StartRegionalFrühjahrsvollversammlung: Kardinal Woelki betont „Kernsatz aller Synodalität“

Frühjahrsvollversammlung: Kardinal Woelki betont „Kernsatz aller Synodalität“

In seiner Predigt bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Würzburg hat Kardinal Rainer Maria Woelki am Dienstagmorgen den „Kernsatz aller Synodalität“ thematisiert. Anhand der Wahl des Matthias in der Apostelgeschichte hob der Kölner Erzbischof hervor, dass die Einheit der Kirche nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengung, sondern ein Geschenk des Heiligen Geistes sei, das im gemeinsamen Hören auf Gottes Wort und im Gebet wächst. Woelki betonte zugleich, dass das gemeinsame Bemühen um den Willen Gottes nur gelingen könne, wenn es in Einheit mit der kirchlichen Lehre und der apostolischen Tradition geschieht.

Gottes Wille als Grundlage der Synodalität

Kardinal Rainer Maria Woelki bezog sich in seiner Ansprache auf die Apostelgeschichte, in der die Wahl des Matthias in den Kreis der Apostel geschildert wird. „Die Apostel beten gemeinsam, damit Gottes Wille offenbar werde“, erklärte der Kölner Erzbischof. „An diesem Willen orientieren sie ihre Entscheidung.“ Woelki unterstrich, dass diese Haltung ein Vorbild für die heutige Kirche sei: Entscheidungen sollten nicht von menschlichem Ermessen, sondern in der Ausrichtung auf Gottes Willen geprägt sein.

Woelki ist einer von vier Bischöfen, die wegen erheblicher vatikanischer Kritik aus dem deutschen Synodalen Weg ausgestiegen sind, der teils radikale Änderungen in der kirchlichen Lehre anstrebte. Die von Papst Franziskus initiierte mehrjährige Weltsynode zur Synodalität begrüßt er jedoch ausdrücklich.

Woelki betonte, dass die durch die Wahl des Matthias wiederhergestellte Einheit der Apostel die Grundlage für die Einheit der gesamten Kirche bilde. Diese Einheit sei kein Produkt menschlicher Anstrengung, sondern ein Geschenk des Heiligen Geistes, das im gemeinsamen Gebet und im Hören auf das Wort Gottes erfahrbar werde.

Kirchliche Einheit durch Liebe und Geist

Der Kardinal machte deutlich, dass das gemeinsame Hören auf den Geist Gottes nicht isoliert geschehe. Die Suche nach Gottes Willen könne nur gelingen, wenn sie in Einheit mit der kirchlichen Leitung und im Einklang mit der Heiligen Schrift vollzogen werde – wie bei der Apostelversammlung in Jerusalem, die Matthias in den Kreis der Apostel aufnahm. Woelki betonte, dass die Kirche aus der Verheißung lebt, dass der Heilige Geist sie in die Wahrheit führt und in der Einheit bewahrt. Zugleich unterstreiche das Evangelium, wie sehr die Einheit der Jünger untereinander und mit Christus dem Willen und Wesen Gottes entspreche, der in der Trinität vollkommen Einheit und liebevolle Beziehung sei.

Woelki hob hervor, dass die Einheit der Kirche in der Liebe ihren Ursprung und ihr Ziel habe. Sie sei keine Frage von Strukturen oder Organisation, sondern eine geistliche Wirklichkeit. Jesus verlange von seinen Jüngern, in dieser Liebe zu leben, sie zu bewahren und zu bezeugen – zu allen Zeiten und unter allen Umständen. Die Einheit der Kirche könne demnach nicht durch äußere Maßnahmen erzwungen werden, sondern entstehe allein durch das Verbleiben in dieser Liebe. Die Hingabe Jesu setze dabei Maßstäbe: Sie zeige sich in der gemeinschaftlichen Suche nach Gottes Willen und in der Ausrichtung allen kirchlichen Handelns und Zeugnisses auf diesen Willen.

Satzung des Synodalen Wegs liegt dem Vatikan vor

Während Woelki in seiner Predigt den Kernsatz der Synodalität und die Orientierung am Willen Gottes betonte, veröffentlichte die DBK am Dienstagabend eine Mitteilung zur Verstetigung der Satzung des Synodalen Wegs, ohne auf etwaige Gegenstimmen einzugehen.

Darin hieß es, dass die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken bereits im November 2025 der Satzung zugestimmt habe. „In einem nächsten Schritt wird die Deutsche Bischofskonferenz die Satzung zur sogenannten Recognitio an den Heiligen Stuhl senden“, heißt es weiter.

Zwar kritisierte der Vatikan den Synodalen Weg, forderte trotz der teils radikalen Änderungsbestrebungen jedoch nicht, den Prozess zu beenden. Jetzt liegt es am Heiligen Stuhl, zu entscheiden, die Satzung anzunehmen – wodurch die bisherige Kritik hinfällig erscheint – oder abzulehnen.

Laut Satzung soll die Synodalkonferenz „im Sinne ‚synodaler Entscheidungsprozesse‘ (vgl. Abschlussdokument der Bischofssynode, Nr. 94) zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von überdiözesaner Bedeutung beraten und Beschlüsse fassen.“

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