Kultur

Die Mehrheit lehnt es ab: Muslimisches Freitagsgebet auf Gottesdiensttafeln

Umfrage zeigt es: 58 Prozent der Deutschen lehnen Hinweise auf muslimische Freitagsgebete an Ortseingängen ab. Besonders groß ist die Ablehnung bei älteren Menschen und AfD-Anhängern.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Die Mehrheit lehnt es ab: Muslimisches Freitagsgebet auf Gottesdiensttafeln
(c) Wikimedia Commons - Ikar.us - CC BY-SA 3.0

Seit 1960 gibt es sie: die Gottesdiensttafeln an Ortseingängen. Einer Umfrage zufolge lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung Hinweise auf das muslimische Freitagsgebet auf diesen Tafeln ab. Hintergrund der Erhebung ist ein Fall aus dem oberbayerischen Penzberg. Dort weisen die Tafeln an den Ortseingängen seit Juli nicht nur auf die katholischen und evangelischen Gottesdienstzeiten, sondern auch auf das Freitagsgebet der islamischen Gemeinde hin. Die Schilder wurden daraufhin zweimal mit schwarzer Farbe besprüht.

Mehrheit gegen Hinweisschilder

„Wie stehen Sie zur folgenden Aussage? Hinweisschilder an Ortseingängen sollten neben christlichen Gottesdiensten auch auf muslimische Freitagsgebete hinweisen?“ – so lautete die Frage des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere, das die Umfrage im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA durchführte.

Wie das Ergebnis der Erhebung zeigt, lehnt eine deutliche Mehrheit der Deutschen Hinweisschilder für muslimische Freitagsgebete an Ortseingängen ab. Demnach sprechen sich 58 Prozent gegen eine solche Beschilderung aus, während 22 Prozent sie befürworten.

Die Zustimmung und Ablehnung unterscheiden sich je nach Religionszugehörigkeit deutlich. Unter den landeskirchlichen Protestanten lehnen 65 Prozent die Schilder ab, bei den Katholiken sind es 55 Prozent und bei den Freikirchlern 41 Prozent. Von den Konfessionslosen sprechen sich mit 67 Prozent die meisten gegen die Beschilderung aus. 68 Prozent der Muslime hingegen begrüßen einen entsprechenden Hinweis. Für die Erhebung befragte INSA nach eigenen Angaben vom 14. bis 17. August insgesamt 2006 Bundesbürger online.

Unterschiede nach Alter und Partei

Laut IDEA sind die Ergebnisse repräsentativ für die volljährige Bevölkerung in Deutschland und berücksichtigen Geschlecht, Alter und Region. 16 Prozent der Befragten konnten sich nicht für eine Antwort entscheiden, vier Prozent machten keine Angabe.

Besonders deutlich unterscheiden sich die Einschätzungen nach Altersgruppen. Bei den 18- bis 29-Jährigen befürworten 46 Prozent Hinweisschilder für muslimische Freitagsgebete, während 33 Prozent sie ablehnen. In allen anderen Altersgruppen überwiegt die Ablehnung. Am höchsten ist sie bei den 50- bis 59-Jährigen mit 67 Prozent und bei den 60- bis 69-Jährigen mit 66 Prozent.

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Auch zwischen den Anhängern der Parteien zeigen sich deutliche Unterschiede. Am stärksten ist die Ablehnung bei Personen, die der AfD nahestehen: 79 Prozent sprechen sich gegen die Schilder aus. Bei Anhängern von CDU/CSU sind es 61 Prozent, bei der SPD 50 Prozent. Unter den Grünen-Anhängern lehnen 41 Prozent die Beschilderung ab. Mit 43 Prozent der Anhänger der Linken spricht sich dagegen eine relative Mehrheit für zusätzliche Hinweise auf das Freitagsgebet aus.

Streit um Schilder in Penzberg

Der Hintergrund der Umfrage ist ein Fall im oberbayerischen Penzberg, wo seit Juli neben den Zeiten katholischer und evangelischer Gottesdienste auch die Termine für das muslimische Freitagsgebet angezeigt werden.

In Penzberg blieb die neue Beschilderung nicht ohne Reaktionen. Kurz nach der Montage wurde eine der Tafeln mit schwarzer Farbe besprüht, Ende Juli kam es zu einem zweiten Vorfall. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und stellte das Schild sicher. Konkrete Verdächtige gibt es nach Angaben der Polizei bislang nicht.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verurteilte die Schmierereien als inakzeptabel. „Die religiöse Vielfalt gehört zu Bayern“, sagte Herrmann dem epd. Sie sei Ausdruck der Freiheit und des demokratischen Selbstverständnisses des Landes.


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