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Erzbischof von Lwiw warnt vor wachsender Kriegsmüdigkeit in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine hinterlässt tiefe Spuren – auch fernab der Front. Während des Besuchs des vatikanischen Sondergesandten Paul Richard Gallagher in Lwiw schildert Erzbischof Mieczysław Mokrzycki die wachsende Erschöpfung der Bevölkerung und warnt davor, dass der Westen den Konflikt aus dem Blick verlieren könnte

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Erzbischof von Lwiw warnt vor wachsender Kriegsmüdigkeit in der Ukraine
(c) Bildnachweis: Beitragsbild @ nextvoyage - pixabay user_id:5275305

Seit fast viereinhalb Jahren prägt der Krieg den Alltag der Menschen in der Ukraine. Im Rahmen des Besuchs des vatikanischen Sondergesandten Erzbischof Paul Richard Gallagher schildert der römisch-katholische Erzbischof von Lwiw, Mieczysław Mokrzycki, die zunehmende Erschöpfung der Bevölkerung, die anhaltenden Folgen der russischen Angriffe und die Bedeutung von Glaube und internationaler Solidarität. Zugleich verbindet sich mit dem Besuch die Hoffnung auf neue Impulse für Frieden und humanitäre Unterstützung.

„Die Menschen sind erschöpft“

Der vatikanische Sondergesandte Erzbischof Paul Richard Gallagher besucht anlässlich des 35. Jahrestags der Wiedererrichtung der Strukturen der katholischen Kirche des lateinischen Ritus die Ukraine. Die Reise begann in der westukrainischen Stadt Lwiw nahe der polnischen Grenze.

Erzbischof von Lwiw, Mieczysław Mokrzycki, liefert dabei ein klares Bild der Lage im Land. Nach fast viereinhalb Jahren Krieg befinde sich die Bevölkerung in einem Zustand großer Erschöpfung. „Die Menschen sind müde“, sagte der Erzbischof. Zugleich sei derzeit kein baldiges Ende des Krieges in Sicht. Nahezu jede Familie sei unmittelbar betroffen – durch Angehörige an der Front, Nachbarn oder Arbeitskollegen sowie durch die hohe Zahl an Todesopfern.

Auch im vergleichsweise weit vom Frontverlauf entfernten Lwiw bleibe der Krieg allgegenwärtig. Wiederkehrende Luftalarme unterbrächen regelmäßig den Schulunterricht und den Arbeitsalltag. Viele Menschen hätten das Land verlassen – aus wirtschaftlicher Not oder um sich mit ihren Familien im europäischen Ausland wiederzuvereinen. In dieser Situation suchten viele Gläubige Halt im Gebet und in den Kirchen.

Mit Blick auf die Folgen der russischen Angriffe verwies Mokrzycki auf zerstörte Häuser, Verletzte und Tote. Hoffnung schöpfe die Kirche aus der geistlichen Begleitung der Menschen. Der Erzbischof erinnerte an den Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 25 Jahren und an dessen Ermutigung: „Habt keine Angst.“ In den Pfarrgemeinden gehörten Friedensgebete und Bittgesänge nach den Gottesdiensten inzwischen zum festen Bestandteil des kirchlichen Lebens.

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Appell gegen das Vergessen

Mit Sorge blickt Erzbischof Mieczysław Mokrzycki auf die wachsende Gefahr, dass sich der Westen an den Krieg in der Ukraine gewöhnt. Die Bischofskonferenzen sowie Priester und Bischöfe bemühten sich deshalb durch Auslandsreisen und den Austausch mit Partnerkirchen, das Bewusstsein für das Leid der Menschen wachzuhalten. Es gelte, „die christliche Solidarität“ nicht nur durch Gebete, sondern auch durch anhaltende humanitäre Hilfe sichtbar werden zu lassen.

Am heutigen Sonntag setzt der vatikanische Sondergesandte Erzbischof Paul Richard Gallagher seine Reise nach Berdytschiw fort. Das dortige Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel gilt als nationales Wallfahrtszentrum der römisch-katholischen Kirche in der Ukraine. Für Mokrzycki ist die gemeinsame Wallfahrt ein wichtiges Zeichen der Einheit. Sie stärke „die spirituelle Solidarität“ der Gläubigen aus allen Teilen des Landes.

Nach den Stationen in Lwiw reist die vatikanische Delegation gemeinsam mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, weiter nach Kyjiw. Dort sind unter anderem Gespräche mit dem Großerzbischof der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Swjatoslaw Schewtschuk, sowie Vertretern der ukrainischen Regierung geplant.

Bereits in Lwiw besuchte Gallagher die Ukrainische Katholische Universität. Trotz der ständigen Bedrohung durch Luftangriffe läuft der Lehrbetrieb weiter, während die dortigen Schutzräume der Bevölkerung offenstehen. Universitätspräsident Metropolit Borys Gudziak verwies auf die schweren psychischen und körperlichen Belastungen vieler Studierender. Zugleich verstehe sich die Hochschule als Ort der Hilfe für Menschen mit Behinderungen und Kriegsversehrte. „Alle sind engagiert, Beistand und Hilfe zu leisten“, sagte Gudziak. Ziel sei eine ganzheitliche Ausbildung, die junge Menschen befähige, Verantwortung für andere zu übernehmen.

Mokrzycki wertet Gallaghers erneuten Besuch als Ausdruck der Verbundenheit von Papst Leo XIV. mit der Ukraine. Der Erzbischof zeigte sich zuversichtlich, dass die Reise und die politischen Gespräche „einen Beitrag zum Frieden“ leisten könnten, um den Papst Leo XIV. im Anschluss an seine Angelusgebete immer wieder bittet.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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