Christenverfolgung

Entführt, zwangskonvertiert, isoliert: Gericht verweigert Christin die Rückkehr zu ihrer Familie

Ein Nähkurs als Hoffnung auf ein besseres Leben – doch für die 18-jährige Christin Neha Faqir endet er im Albtraum. Nach ihrer mutmaßlichen Entführung und Zwangskonversion verweigert ein Gericht in Lahore die Rückkehr zu ihrer Familie. Für die Angehörigen beginnt ein zermürbender Kampf um ihre Tochter vor Gericht und Behörden.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Entführt, zwangskonvertiert, isoliert: Gericht verweigert Christin die Rückkehr zu ihrer Familie
(c) Wikimedia Commons - Raki_Man - CC BY-SA 3.0

Zwei Monate nach ihrem Verschwinden steht die 18-jährige Christin Neha Faqir erstmals wieder vor ihrer Familie – doch statt einer Heimkehr folgt der nächste Schock. Ein Gericht in Lahore lehnt die Rückführung der mutmaßlich entführten und zum Islam zwangskonvertierten jungen Frau ab. Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf ein dramatisches Problem, das jedes Jahr Hunderte Mädchen aus religiösen Minderheiten in Pakistan betrifft.

Entführt nach Nähkurs: Familie kämpft um Neha

Es war als Ausweg aus der Armut gedacht, doch für Neha Faqir sollte ein Nähkurs zum absoluten Albtraum werden. Die 18-Jährige stammt aus einer christlichen Familie in der pakistanischen Provinz Punjab, die wie viele Angehörige religiöser Minderheiten in Schuldknechtschaft lebt. Als Arbeiter in Ziegeleien sind die Zukunftsaussichten ihrer Eltern Faqir Masih und Rasoola Bibi düster. Um ihrer Tochter eine bessere Zukunft zu ermöglichen, meldeten sie Neha zu einem Nähkurs an. Doch die Hoffnung der Familie verwandelte sich innerhalb weniger Stunden in einen Albtraum.

Als Neha am Abend des 24. März vom Nähkurs nicht nach Hause zurückkehrte, machten sich ihre Eltern Sorgen. Auf Nachfrage im Nähzentrum erhielten sie eine beunruhigende Antwort: Ihre Tochter sei dort an diesem Tag nicht erschienen. Schon früh fiel der Verdacht der Familie auf die muslimischen Betreiber des Ausbildungszentrums. Wenig später bestätigten sich ihre schlimmsten Befürchtungen.

Nach Angaben der Familie und von Menschenrechtsaktivisten wurde Neha entführt und zur Konversion zum Islam gezwungen. Am 1. April erstattete Vater Faqir Masih Anzeige. Darin beschuldigte er einen islamischen Geistlichen namens Muhammad Sajid sowie dessen zwei Ehefrauen, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein.

Doch statt rascher Hilfe sah sich die Familie nach eigenen Angaben Einschüchterungen und Drohungen ausgesetzt. Gleichzeitig wuchs die Verzweiflung über die aus ihrer Sicht schleppenden Ermittlungen. Die christliche Hilfsorganisation Christian Solidarity International (CSI) schaltete sich ein und beauftragte einen Anwalt, der beim Obersten Gerichtshof von Lahore einen Antrag wegen Entführung einreichte.

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Erst auf gerichtliche Anordnung begann eine gezielte Suche nach der jungen Frau. Schließlich wurde Neha in einer staatlich geführten Unterkunft im Verwaltungsbezirk Lahore gefunden. Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zerschlug sich jedoch erneut: Zuständigkeitsstreitigkeiten zwischen Behörden verzögerten das Verfahren erheblich. Ermittlungen zeigten, dass man Neha zunächst in einer Madrasa (islamischen Schule) fest hielt. Menschenrechtsorganisationen vermuten, dass dies Teil eines Vorgehens war, um die Spuren der mutmaßlichen Entführung zu verwischen und die junge Christin dem Zugriff ihrer Familie und der Behörden zu entziehen.

Gericht verweigert Rückkehr: Familie darf entführte Christin nicht sprechen

Am vergangenen Dienstag wurde Neha auf Anordnung des Gerichts von der Polizei vor den Obersten Gerichtshof in Lahore gebracht. Für ihre Familie war es das erste Wiedersehen nach rund zwei Monaten. Doch die Begegnung verlief nicht wie erhofft. Die junge Frau erschien in einer schwarzen Burka, begleitet von einer ebenfalls verhüllten Begleiterin sowie muslimischen Vertretern.

Der zuständige Richter untersagte der Mutter und Schwester jeglichen Kontakt zu Neha und lehnte zugleich eine Rückführung in den Familienverband ab. Für die Angehörigen bedeutete die Entscheidung einen weiteren Rückschlag in einem ohnehin belastenden Verfahren.

Wie CSI mitteilt, prüfen die Familie und ihr Anwalt nun eine Berufung vor dem Zweiergremium des Obersten Gerichtshofs von Lahore. Ein solches Verfahren würde jedoch zusätzliche Kosten verursachen, die die Familie kaum tragen kann. Ob tatsächlich Berufung eingelegt wird, ist derzeit offen.

Der Fall reiht sich in ein größeres Muster ein, auf das Menschenrechtsorganisationen seit Jahren hinweisen. Laut einem BBC-Bericht aus dem Jahr 2021 werden jährlich fast 1.000 Mädchen aus religiösen Minderheiten in Pakistan entführt; viele von ihnen sollen anschließend zur Konversion zum Islam gezwungen werden. Arbeits- oder Ausbildungsstätten, sollen als Kontaktpunkte der mutmaßlichen Tätern dienen.


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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