Welt

„Fernsehbischof“ Fulton Sheen seliggesprochen

Fulton Sheen, bekannt als „Fernsehbischof“, wurde in St. Louis seliggesprochen. Grundlage war die Heilung eines Jungen, der ohne Puls zur Welt kam.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
„Fernsehbischof“ Fulton Sheen seliggesprochen

Der US-amerikanische Bischof und Medienpionier Fulton Sheen ist seliggesprochen worden. Rund 50.000 Menschen nahmen am Donnerstag an der Feier in St. Louis teil. Im Auftrag von Papst Leo XIV. leitete Kurienkardinal Luis Antonio Tagle den Gottesdienst. Er würdigte Sheen als Verkünder des Evangeliums, der es verstanden habe, die christliche Botschaft auf immer neue Weise zu vermitteln und damit zahllose Menschen zu erreichen. Der Seligsprechung war die kirchliche Anerkennung eines Wunders vorausgegangen: die Heilung eines Jungen, der 2010 ohne Puls geboren worden war und nach 61 Minuten wieder zu atmen begann. Die Familie hatte während der Wiederbelebung um Sheens Fürsprache gebetet.

Gebet als Lebensquelle

Bei der Feier erinnerte Bischof Louis Tylka von Peoria an die geistliche Grundlage von Sheens Wirken. Der Geistliche habe „Zehntausende bekehrt“ und der Kirche ein bleibendes Vermächtnis hinterlassen. „Er verkündete furchtlos das Evangelium in kulturell schwierigen Zeiten“, sagte Tylka. Sheen habe sich zugleich für die weltweite Missionsarbeit der Kirche eingesetzt. Eine besondere Bedeutung habe dabei sein persönliches Gebetsleben gehabt. Tylka verwies auf die tägliche „Heilige Stunde“, bei der Sheen jeweils eine Stunde vor dem Allerheiligsten betete. In dieser Gebetszeit habe der Bischof eine wesentliche Quelle für sein öffentliches Wirken gefunden.

Eine besondere Verbindung zur „Heiligen Stunde“ sah auch Bonnie Engstrom, die Mutter des Jungen, dessen Heilung später als Wunder anerkannt wurde. Ihr Sohn James Fulton war nach der Geburt 61 Minuten lang ohne Puls, ehe sein Herz wieder zu schlagen begann. Engstrom hält es für möglich, dass diese ungewöhnlich lange Zeit ohne Herzschlag mit jener Stunde der Anbetung zusammenhängt, die Sheen täglich vor dem Allerheiligsten verbrachte.

Das Wunder

Der Fall ereignete sich 2010 bei der Geburt von James Fulton Engstrom. Seine Mutter Bonnie Engstrom schilderte später die dramatischen Ereignisse und berichtete, dass sie während der Wiederbelebung ihres Sohnes um die Fürsprache Sheens gebetet habe. Der Junge kam zu Hause zur Welt. Nach Angaben seiner Mutter hatte sich während der Geburt unbemerkt ein Knoten in der Nabelschnur zusammengezogen und die Sauerstoffversorgung unterbrochen. „Als die Hebamme ihn auffing und mir in die Arme legte, war er tot geboren“, sagte Engstrom. „Er atmete nicht. Er hatte keinen Puls.“ Während die Hebamme und ihre Assistentin mit der Wiederbelebung begannen, nahm der Vater die Nottaufe vor und rief die Heiligen an, nach denen sein Sohn benannt worden war. Zugleich bat Engstrom nach eigener Aussage unablässig Fulton Sheen um seine Fürsprache.

61 Minuten ohne Puls

Nach rund 20 Minuten traf der Rettungswagen ein und brachte James und seinen Vater in das nahegelegene Krankenhaus. Dort setzten die Ärzte die Wiederbelebungsmaßnahmen fort – zunächst ohne Erfolg. „Mein Mann sah fassungslos zu, wie unser winziger Sohn – sein kalter, blauer Körper an einen Herzmonitor angeschlossen – leblos und ohne Puls dalag“, berichtete Bonnie Engstrom.

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Nach weiteren 20 Minuten stellten die Ärzte die Wiederbelebungsversuche schließlich ein. Sie waren nur noch wenige Sekunden davon entfernt, den Tod des Jungen festzustellen. Dann geschah das Unerwartete: „In diesem Moment, als alle Versuche beendet waren, begann James' Herz zu schlagen.“ Insgesamt war der Junge nach Angaben seiner Mutter 61 Minuten ohne Puls gewesen.

Zunächst blieb die Sorge vor schweren Folgeschäden. James wurde stabilisiert und auf die Neugeborenen-Intensivstation gebracht. „Man warnte uns, dass sein Leben, sollte James überleben, voller Einschränkungen und Härten sein würde“, sagte Engstrom.

Anerkennung als Wunder

Die weitere Entwicklung des Kindes verlief jedoch anders als von den Ärzten erwartet. Eine MRT-Untersuchung im Alter von drei Monaten zeigte nach Angaben der Mutter keinerlei Hirnschäden. „Als er einen Entwicklungsschritt nach dem anderen erreichte, war klar, dass Gott unseren Sohn wirklich wiederhergestellt hatte“, sagte Engstrom.

Auch die ungewöhnlich lange Zeit ohne Puls verbindet die Mutter mit Sheens geistlichem Leben. Sie hält es für möglich, dass die 61 Minuten mit der „Heiligen Stunde“ zusammenhängen, die Sheen täglich im Gebet vor dem Allerheiligsten verbrachte.

Ein medizinisches Expertengremium erkannte die Genesung 2014 als Wunder an. Im Seligsprechungsverfahren wurde der Fall anschließend von Ärzten, Theologen und Kardinälen geprüft. Papst Franziskus erkannte das Wunder 2019 offiziell an. Bereits 2012 hatte Papst Benedikt XVI. Sheen den heroischen Tugendgrad zuerkannt.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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