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Eröffnung des Katholikentags: Eine politische Kirche mischt sich ein

Der Katholikentag in Würzburg startet mit Appellen zu Hoffnung, Demokratie und Zusammenhalt – Kirche soll sich gesellschaftlich einmischen.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Eröffnung des Katholikentags: Eine politische Kirche mischt sich ein
© Markus Hauck (POW)

Mit einem Appell zu mehr gesellschaftlichem Engagement hat der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg begonnen. Bei der Eröffnungspressekonferenz betonten Vertreter von Kirche, Stadt und Veranstaltern die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Christentreffens. Britta Baas eröffnete die Pressekonferenz mit dem Hinweis, der Katholikentag wolle ein „lebendiges Programm für die Menschen und die Stadt“ bieten. Die Veranstaltung verstehe sich nicht nur als kirchliches Treffen, sondern als offenes Forum für Austausch, Begegnung und gesellschaftliche Debatten.

„Nicht hinter Kirchentüren verschwinden“

Im Mittelpunkt stand anschließend das Leitwort des Katholikentags: „Hab Mut, steh auf!“ Für die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, ist dies „ein Auftrag an Christinnen und Christen, nicht hinter Kirchentüren zu verschwinden“. Kirche müsse sich einmischen und Haltung zeigen. „Eine Kirche, die sich zur Menschenwürde, zur Solidarität, zu konkretem Handeln in der Not der Zeit bekennt, ist eine politische Kirche“, sagte Stetter-Karp.

Katholikentage seien „Orte des Lebens“. Sie wollten „verwandeln“, „Haltung fordern“ und „zum Handeln inspirieren“. Das Leitwort greife die biblische Geschichte des blinden Bartimäus auf und zeige, „dass ein Mensch, der unbeirrt auf dem Weg zu Gott ist, nicht nur sich selbst verändert. Er verändert auch die Haltung anderer.“ Daraus folge: „Wir brauchen mehr Bartimäusse“ – Menschen, die durch Mut und Glauben andere ermutigten.

Auch der Würzburger Bischof Franz Jung stellte die Verbindung von Spiritualität und gesellschaftlicher Verantwortung in den Mittelpunkt. „Aus seiner geistlichen Mitte heraus hat der Katholikentag auch immer eine starke politische Dimension“, sagte Jung. Christinnen und Christen seien ein „Netzwerk der Hoffnung“, ohne das die Gesellschaft ärmer wäre. Zugleich hob der Bischof die geistliche Bedeutung des Treffens hervor. Der Katholikentag beginne am Vorabend von Christi Himmelfahrt – einem Fest, das Christen an Jesus Christus als „Hoffnungsanker“ erinnere. „Hab Mut, steh auf! Lass dich nicht entmutigen von den vielen negativen Botschaften dieser Tage“, sagte Jung. Gottesdienste sowie spirituelle und biblische Angebote bildeten deshalb einen zentralen Bestandteil des Programms. Kirche dürfe sich nicht in geschlossene Räume zurückziehen, sondern müsse nach außen wirken. Große Zukunftsfragen ließen sich nur gemeinsam lösen, so der Würzburger Bischof.

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Würzburg als „Labor für gelingendes Miteinander“

Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig bezeichnete den Katholikentag hingegen als „Ereignis, das unsere Stadt in aller Tiefe bewegen wird“. Mit mehreren zehntausend Teilnehmern sende die Veranstaltung „ein enormes Zeichen der Vielfalt“. Gerade in einer Zeit des Rückzugs in private und digitale Räume schaffe der Katholikentag einen realen Ort der Begegnung. „Würzburg wird so zum Labor für ein gelingendes Miteinander“, sagte Heilig. Der Katholikentag sei dabei nicht nur für Gläubige relevant, sondern ein kulturelles Bürgerfest, das weit in die Stadtgesellschaft hineinwirke.

Marc Frings, Generalsekretär des ZdK, dankte insbesondere den zahlreichen Ehrenamtlichen. „Ein Katholikentag fällt nicht vom Himmel“, sagte er mit Blick auf die jahrelange Vorbereitung. Ohne die vielen Helferinnen und Helfer in Gemeinden, Verbänden, Initiativen oder im Ordnungsdienst sei die Großveranstaltung nicht möglich. Zugleich betonte Frings die gesellschaftliche Verantwortung der Kirche: Katholische Prägung dürfe „keine nostalgische Kulisse“ sein, sondern müsse Auftrag bleiben, „Demokratie und Zusammenhalt zu verteidigen“.

Der Katholikentag verstehe sich deshalb ausdrücklich nicht als „gemütliches Heimspiel“. Das Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ sei kein „Wellnesssatz“, sondern ein Aufruf zum Handeln – im Alltag ebenso wie in gesellschaftlichen Debatten. Demokratie brauche Menschen, „die sie verkörpern“, etwa durch ehrenamtliches Engagement oder konkrete Hilfe für andere.

Viele Angebote auch für Suchende

Rund 30.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter bislang Tickets für den Katholikentag erworben. Hinzu kommen zahlreiche Besucherinnen und Besucher, die einzelne Veranstaltungen in Würzburg besuchen werden. Viele Angebote seien bewusst offen gestaltet, betonte Bischof Jung – auch für Suchende und Menschen ohne enge Bindung zur Kirche.


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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