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Erster bekennender katholischer Premier? Britische Kirche blickt auf Andy Burnham

Als erster katholischer Regierungschef Großbritanniens würde der Labour-Politiker Andy Burnham ein neues Kapitel im Verhältnis von Kirche und Politik eröffnen. Doch trotz seiner religiösen Prägung bleibt seine politische Linie in zentralen Gesellschaftsfragen weitgehend liberal.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Erster bekennender katholischer Premier? Britische Kirche blickt auf Andy Burnham
(c) Wikimedia Commons - Public domain

Mit dem voraussichtlichen Amtsantritt des Labour-Politikers Andy Burnham als britischer Premierminister könnte das Vereinigte Königreich erstmals einen Regierungschef erhalten, der sich offen zum katholischen Glauben bekennt. Vertreter der katholischen Kirche verbinden damit vorsichtige Hoffnungen auf eine stärkere Berücksichtigung der katholischen Soziallehre in der Politik. Eine grundlegende politische Neuausrichtung ist jedoch angesichts des säkularen gesellschaftlichen Umfelds nicht zu erwarten.

Früher Messdiener – zukünftig Premierminister?

Einen bekennenden katholischen Premierminister hat das Vereinigte Königreich bislang nicht erlebt: Zwar war Boris Johnson, der von 2019 bis 2022 Regierungschef war, katholisch getauft, wuchs jedoch als Anglikaner auf und praktizierte seinen Glauben nicht. Tony Blair wiederum praktizierte während seiner Amtszeit bereits den katholischen Glauben, trat jedoch erst nach seinem Rücktritt als Premierminister im Jahr 2007 offiziell zur katholischen Kirche über. Sollte Andy Burnham das Amt übernehmen, wäre er damit der erste britische Premierminister, der sich bereits während seiner Amtszeit öffentlich zum katholischen Glauben bekennt. Insgesamt gehören knapp zehn Prozent der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs der katholischen Kirche an.

In der katholischen Kirche wird Burnhams möglicher Amtsantritt mit verhaltenem Optimismus aufgenommen. Der stellvertretende Vorsitzende der Schottischen Bischofskonferenz, Bischof Brian McGee, verwies darauf, dass der Labour-Politiker wiederholt erklärt habe, sich von der katholischen Soziallehre inspirieren zu lassen. Sollte sein Gewissen tatsächlich vom Evangelium geprägt sein, könne dies „Früchte tragen“, sagte McGee. Zugleich dämpfte er allzu hohe Erwartungen und verwies auf das gesellschaftliche Klima im Vereinigten Königreich: „Viele Menschen hier mögen die christliche Kirche nicht und wollen keinen Glauben im öffentlichen Raum.“

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Burnham ist seit 2017 Bürgermeister von Greater Manchester. Er wuchs im nahegelegenen Warrington in einer katholischen Familie auf, diente als Messdiener und schickte später auch seine eigenen Kinder auf katholische Schulen. Über seinen persönlichen Glauben spricht der 55-Jährige allerdings nur selten. Politisch steht der Labour-Politiker für klassische sozialdemokratische Themen wie den Ausbau des Bildungs- und Sozialwesens, den Wohnungsbau sowie Reformen im Steuersystem. Für seine Arbeit als Bürgermeister erhielt er wiederholt Anerkennung, insbesondere für Infrastrukturprojekte und Investitionen in der Region.

Kirchliche Prägung, liberale Positionen

Trotz seines katholischen Hintergrunds erwarten Beobachter keine grundlegende politische Kursänderung unter Burnham. Der Labour-Politiker gilt als Vertreter des liberalen Parteiflügels und weicht in mehreren zentralen gesellschaftspolitischen Fragen von der Lehre der katholischen Kirche ab. Während die Kirche am Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod festhält, Abtreibung und aktive Sterbehilfe ablehnt sowie die Ehe als lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau versteht, vertritt Burnham in diesen Bereichen liberale Positionen. Auch bei der Sexualaufklärung und den Rechten der LGBTQ+-Gemeinschaft vertritt er deutlich progressivere Ansichten als die kirchliche Lehre.

So forderte Burnham bereits 2015 den damaligen Papst Franziskus auf, die katholische Kirche in der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe „ins 21. Jahrhundert zu führen“. Zugleich betont er immer wieder die Bedeutung seines Glaubens für sein politisches Handeln. In einer Rede vor dem Londoner Thinktank Theos im vergangenen Oktober sprach er sich für eine stärkere Einbindung glaubensbasierter Organisationen aus und warb für eine Politik, die auf „Vertrauen, Gemeinschaft, Glauben und Überzeugung“ beruhe. Ein Treffen mit Papst Franziskus im Jahr 2023 bezeichnete Burnham als das „größte Privileg“ seines Lebens.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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