Drohnenangriff auf Kirche in Papua löst Massenflucht aus
Nach einem mutmaßlichen Drohnenangriff auf eine katholische Kirche in Zentralpapua wächst die Sorge vor einer neuen Eskalation des Konflikts in der Region. Vier indigene Papuaner wurden verletzt, hunderte Menschen flohen in die Wälder. Kirchenvertreter sprechen von einem „tiefen Trauma“ und warnen vor den Folgen der zunehmenden Militarisierung.

Nach einem mutmaßlichen Drohnenangriff auf eine katholische Kirche in der indonesischen Provinz Zentralpapua wächst die Sorge über eine weitere Eskalation des jahrzehntelangen Konflikts in der Region. Bei der Explosion im Innenhof der St.-Paulus-Kirche im Dorf Mbamogo wurden vier indigene Papuaner verletzt; hunderte Bewohner flohen aus Angst in die umliegenden Wälder. Kirchenvertreter sprechen von einem „tiefen Trauma“ und werfen den Sicherheitskräften eine zunehmende Militarisierung ziviler Gebiete vor, während das indonesische Militär jede Verantwortung zurückweist.
Angriff auf Kirche sorgt für Angst und Flucht
Nach der Explosion eines Sprengsatzes im Hof der katholischen St.-Paulus-Kirche im Dorf Mbamogo im Regierungsbezirk Intan Jaya wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt in Zentralpapua. Der Sprengsatz detonierte am 17. Mai unmittelbar nach dem Sonntagsgottesdienst, als sich noch zahlreiche Gläubige auf dem Kirchengelände aufhielten. Vier Zivilisten – allesamt indigene papuanische Katholiken – wurden verletzt.
Mehrere Augenzeugen berichteten, die Bombe sei durch eine Drohne ausgelöst worden. Die Explosion habe unter den Bewohnern Panik ausgelöst; hunderte Menschen flohen aus Angst vor weiteren Angriffen in die umliegenden Wälder. Die Lage in der ohnehin konfliktreichen Region verschärfte sich dadurch weiter. Pfarrer Yanuarius Yance Yogi koordinierte unmittelbar nach dem Angriff die Evakuierung der Verletzten und zeigte sich besorgt über die Sicherheit der Gläubigen und der lokalen Bevölkerung.
Scharfe Kritik kam von kirchlicher Seite. „Der jüngste Drohnenangriff in Intan Jaya hat zivile Opfer gefordert und in der örtlichen Gemeinde ein tiefes Trauma hinterlassen“, erklärte Pater Alexandro Rangga, Direktor der Franziskaner-Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“ in Indonesisch-Papua. Die zunehmende Gewalt gegen Kultstätten und unbewaffnete Zivilisten sei „äußerst besorgniserregend“. Rangga forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls sowie Sicherheitsgarantien und humanitären Zugang für die betroffenen Familien.
Das indonesische Militär (TNI) wies jede Verantwortung zurück. Ein Armeesprecher sprach von einer möglichen „Provokation“, die darauf abziele, Chaos zu stiften und die Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Bevölkerung weiter anzuheizen. Die Polizei von Zentralpapua hat inzwischen Ermittlungen zu den Hintergründen und möglichen Tätern aufgenommen.
Jahrzehntelanger Konflikt in Papua
Die Provinz Papua gehört seit Jahrzehnten zu den konfliktreichsten Regionen Indonesiens. Immer wieder kommt es dort zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen indonesischen Sicherheitskräften und papuanischen Separatistengruppen. Besonders betroffen ist das zentrale Hochland, wo der Konflikt nach Einschätzung von Beobachtern zuletzt weiter eskaliert ist. Pater Alexandro Rangga, Direktor der Franziskaner-Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“ in Indonesisch-Papua, schildert die Lage eindringlich: „Schießereien, Sicherheitsoperationen, die Zivilisten treffen, der Tod von Kindern, Frauen, Studenten und Indigenen sowie die jüngsten Bombenexplosionen in der Nähe von Kultstätten haben nicht nur zu einer Flüchtlingswelle geführt, sondern auch tiefe Wunden und Leid verursacht.“
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Nach Angaben kirchlicher und lokaler Organisationen haben die verstärkten Militäroperationen der vergangenen Jahre massive Vertreibungen ausgelöst. Seit Anfang 2026 sollen mehr als 105.000 Menschen innerhalb der Region auf der Flucht sein – überwiegend indigene Papua, die Schutz in abgelegenen Waldgebieten suchen.
Die lokale Bevölkerung wirft dem indonesischen Militär schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Dazu zählen Berichte über Tötungen von Zivilisten, niedergebrannte Dörfer sowie Angriffe auf Kirchen und Schulen. Zudem stehen Vorwürfe von Folter, Verschwindenlassen und Straflosigkeit der Sicherheitskräfte im Raum. Die indonesische Armee weist diese Anschuldigungen zurück und betont, ausschließlich gegen bewaffnete Separatisten vorzugehen.
Als wichtiger Hintergrund des Konflikts gilt auch der Reichtum der Region an natürlichen Ressourcen wie Kupfer, Gold, Holz und Gas. Kritiker werfen der Zentralregierung in Jakarta vor, Konzessionen an internationale Konzerne zu vergeben, ohne dass die indigene Bevölkerung angemessen davon profitiere. Inmitten der anhaltenden Spannungen übernehmen die katholischen und protestantischen Kirchen in Papua eine bedeutende gesellschaftliche Rolle. Sie setzen sich für den Schutz der Menschenwürde, die Wahrung der Menschenrechte sowie für Dialog und Versöhnung ein.
Aufruf zu Gebeten für Frieden
Die Franziskaner, die bereits seit 1937 durch niederländische Missionare in Papua präsent sind, äußern zunehmend Besorgnis über die wachsende Militarisierung ziviler Gebiete. Nach ihrer Einschätzung verschärft die starke Präsenz bewaffneter Kräfte die humanitäre Lage der Bevölkerung zusätzlich. „Die übermäßige Präsenz bewaffneter Streitkräfte hat bisher Traumata, Angst, Vertreibung und neue Verwundbarkeiten für die Gemeinschaften verursacht“, erklärten Vertreter des Ordens. Zugleich erinnerten sie an die Friedensbotschaft der Enzyklika Pacem in Terris: „Wahrer Frieden gründet allein auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit.“
Mit Blick auf die anhaltende Gewalt richteten die Franziskaner einen eindringlichen Appell an die Gläubigen. Sie riefen dazu auf, „die Gebete für den Frieden in Papua zu intensivieren“, Solidarität mit den Opfern zu zeigen und sich aktiv für Versöhnung in den Gemeinden einzusetzen. „Papua darf kein Ort endlosen Krieges sein“, mahnten die Ordensvertreter.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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