Vatikan

Erzbischof Grünwidl beim Papst: Dialog in Rom vor dem Hintergrund umstrittener Reformpositionen

Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl ist am Montag zu seiner ersten Privataudienz bei Papst Leo XIV. im Vatikan empfangen worden.

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Andreas Nachbar
6 min Lesezeit
Erzbischof Grünwidl beim Papst: Dialog in Rom vor dem Hintergrund umstrittener Reformpositionen

Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl ist am Montag zu seiner ersten Privataudienz bei Papst Leo XIV. im Vatikan empfangen worden. Das Gespräch, das laut Angaben des vatikanischen Presseamts ohne inhaltliche Details stattfand, wurde von beiden Seiten als vertraulich eingestuft. Grünwidl sprach im Anschluss von einem „sehr guten Gespräch“ und bezeichnete den Papst als „ausgezeichneten Zuhörer“. Der Besuch in Rom findet vor dem Hintergrund statt, dass Grünwidl in der Vergangenheit wiederholt mit reformorientierten Positionen innerhalb der Kirche in Verbindung gebracht wurde.

Grünwidl nach Privataudienz: Papst Leo ‚ein ausgezeichneter Zuhörer‘

Nach seinem ersten persönlichen Treffen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt äußerte sich der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl im Gespräch mit der Presseagentur Kathpress zufrieden. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, so Grünwidl. Besonders hob er dabei Papst Leo XIV. hervor: Dieser sei, „wie ja schon viele vor mir bemerkt haben, ein ausgezeichneter Zuhörer“. Die rund halbstündige Privataudienz im Vatikan habe zudem Gelegenheit geboten, „über die Situation der Kirche in der Erzdiözese Wien“ zu berichten. Inhalte des Gesprächs unterliegen nach Angaben der Erzdiözese der vereinbarten Vertraulichkeit.

Im Rahmen seines zweitägigen Antrittsbesuchs in Rom stand für Grünwidl auch ein Besuch des Grabes von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore auf dem Programm. Ebenso war ein Gespräch in der vatikanischen Bildungsbehörde vorgesehen. Am Dienstag folgen weitere Termine mit Vertretern der Römischen Kurie. Geplant sind unter anderem Arbeitsgespräche mit den Leitern der Dikasterien für die Bischöfe sowie für den Klerus. Darüber hinaus umfasst das Programm Gottesdienste in der deutschsprachigen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima sowie am Campo Santo Teutonico im Vatikan.

Zwischen Reformkurs und kirchlicher Tradition

Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl steht seit Jahren für einen kirchenpolitischen Kurs, der in wesentlichen Punkten mit den Reformforderungen progressiver Kirchenkreise übereinstimmt. Medien wie der ORF beschrieben ihn bereits 2025 ausdrücklich als „offen für Reformen“. Besonders deutlich wurde dies bei seinen Aussagen zum priesterlichen Zölibat, den Grünwidl zwar persönlich bejaht, zugleich jedoch nicht als „Glaubensfrage“ verstanden wissen will.

Auch hinsichtlich der Rolle der Frau vertritt Grünwidl Positionen, die über die bisherige kirchliche Praxis deutlich hinausgehen. Er sprach von „dringendem Klärungsbedarf“, forderte weitere Diskussionen über das Frauendiakonat und brachte sogar Frauen im Kardinalskollegium ins Spiel. Bereits als Apostolischer Administrator setzte er entsprechende Signale, indem er seit seiner Einführung in das Bischofsamt im Januar drei Frauen in das diözesane Leitungsteam berief. Für viele steht dies exemplarisch für eine zunehmende Anpassung kirchlicher Leitungsstrukturen an gesellschaftspolitische Erwartungen, die oftmals im Gegensatz zur katholischen Lehre stehen.

Bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz im März sprach Grünwidl von „Aufbruch und Veränderungen“ in der Kirche. Besonders aufhorchen ließ seine Aussage: „Was vom Heiligen Geist kommt, kann das Kirchenrecht nicht aufhalten.“ Diese Worte bezog er ausdrücklich auch auf die Stellung der Frau in der Kirche. Doch stellt sich die Frage, ob hier nicht der Heilige Geist instrumentalisiert wird, um gesellschaftlichen Zeitgeist gegen die überlieferte Ordnung und das geltende Kirchenrecht. Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl ist am Montag zu seiner ersten Privataudienz bei Papst Leo XIV. im Vatikan empfangen worden. Das Gespräch, das laut Angaben des vatikanischen Presseamts ohne inhaltliche Details stattfand, wurde von beiden Seiten als vertraulich eingestuft. Grünwidl sprach im Anschluss von einem „sehr guten Gespräch“ und bezeichnete den Papst als „ausgezeichneten Zuhörer“. Der Besuch in Rom findet vor dem Hintergrund statt, dass Grünwidl in der Vergangenheit wiederholt mit reformorientierten Positionen innerhalb der Kirche in Verbindung gebracht wurde.

