„Der Papst ist kein Politiker“ – Erzbischof von Paris warnt vor politischer Vereinnahmung der Papstreise
Kurz vor den Senatswahlen reist Papst Leo XIV. nach Frankreich. Der Pariser Erzbischof erklärt, warum der Besuch nicht politisch gedeutet werden sollte.

Vor dem bevorstehenden Besuch von Papst Leo XIV. in Frankreich warnt der Erzbischof von Paris, Laurent Ulrich, vor einer politischen Vereinnahmung der Visite. Der Papst komme nicht, um die innenpolitischen Spannungen im Vorfeld der Wahlen zu entschärfen, sondern mit einer Botschaft der Versöhnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Zu den Stationen des Besuchs in Paris, Lourdes und Metz werden Zehntausende Menschen erwartet.
Papstbesuch ohne „politisches Programm“
Papst Leo XIV. besucht vom 25. bis 28. September Frankreich. Auf dem Programm stehen Stationen in Paris, Lourdes und Metz. Der Besuch fällt in eine politisch sensible Zeit: Am 27. September wird in Frankreich ein neuer Senat gewählt, im kommenden Jahr stehen zudem Präsidentschaftswahlen an.
Der Erzbischof von Paris, Laurent Ulrich, warnt deshalb davor, den Papstbesuch für innenpolitische Zwecke zu vereinnahmen. Leo XIV. trete „nicht als Politiker“ auf und komme „mit keinem politischen Programm“, sagte Ulrich der italienischen Nachrichtenagentur SIR.
Vielmehr gehe es dem Papst darum, mit „entwaffnenden Worten“ Verständnis zu fördern und ein Gefühl der Einheit innerhalb der französischen Gesellschaft zu stärken. Das sei angesichts des angespannten und teilweise stark polarisierten politischen Klimas von besonderer Bedeutung.
Ulrich verwies darauf, dass Leo XIV. wiederholt für Zusammenarbeit und gemeinsames Engagement beim Aufbau eines Landes geworben habe. Es reiche nicht aus, „einen Führer zu haben, der allen vorschreibt, was sie zu tun haben“, zitierte ihn SIR. Diese Botschaft sei aus Sicht des Erzbischofs „mutig“.
Auch mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen erwartet Ulrich vom Papst vor allem einen Beitrag zur gesellschaftlichen Verständigung. Die Parteien und möglichen Kandidaten bräuchten in dieser Phase „Worte, die der Versöhnung dienen“, sagte er. Äußerungen, die die nationale Einheit zusätzlich belasteten, seien dagegen nicht hilfreich.
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Erwartungen an den Papstbesuch
Viele Franzosen verbinden mit dem bevorstehenden Besuch von Papst Leo XIV. konkrete Erwartungen. Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop zufolge wünschen sich 28 Prozent, dass der Papst über „Frieden und Konflikte in der Welt“ spricht. 15 Prozent erwarten von ihm Aussagen zum „Kampf gegen sexuellen Missbrauch und dessen Prävention innerhalb der Kirche“.
Die Autoren der Studie sehen darin ein Bedürfnis nach Orientierung und Stabilität. In einer Zeit, in der Aggressivität in den sozialen Medien ebenso wie in den internationalen Beziehungen zunehmend präsent sei, bestehe Bedarf an einer „Säule der Stabilität“. Leo XIV. komme dabei den Erwartungen eines Teils der französischen Bevölkerung entgegen.
Gleichzeitig dürfte der Papstbesuch auf großes öffentliches Interesse stoßen. An allen Stationen der Reiseroute werden zahlreiche Besucher erwartet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur SIR sollen deshalb rund 15.000 Einsatzkräfte von Militär, Polizei und Gendarmerie für die Sicherheit mobilisiert werden.
Erzbischof Laurent Ulrich führt das Interesse auch auf das Auftreten des Papstes zurück. Leo XIV. sei es besonders wichtig, „seine Nähe zu zeigen“. Darin liege eine zentrale Aufgabe eines Bischofs oder Priesters: den Menschen „so nah wie möglich“ zu sein. Einen solchen Andrang bei einem Besuch dieser Art erlebe man, so Ulrich, sonst bei keinem anderen Staatsoberhaupt.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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