Eine ausführliche Stellungnahme zur aktuellen Eskalation im Nahen und Mittleren Osten hatte unsere Redaktion bei Bischof Dr. Bertram Meier in seiner Funktion als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutsche Bischofskonferenz angefragt. Allerdings teilte uns die Pressestelle mit, dass der Bischof aufgrund der dynamischen Lage derzeit jedoch keine Einzelinterviews geben könne. Stattdessen wurden wir auf eine Predigt des Bischofs in Augsburg anlässlich der „Eucharistischen Kette“, einer Fastenzeit-Initiative des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), verwiesen.
Darin rief der Augsburger Bischof zum Einsatz für einen gerechten und unbewaffneten Frieden auf. Zugleich mahnte er angesichts weltweiter Konflikte zu Selbstreflexion. Dabei betonte Meier, dass dauerhafter Friede auf Wahrheit, Barmherzigkeit und dem Dialog zwischen den Menschen – und nicht auf militärischer Macht – beruht.
Selbstreflexion als erster Schritt für gerechten Frieden
„Der erste Schritt zu einem gerechten Frieden ist die schonungslose Selbstreflexion“, betonte Bischof Dr. Bertram Meier in seiner Predigt. In der Ukraine, im Heiligen Land, in Syrien und anderen Konfliktregionen begegnen wir einer „Wirklichkeit, die von Krieg, Terror, Vertreibung, Hunger, religiöser Vereinnahmung und politischen Machtspielen geprägt ist“, so Meier. Warnend fügte er hinzu: „Gewalt ist wieder eine selbstverständliche Sprache der Politik und erscheint uns leider oft auch als angemessene Reaktion auf diese Entwicklungen.“
Besonders besorgniserregend sei derzeit der neue Krieg im Nahen und Mittleren Osten. „Die Bilder aus dem Iran und der Golfregion, von Menschen in Schutzräumen in Israel bis hin zu Militärbasen auf Zypern, sind erschütternd“, sagte Meier. Der Konflikt drohe, weitere Staaten hineinzuziehen und die gesamte Region zu destabilisieren. Zugleich appellierte er an die Hoffnung auf Frieden: „Mögen die Waffen bald schweigen, und möge insbesondere das iranische Volk die Chance erhalten, zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückzufinden.“
Gewalt schafft keinen Frieden
Weiter appellierte Bischof Meier in seiner Predigt, sich daran zu erinnern, dass Gewalt allein keinen Frieden schaffen könne. Auch wenn Staaten das Recht auf Verteidigung hätten, dürfe dies nicht in den Hintergrund geraten. Ein dauerhafter und gerechter Frieden basiere vielmehr auf Wahrheit und Barmherzigkeit, so Meier. Er erinnerte an die globalen Konfliktherde: zerstörte Städte, geschwächte Zivilgesellschaften, politische Repressionen, wirtschaftliche Notlagen, religiöse Spannungen und Menschen auf der Flucht. „Frieden kann nur entstehen, wenn Schuld benannt, Unrecht anerkannt und die Wahrheit ans Licht gebracht wird“, erklärte der Bischof.
In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, dass Wahrheit oft schmerzhaft sein kann. Sie könne verletzen, Beziehungen belasten oder das eigene Selbstbild erschüttern. Deshalb sei Barmherzigkeit unverzichtbar – doch sie bedeute nicht, Unrecht zu verschweigen oder Täter zu verharmlosen. Vielmehr gehe es darum, den Menschen nicht endgültig jede Chance auf eine neue Zukunft abzusprechen. „Wer Barmherzigkeit mit einer Art billiger Versöhnung gleichsetzt, hat den tieferen Sinn der Worte Jesu nicht verstanden“, betonte Meier eindringlich.
Barmherzigkeit ist keine Schwäche
Bischof Meier zog in seiner Predigt Parallelen zu seinem kürzlichen Besuch in Syrien. Die Gespräche vor Ort hätten deutlich gemacht, dass es für echten Frieden mehr brauche als politische Abkommen. „Nach Jahren von Bürgerkrieg, Terror und internationalen Machtinteressen braucht es Räume für Dialog, Zuhören und lokale Versöhnung“, erklärte Meier. Frieden erfordere die Bereitschaft, nicht nur die eigene Sicherheit, sondern das gemeinsame Zusammenleben zu fördern.
Barmherzigkeit sei dabei keine Schwäche, sondern eine geistliche Stärke, die an Veränderung glaube. Zugleich räumte Meier ein, dass ein unbewaffneter Frieden in der heutigen Zeit utopisch erscheine, da militärische Abschreckung oft unverzichtbar sei. Dennoch könne christliche Hoffnung nicht auf Waffen allein bauen. „Ein Friede, der nur auf militärischer Stärke beruht, bleibt fragil. Ein Friede, der Herzen erreicht, kann dagegen wachsen“, so Meier.
