EU-Parlament fordert besseren Schutz für Christen in Nigeria
Mit 510 Stimmen fordert das Europäische Parlament entschlossenere Maßnahmen zum Schutz verfolgter Christen in Nigeria. Auslöser sind neue Angriffe auf christliche Gemeinden, steigende Entführungszahlen und die Ermordung des Katecheten Victor Paul.

Mit deutlicher Mehrheit hat das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die die nigerianische Regierung zu entschlosseneren Maßnahmen gegen die Gewalt gegen Christen auffordert. Anlass sind jüngste Angriffe auf christliche Gemeinden sowie die anhaltende Unsicherheit in Zentral- und Nordnigeria. Die Abgeordneten verlangen einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung, eine konsequente Strafverfolgung der Täter und ein stärkeres Engagement der neuen EU-Sondergesandten für Religionsfreiheit.
„Effektive Maßnahmen“: EU-Parlament drängt Regierung zum Handeln
Nach einem tödlichen Angriff auf das christliche Dorf Kawel im nigerianischen Bundesstaat Plateau hat das Europäische Parlament die Regierung in Abuja zu einem entschlosseneren Vorgehen gegen die anhaltende Gewalt aufgefordert. Bei dem nächtlichen Überfall Ende Juni wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen 22 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Als mutmaßliche Täter gelten bewaffnete Fulani-Milizen.
In einer mit 510 Stimmen bei einer Gegenstimme angenommenen Resolution fordert das Parlament die nigerianische Regierung auf, „effektive Maßnahmen“ gegen Terrorgruppen wie die islamistische Boko Haram zu ergreifen und unabhängige Ermittlungen zu ermöglichen, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Zugleich müsse stärker in den Schutz der Zivilbevölkerung investiert werden. Auch eine bessere Verwaltung von Land und Ressourcen wird als notwendig angesehen, um Konflikte zu entschärfen, die sich durch die Folgen des Klimawandels weiter verschärfen.
Vor allem in Zentral- und Nordnigeria kommt es seit Jahren immer wieder zu Angriffen auf christliche Gemeinden. Neben religiösen Spannungen spielen dabei auch Auseinandersetzungen um Land und Wasser zwischen überwiegend christlichen Bauern und überwiegend muslimischen Hirten eine wesentliche Rolle.
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Darüber hinaus verurteilten die EU-Abgeordneten die zunehmende Zahl von Entführungen sowie die anhaltende Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die neue EU-Sondergesandte für Glaubens- und Religionsfreiheit, Mairead McGuinness, solle der Lage der Christen in Nigeria künftig „größere Aufmerksamkeit“ widmen, heißt es in der Resolution.
Katechet nach Entführung getötet
Ein weiteres bedrückendes Beispiel für die Gewalt gegen Christen in Nigeria ist die Entführung und Ermordung des Katecheten Victor Paul. Wie Pfarrer Linus Bobai berichtet, war Paul erst Ende Januar 2026 der Pfarrei St. Joseph zugeteilt worden. Dort hatte er sich als engagierter Helfer der Priester schnell den Respekt der Gemeinde erworben. Am 9. Februar wurde er jedoch gemeinsam mit seiner schwangeren Ehefrau, seinem Sohn und weiteren Gemeindemitgliedern von bewaffneten Entführern verschleppt.
Nach Angaben Bobais baten Mitgeiseln die Entführer vergeblich, Paul und seine Familie zu verschonen. Obwohl das geforderte Lösegeld für die Freilassung aller Geiseln gezahlt worden sei, kamen am 5. April nicht alle Gefangenen frei. Victor Pauls Ehefrau und sein Sohn wurden zwar freigelassen. Die junge Mutter, die einen Teil ihrer Schwangerschaft in Geiselhaft verbringen musste, brachte kurz nach ihrer Freilassung ihr zweites Kind zur Welt.
Victor Paul selbst wurde nach Angaben der Pfarrei gemeinsam mit weiteren Geiseln von den Entführern ermordet. „Die gesamte Gemeinde ist verzweifelt, aber wir bleiben im Gebet vereint und bitten um Trost und Kraft“, sagte Pfarrer Linus Bobai. Der Fall verdeutliche erneut die anhaltende Bedrohung, der christliche Gemeinden in Teilen Nigerias ausgesetzt seien.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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