinnen“. Weder Technikfeindlichkeit noch eine unkritische Begeisterung seien angebracht: „Es geht uns nicht – auch mir nicht – um ein Bashing oder um Technikfeindlichkeit, aber auch nicht um naive Euphorie.“

Zu den Chancen zählt Wilmer unter anderem Anwendungen in der Medizin, etwa bei der Erfassung von Krankheiten, sowie den Einsatz von KI bei der „Koordinierung komplexer Geschichten“. Gleichzeitig müsse die Kirche die gesellschaftlichen Folgen im Blick behalten. KI könne, so seine Befürchtung, „wenn wir nicht achtgeben, die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter vergrößern“. Menschen ohne Zugang zu den neuen Technologien könnten dadurch weiter ins Abseits geraten.

Besonders kritisch sieht Wilmer den Einsatz von KI bei Entscheidungen über Leben und Tod. Wenn die Technologie „nicht nur im Krieg“, sondern auch „in den Krankenhäusern, in den Altenheimen darüber entscheidet, wer sterben soll“, sei das „äußerst problematisch und verwerflich“. Deshalb brauche es nach seinen Worten „eine klare Ethik“ und internationale Vereinbarungen zur Regulierung von KI. Entscheidend sei, dass der technologische Fortschritt den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht gefährde.


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