Grünwidl nach Privataudienz: Papst Leo ‚ein ausgezeichneter Zuhörer‘

Nach seinem ersten persönlichen Treffen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt äußerte sich der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl im Gespräch mit der Presseagentur Kathpress zufrieden. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, so Grünwidl. Besonders hob er dabei Papst Leo XIV. hervor: Dieser sei, „wie ja schon viele vor mir bemerkt haben, ein ausgezeichneter Zuhörer“. Die rund halbstündige Privataudienz im Vatikan habe zudem Gelegenheit geboten, „über die Situation der Kirche in der Erzdiözese Wien“ zu berichten. Inhalte des Gesprächs unterliegen nach Angaben der Erzdiözese der vereinbarten Vertraulichkeit.

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Im Rahmen seines zweitägigen Antrittsbesuchs in Rom stand für Grünwidl auch ein Besuch des Grabes von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore auf dem Programm. Ebenso war ein Gespräch in der vatikanischen Bildungsbehörde vorgesehen. Am Dienstag folgen weitere Termine mit Vertretern der Römischen Kurie. Geplant sind unter anderem Arbeitsgespräche mit den Leitern der Dikasterien für die Bischöfe sowie für den Klerus. Darüber hinaus umfasst das Programm Gottesdienste in der deutschsprachigen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima sowie am Campo Santo Teutonico im Vatikan.

Zwischen Reformkurs und kirchlicher Tradition

Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl steht seit Jahren für einen kirchenpolitischen Kurs, der in wesentlichen Punkten mit den Reformforderungen progressiver Kirchenkreise übereinstimmt. Medien wie der ORF beschrieben ihn bereits 2025 ausdrücklich als „offen für Reformen“. Besonders deutlich wurde dies bei seinen Aussagen zum priesterlichen Zölibat, den Grünwidl zwar persönlich bejaht, zugleich jedoch nicht als „Glaubensfrage“ verstanden wissen will.

Auch hinsichtlich der Rolle der Frau vertritt Grünwidl Positionen, die über die bisherige kirchliche Praxis deutlich hinausgehen. Er sprach von „dringendem Klärungsbedarf“, forderte weitere Diskussionen über das Frauendiakonat und brachte sogar Frauen im Kardinalskollegium ins Spiel. Bereits als Apostolischer Administrator setzte er entsprechende Signale, indem er seit seiner Einführung in das Bischofsamt im Januar drei Frauen in das diözesane Leitungsteam berief. Für viele steht dies exemplarisch für eine zunehmende Anpassung kirchlicher Leitungsstrukturen an gesellschaftspolitische Erwartungen, die oftmals im Gegensatz zur katholischen Lehre stehen.

Bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz im März sprach Grünwidl von „Aufbruch und Veränderungen“ in der Kirche. Besonders aufhorchen ließ seine Aussage: „Was vom Heiligen Geist kommt, kann das Kirchenrecht nicht aufhalten.“ Diese Worte bezog er ausdrücklich auch auf die Stellung der Frau in der Kirche. Doch stellt sich die Frage, ob hier nicht der Heilige Geist instrumentalisiert wird, um gesellschaftlichen Zeitgeist gegen die überlieferte Ordnung und das geltende Kirchenrecht auszuspielen.

Zudem stand Grünwidl der sogenannten „Pfarrerinitiative“ nahe, die mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ österreichweit für Aufsehen sorgte. Die Bewegung trat offen für die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priesteramt ein und stellte sich damit in zentralen Fragen gegen die geltende Lehre und Disziplin der Kirche. Der ORF bezeichnete Grünwidl als Mitglied der Initiative, der „Standard“ schrieb von einem reformoffenen Kirchenmann mit Nähe zur Bewegung. Zwar scheint Grünwidl zuletzt nicht mehr auf der offiziellen Mitgliederliste auf, doch wurde er noch 2023 in einer Fernsehsendung als „Unterstützer“ der Initiative vorgestellt.

Zudem stand Grünwidl der sogenannten „Pfarrerinitiative“ nahe, die mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ österreichweit für Aufsehen sorgte. Die Bewegung trat offen für die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priesteramt ein und stellte sich damit in zentralen Fragen gegen die geltende Lehre und Disziplin der Kirche. Der ORF bezeichnete Grünwidl als Mitglied der Initiative, der „Standard“ schrieb von einem reformoffenen Kirchenmann mit Nähe zur Bewegung. Zwar scheint Grünwidl zuletzt nicht mehr auf der offiziellen Mitgliederliste auf, doch wurde er noch 2023 in einer Fernsehsendung als „Unterstützer“ der Initiative vorgestellt.


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Über Andreas Nachbar

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