In Tallinn beging die katholische Kirche an diesem Wochenende erstmals den offiziellen Gedenktag des im Vorjahr seliggesprochenen Märtyrerbischofs Eduard Profittlich (1890–1942). In der Peter-und-Paul-Kathedrale der estnischen Hauptstadt fand am Samstag ein feierlicher Gottesdienst mit Ortsbischof Philippe Jourdan und dem vatikanischen Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher, statt. Bei der Veranstaltung wurde das Leben und Wirken Profittlichs gewürdigt, der während der sowjetischen Besatzung bewusst in Estland geblieben war und im Gefängnis von Kirow starb. Der deutsche Jesuit gilt als Symbolfigur für Glaubenstreue, moralische Standhaftigkeit und Brückenbau zwischen Menschen.
Profittlich als Vorbild für Diplomatie und Glauben
Anlässlich des ersten offiziellen Gedenktags ehrte die katholische Kirche in Estland den seligen deutschen Jesuiten Eduard Profittlich. Bei einer internationalen Konferenz in Tallinn zu Ehren des Jesuiten rief der vatikanische Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher, zu verstärktem Einsatz für Frieden auf. Er warnte, die Welt erlebe derzeit eine Zeit, in der der Friede „mehr denn je bedroht und verwundet“ sei. Dabei nahm er besonders den Krieg in der Ukraine und einen „dritten Weltkrieg in Stücken“ in den Blick. Zugleich betonte Gallagher, dass Gott „Nationen aus der Asche des Hasses wiederaufbauen“ könne.
Der Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten und internationalen Organisationen nahm am 20. und 21. Februar an der Tagung über den seliggesprochenen Jesuiten teil. Eduard Profittlich, der während der sowjetischen Besatzung bewusst in Estland geblieben war und 1942 im Gefängnis von Kirow starb, stehe für Gallagher für eine Verbindung von „Diplomatie und Heiligkeit“ sowie für den Einsatz für Wahrheit gegen Unterdrückung. In seiner Ansprache stellte der vatikanische Diplomat die Verbindung zwischen pastoraler Arbeit und kirchlicher Diplomatie heraus und betonte, dass beide ihren Ursprung im Einsatz für Wahrheit und die Würde des Menschen hätten.
In seiner Ansprache blickte Erzbischof Gallagher auf das Martyrium des Jesuiten Profittlich zurück und bezeichnete dessen Entschluss, im Land zu bleiben, als „höchsten diplomatischen Akt“. Gallagher hob hervor, dass Profittlich dadurch zu einem „Brückenbauer“ wurde, der Beziehungen knüpfte und einem kleinen Volk eine moralische Stimme verlieh. Selbst während brutaler Verhöre und Inhaftierung habe Profittlich nie seinen Mut verloren. „Er blieb der höchsten Wahrheit treu: Liebe ist die einzige Kraft, die das Böse überwinden kann“, betonte Gallagher.
Wahrer Frieden kennt weder Gewinner noch Verlierer
Angesichts heutiger Konflikte und Bedrohungen spreche Profittlichs Geschichte „dringend zu uns“, so der Erzbischof weiter. Sie erinnere daran, dass Wahrheit in Missionen und Diplomatie nicht nur ein Accessoire sei, sondern zur Seele menschlichen Handelns gehöre. Sowohl pastorale als auch diplomatische Einsätze müssten darauf abzielen, Distanzen zu überbrücken, Spaltungen zu vermeiden und Raum für Dialog zu schaffen, wobei das Wohl des Menschen stets im Vordergrund stehe. „Wahrer Frieden muss die Frucht dieses tugendhaften Werks sein, in dem es weder Gewinner noch Verlierer gibt“, so Gallagher weiter.
Auch wenn Frieden heute oft unerreichbar erscheine, dürfe man nicht resignieren: Was unmöglich erscheine, könne mit Gottes Hilfe Wirklichkeit werden. Der selige Eduard Profittlich gilt in Estland als Symbol für Glaubenstreue und Freiheit. Seine Lebensgeschichte zeige, so betonte Erzbischof Gallagher, dass Wahrheit und Liebe stärker seien als Gewalt und Ideologien.
Zum Auftakt der Konferenz am Freitag sprach der päpstliche Nuntius in den baltischen Staaten, Erzbischof Georg Gänswein. Weitere Redner waren Diözesanbischof Jourdan sowie die estnische Theologin Marge Paas, die als Postulatorin im Seligsprechungsverfahren für Profittlich tätig ist. Profittlich selbst starb 1942 im Gefängnis, bevor sein Todesurteil vollstreckt werden konnte.
