„Den Dialog mit dem Herrn nie unterbrechen“: Papst Leo XIV. ruft zu Demut und Frieden auf
Was tun, wenn Gottes Plan den eigenen Vorstellungen widerspricht? Papst Leo XIV. verweist beim Angelus auf Petrus – und verbindet seine Botschaft über Vertrauen und Demut mit eindringlichen Gebeten für Menschen, die unter Gewalt und Katastrophen leiden.

Papst Leo XIV. hat beim Angelus am Sonntag dazu aufgerufen, auch in Momenten des Zweifels und der Verwirrung den Dialog mit Gott nicht abreißen zu lassen. Am Beispiel des Apostels Petrus erinnerte er daran, dass Gottes Wege nicht immer den eigenen Vorstellungen entsprechen. Zugleich äußerte der Papst seine Bestürzung über die Gewalt in Haiti und die Flutkatastrophe im Himalaya und appellierte weltweit an die Menschen, für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung einzutreten.
Auf Gottes Wege vertrauen
Für Leo XIV. zeigt sich gerade an Petrus, wie schwierig es für Menschen sein kann, Gottes Willen anzunehmen, wenn dieser den eigenen Vorstellungen widerspricht. „Oft“, so der Papst, wirkten Gottes Wege „von unseren eigenen sehr weit entfernt“. Petrus habe dies selbst erfahren, als er auf Jesu Ankündigung seines Leidens und Sterbens empört reagierte.
Der Apostel habe zwar an Jesus als den Messias geglaubt, zugleich aber nicht verstanden, wie dessen Leiden und Tod zur Rettung der Welt beitragen sollten. Dessen Reaktion sei aus Eifer und „aufrichtiger Liebe“ hervorgegangen, doch sie gebe Anlass zum Nachdenken.
In diesem Zusammenhang warnte der Papst vor der Versuchung, angesichts von Leid, Enttäuschungen oder unerwarteten Entwicklungen an Gottes Handeln zu zweifeln. Es könne geschehen, dass man „entgegen jeder Logik des Glaubens“ zu dem Schluss komme, Gott selbst irre sich, höre nicht zu oder interessiere sich nicht für die Menschen.
Aus der Impulsivität des Petrus lassen sich nach den Worten des Papstes dennoch zwei wichtige Lehren ziehen. Entscheidend sei zunächst, „den Dialog mit dem Herrn nie zu unterbrechen“. Auch Zweifel und Unverständnis dürften im Gebet ausgesprochen werden. Es gehe darum, Gott die eigenen Schwierigkeiten anzuvertrauen und danach zu fragen, „was er von uns möchte“.
Der Mensch müsse darauf verzichten, Gottes Handeln vorschnell nach den eigenen Maßstäben zu bewerten. Vielmehr gelte es, „im Gebet mit Demut auf das zu hören, was er uns durch sein Handeln offenbart“, appellierte der Papst. Das gelte auch dann, wenn sich dies nicht mit den eigenen Erwartungen decke. Leo XIV. ermutigte deshalb zu derselben Offenheit, die Petrus gezeigt habe: Im Glaubensleben und im Gebet sollten Menschen Gott ehrlich sagen, „was wir wirklich empfinden“, selbst wenn das eigene Herz von Unsicherheit und Verwirrung geprägt sei.
Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.
GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.
Gebet für Haiti und die Flutopfer
Nach seiner Botschaft über den Umgang mit Gottes Wegen richtete Leo XIV. den Blick auf Menschen, die von Gewalt und Naturkatastrophen betroffen sind. Mit eindringlichen Worten gedachte er der Opfer des Massakers im haitianischen Kenscoff und forderte die Freilassung der dort verschleppten Menschen.
„Aus Haiti erreichen uns dramatische Nachrichten über das schreckliche Massaker in Kenscoff“, sagte der Papst. Zahlreiche Menschen seien getötet, weitere als Geiseln genommen worden. Den Opfern und ihren Angehörigen versicherte er seine „Verbundenheit im Gebet“ und verlangte die „unverzügliche Freilassung aller Geiseln“. Zugleich appellierte er an die Verantwortlichen, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und „jeder Form von Gewalt ein Ende zu setzen“. In Kenscoff, einer Bergstadt nahe der Hauptstadt Port-au-Prince, hatte eine bewaffnete Bande bei einem Überfall Dutzende Menschen getötet und mehr als 50 weitere entführt. Einige der Geiseln kamen am Freitag wieder frei.
Auch die Opfer der schweren Überschwemmungen im Himalaya nahm Leo XIV. in sein Gebet auf. Er gedachte der Toten, Verletzten und Vermissten sowie ihrer Familien und der Rettungskräfte in Nepal und Tibet. „Möge die Anteilnahme aller dazu beitragen, das Leid zu lindern und der Bevölkerung die notwendige Hilfe zukommen zu lassen“, sagte er. Allein in Nepal waren nach den Angaben 752 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 2.500 galten weiterhin als vermisst.
Zum Abschluss rief der Papst erneut zum Gebet für den Frieden auf. Dabei griff er ein Bild des heiligen Augustinus auf: Frieden gleiche dem Wunderbrot der Brotvermehrung, das in den Händen der Jünger wuchs, „während sie es brachen und verteilten“. Leo XIV. verband dies mit einem Appell, weltweit das „Brot des Friedens“ weiterzugeben, Spaltungen zu überwinden, Gerechtigkeit zu fördern und Vergebung zu üben – „zum Wohl aller“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.
Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.
Kommentare (0)
Kommentare werden geladen...