Gaza: Katholische Schule nimmt Unterricht wieder auf
Trotz Krieg und Zerstörung kehrt für die Schüler in Gaza ein Stück Alltag zurück: Die katholische Pfarrei öffnet ihre Schule wieder.

Nach fast drei Jahren öffnet die Schule der katholischen Pfarrei zur Heiligen Familie in Gaza wieder ihre Türen. Rund 1.000 Kinder sollen dort im neuen Schuljahr unterrichtet werden. Die Wiedereröffnung soll ihnen trotz des anhaltenden Konflikts ein Stück Alltag und einen geschützten Ort bieten.
Schule als Ort der Normalität
Für Weihbischof William Shomali ist die Wiedereröffnung ein „kleiner, aber wichtiger Schritt“ zurück zu einem Stück Normalität. Während andernorts nach den Ferien der Schulalltag beginnt, war dies für Kinder in Gaza lange nicht möglich. Nun nimmt die Schule der katholischen Pfarrei zur Heiligen Familie erstmals seit Beginn der israelischen Militärkampagne wieder den Unterricht auf.
Die Lage im Gazastreifen sei weiterhin „weit von Normalität entfernt“, betont Shomali, der als Patriarchalvikar für Jerusalem und Palästina tätig ist. Gerade deshalb sei die Schule wichtig: Sie könne den Kindern für einige Stunden am Tag einen sicheren Ort bieten – mit vertrauten Abläufen und Lehrkräften.
Zum neuen Schuljahr sollen im September rund 1.000 Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden. 180 Kinder besuchen den Kindergarten des Lateinischen Patriarchats, weitere 820 die Grundschule. Auch der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, unterstrich zuletzt die Bedeutung von Schulen angesichts der dramatischen Lage. In seinem am 26. August veröffentlichten Hirtenbrief zum Schuljahresbeginn schrieb er, die Rückkehr in die Schule könne in Teilen des Heiligen Landes „nicht mehr als selbstverständlich“ betrachtet werden.
Manche Kinder hätten ihre Klassenzimmer verloren, andere Gemeinschaften seien von Tod, Vertreibung und Zerstörung geprägt. Dennoch seien christliche Schulen „weit mehr als Bildungseinrichtungen“, so Pizzaballa. Sie seien ein Grundpfeiler der christlichen Präsenz im Heiligen Land und zugleich Orte, an denen Kinder und Familien unterschiedlicher religiöser Traditionen zusammenkommen.
Schule zwischen Bildungseinrichtung und Zufluchtsort
Seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 ist das Gelände der Pfarrei zur Heiligen Familie nicht nur ein Ort des Gemeindelebens, sondern auch eine Zufluchtsstätte für vertriebene Familien. 2025 wurde das Kirchengelände von israelischem Panzerfeuer getroffen. Drei Menschen starben, neun weitere wurden verletzt, darunter Pfarrer Gabriel Romanelli.
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Nach Angaben Shomalis leben weiterhin Vertriebene auf dem Pfarreigelände. Einige Familien konnten inzwischen in ihre Häuser zurückkehren, viele Wohnungen und Häuser seien jedoch noch beschädigt oder nicht bewohnbar.
Unter schwierigen Bedingungen haben Romanelli und die Mitarbeitenden der Pfarrei die Schulgebäude schrittweise wieder hergerichtet. Unterrichtsräume wurden freigeräumt, gleichzeitig bleiben Bereiche für Familien erhalten, die keinen sicheren Ort für die Rückkehr haben. Bildung und die Aufnahme besonders schutzbedürftiger Menschen seien deshalb zwei „untrennbare“ Aufgaben, erklärt Shomali.
Sicherheitsmaßnahmen für den Schulalltag
Die Wiederaufnahme des Unterrichts ist allerdings mit erheblichen Sicherheitsrisiken verbunden. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehören laut Shomali, soweit möglich, der Transport der Schülerinnen und Schüler sowie festgelegte Abläufe für Notfälle. Eine „absolute Sicherheit“ könne unter den derzeitigen Bedingungen in Gaza keine Einrichtung gewährleisten.
Zusätzliche Unterstützung soll den Kindern und Lehrkräften helfen, mit den Folgen des Krieges umzugehen. Das Patriarchat bietet psychologische Betreuung an; Lehrkräfte erhalten zudem materielle und moralische Unterstützung. Shomali würdigte besonders ihren Einsatz. Sie seien bereit, trotz der eigenen schwierigen Erfahrungen weiterhin für ihre Schülerinnen und Schüler da zu sein.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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