Erzbischof Grünwidl: „Der Bischof hat nur dann etwas zu sagen, wenn er vorher zuhört“
Zwischen weltkirchlichen Erfahrungen und konkreten Fragen des bischöflichen Alltags: Josef Grünwidl berichtet von seinem Einführungskurs in Rom, spricht über die Bedeutung der Liturgie, aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und sein Verständnis von Kirchenrecht und Seelsorge.

Der am 24. Januar im Wiener Stephansdom geweihte Erzbischof Josef Grünwidl hat seinen zehntägigen Grundkurs für neue Bischöfe in Rom als anregend und zugleich herausfordernd erlebt. Im Gespräch mit „Radio Vatikan“ betonte der 63-Jährige die Bedeutung des Zuhörens, der persönlichen Begegnung und einer pastoralen Haltung. Zugleich gab Grünwidl Einblicke in die Themen des Bischofskurses – von Liturgie und Seelsorge über künstliche Intelligenz bis hin zu Safeguarding und Kirchenrecht.
Kirchliches Engagement beruht auf Beziehungen und Dialog
Unterschiedliche Lebensrealitäten, aber ein gemeinsames pastorales Verständnis prägten für Josef Grünwidl den Austausch mit den anderen neuen Bischöfen in Rom. Während sich die konkreten Herausforderungen von Kirche zu Kirche stark unterscheiden, sieht er eine wichtige Gemeinsamkeit: „Der allergrößte Teil dieser neuen Bischöfe sieht sich wirklich auch als Seelsorger und als Hirte.“
Für seine eigene Aufgabe misst Grünwidl dem persönlichen Kontakt große Bedeutung bei. Sein Grundsatz: „Menschen muss man mögen.“ Kirchliches Engagement brauche Beziehungen, Gespräche und ein echtes Miteinander.
Diese Haltung möchte der Erzbischof auch in seinem Arbeitsalltag umsetzen. Neben seinen regelmäßigen Besuchen in den Pfarren hält er sich einen Nachmittag pro Woche frei, um Menschen etwa in Krankenhäusern oder Pflegeheimen zu begegnen. Dabei gehe es vor allem ums Zuhören: Er wolle erfahren, „was treibt die Menschen um, was sind ihre Freuden, ihre Sorgen, ihre Hoffnungen“.
Von Liturgie bis künstliche Intelligenz
Breit gefächert war das Programm des Einführungskurses für die neuen Bischöfe in Rom. Zum Auftakt standen die Gebete der Bischofsweihe und damit die grundlegende Frage nach dem bischöflichen Dienst im Mittelpunkt: „Was heißt Bischof sein? Was ist mein Dienst?“
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Daneben richtete sich der Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Themen waren unter anderem der demografische Wandel, die Situation von Familien, soziale Medien und der Umgang mit künstlicher Intelligenz.
Besonders wichtig war für Grünwidl die Auseinandersetzung mit der Liturgie. Die Erneuerung der Kirche beginne auch dort, betonte er: „Wie feiern wir Liturgie? Was geben wir den Menschen mit?“ Liturgie müsse als Möglichkeit verstanden werden, Menschen im Glauben zu stärken und weiterzubringen.
Der Kurs behandelte zugleich sehr praktische Fragen des bischöflichen Alltags – von Prävention und Safeguarding über Kirchenfinanzierung bis hin zum Kirchenrecht. Für Grünwidl stehen dabei Seelsorge und Recht nicht grundsätzlich im Widerspruch. Das Kirchenrecht solle sicherstellen, „dass jeder getaufte Mensch in der Kirche auch zu seinem Recht kommt“. Entscheidend sei letztlich aber, „dem konkreten Menschen, der mir gerade gegenübersteht, gerecht zu werden“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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