Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal: „Wir schauen darauf, was an Heilung entstehen konnte“
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe sind die Erinnerungen im Ahrtal ungebrochen. Bei einer Gedenkveranstaltung in Altenburg standen Trauer und Dankbarkeit ebenso im Mittelpunkt wie die Hoffnung auf die Zukunft. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte am Jahrestag an die Opfer der Flut.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst und einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung haben die Verbandsgemeinde Altenahr und die Pfarrei St. Andreas Ahreifel am 14. Juli in Altenburg an die Flutkatastrophe des Sommers 2021 erinnert. Fünf Jahre nach den verheerenden Ereignissen standen das Gedenken an die Opfer, die Würdigung der großen Hilfsbereitschaft sowie der Blick auf den Wiederaufbau und die Zukunft des Ahrtals im Mittelpunkt. Zahlreiche Bürger sowie Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil.
Gedenken und Zuversicht
Emotionale Grußworte eröffneten die Gedenkveranstaltung in Altenburg. Bürgermeister Dominik Gieler, Innenminister Achim Schwickert und Landrätin Cornelia Weigand dankten den unzähligen Helfern sowie allen Einsatzkräften für ihre Solidarität und ihren unermüdlichen Einsatz nach der Flutkatastrophe. Zugleich würdigten sie die Fortschritte beim Wiederaufbau, verwiesen aber auch auf die anhaltenden bürokratischen Herausforderungen.
Im anschließenden ökumenischen Gottesdienst erinnerte der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann gemeinsam mit Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer und Matthias Grüll von der evangelischen Kirche an die Opfer der Flut. „Wir betrauern die Toten, gedenken derer, die Haus und Heimat verloren haben und derer, die noch heute an inneren und äußeren Folgen leiden – wir vergessen sie nicht“, sagte der Bischof. Gleichzeitig richtete er den Blick auf das, was seit der Katastrophe gewachsen ist: „Wir schauen auch darauf, was an Heilung entstehen konnte, auf das Gute, das entstanden ist.“
In seiner Auslegung des Psalms 136 hob Ackermann hervor, dass Erinnern und Dankbarkeit zusammengehörten. Die Bibel ermutige dazu, „uns nicht durch den Blick auf das Schreckliche fesseln zu lassen, sondern uns auch dankbar des Guten zu erinnern. Aus der Kraft dieser größeren Erinnerung erwächst der Mut zur Zukunft.“
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Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer machte deutlich, dass auch fünf Jahre nach der Flut alle Gefühle ihren Platz haben. „Wir müssen gütig mit uns sein, unser Herz und unsere Seele dürfen sich Zeit nehmen“, sagte sie und warb für Achtsamkeit im Miteinander. Matthias Grüll stellte die Aktion „Herzensanliegen“ vor. Die Teilnehmer waren eingeladen, ihre Gedanken auf Papierherzen zu schreiben und diese am Ahrtalkreuz aus gesammelten Erinnerungsstücken niederzulegen.
Erinnerungen, die bleiben
Begleitend zur Gedenkveranstaltung wurden Werke einer kreativen Mitmachaktion präsentiert. In den vergangenen Wochen hatten Bürger Texte, Fotografien, Bilder und weitere Beiträge eingereicht, in denen sie ihre persönlichen Erinnerungen an die Flut, ihre Dankbarkeit für erfahrene Hilfe sowie ihre Hoffnungen für die Zukunft zum Ausdruck brachten.
Auch beim anschließenden offenen Ausklang stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde deutlich, wie tief die Ereignisse des Sommers 2021 bis heute nachwirken. Zugleich spiegelten die Gespräche wider, was Bischof Stephan Ackermann zuvor formuliert hatte: Erinnern und der „dankbare Blick auf die Solidarität, die Hilfe und die Neuanfänge“ gehörten untrennbar zusammen.
Hintergrund
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 kamen bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands mehr als 180 Menschen ums Leben, davon 135 im Ahrtal. Anlässlich des fünften Jahrestages besuchte am Vormittag auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Region und gedachte gemeinsam mit Betroffenen und Einsatzkräften der Opfer der Flut.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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