Vatikan

Gebetsvigil mit Jugendlichen: Papst Leo XIV. ruft zu einem Leben in Liebe auf

Beim Treffen mit Jugendlichen in Frankreich sprach Papst Leo XIV. über wahre Freiheit, den Kampf für das Gute und die Kraft der Liebe.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Gebetsvigil mit Jugendlichen: Papst Leo XIV. ruft zu einem Leben in Liebe auf
(c) Screenshot | YouTube | KTO TV

Nun ist es so weit – Papst Leo XIV. ist in Frankreich gelandet. Beim Treffen mit Jugendlichen im Stade de France hat Papst Leo XIV. die Jugendlichen zu einem Leben in Wahrheit, Verantwortung und Geschwisterlichkeit ermutigt. Im Mittelpunkt seiner Meditation standen drei Verben aus dem Ersten Timotheusbrief: „meide, strebe, kämpfe“. Wahre Freiheit, so seine zentrale Botschaft, erwachse aus der lebendigen Beziehung zu Christus – und der Kampf für das Gute dürfe niemals gegen andere Menschen gerichtet sein.

Orientierung in einer unübersichtlichen Zeit

An diese Grundgedanken knüpfte Leo XIV. bereits im Gespräch mit den Jugendlichen an. Bei der Jugendvigil im Stade de France kamen Fragen zur Sprache, die viele junge Menschen angesichts gesellschaftlicher Umbrüche und eines zunehmend von Leistungsdruck geprägten Alltags beschäftigen. Der Papst verwies dabei auf ein Wort des Apostels Paulus: „Für mich ist Christus das Leben.“ Dieses Bekenntnis dürfe jedoch nicht zu Abgrenzung führen. Wer das Evangelium verkünde, müsse zugleich offen sein für Menschen, die den christlichen Glauben nicht teilten. Mission und Geschwisterlichkeit gehörten deshalb untrennbar zusammen, betonte Leo XIV.

Zugleich lenkte der Papst den Blick auf eine Entwicklung, die weit über kirchliche Fragen hinausreicht: die zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem einzelnen Menschen. Gerade hier setze die christliche Botschaft einen Kontrapunkt. In Christus werde sichtbar, dass Gott dem Menschen gegenüber niemals gleichgültig sei.

Das Evangelium, so Leo XIV., führe deshalb nicht in Konfrontation, sondern zur Vergebung. Es helfe, die Brüche und Konflikte der Geschichte zu verstehen und zugleich eine Haltung geschwisterlicher Fürsorge einzuüben. Die Begegnung mit Christus eröffne den Weg zum Dialog und bereite auf den Frieden vor. Darin liege zugleich die Hoffnung auf das, was über das gegenwärtige Leben hinausweise: das Versprechen des ewigen Lebens.

„Meide, strebe, kämpfe“

Für die anschließende Meditation wurde eine besondere Reliquie ins Stade de France gebracht: die als Tunika Jesu verehrte Reliquie, die sonst in der Basilika Saint-Denys d’Argenteuil aufbewahrt wird. Im Rahmen der Vigil wurde sie den Jugendlichen gezeigt.

„Wo liegt die Quelle der wahren Freiheit?“, fragte Leo XIV. beim gemeinsamen Abendgebet. Seine Antwort verwies unmittelbar auf Christus: „Die Wahrheit wird euch befreien.“ Wahre Freiheit entstehe aus einer „lebendigen Beziehung zu Jesus“, betonte der Papst.

Für seine Meditation griff Leo XIV. drei Verben aus dem Ersten Timotheusbrief auf: „meide, strebe, kämpfe“. Sie beschreiben für ihn einen Weg, der beim Verzicht auf das Böse beginnt, sich im Streben nach dem Guten fortsetzt und schließlich in einem entschiedenen Einsatz für dieses Gute mündet.

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Zu meiden seien Stolz, Eitelkeit, Gewalt und Habsucht. Eine solche Orientierung könne dazu führen, „dass man alles haben will, aber am Ende niemand ist; dass man eine Menge Likes erhält, aber mit sich selbst allein bleibt“. Dem stellte Leo XIV. die Suche nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut gegenüber. „Wer mit Gott lebt, strebt nach dem Besten“, sagte er.

Als Beispiel für einen solchen Weg nannte der Papst den seligen französischen Pfadfinder und Arbeiter Marcel Callo. Auch im Konzentrationslager habe dieser am Streben nach dem Guten festgehalten. Der Weg der Heiligkeit, so Leo XIV., sei dabei kein abstraktes Ideal, sondern ein Weg, auf dem Gott jeden Menschen begleite.

Entscheidend sei jedoch mehr als die bloße Vermeidung des Bösen. „Man muss sich für das Gute entscheiden“, sagte der Papst. Darin liege der eigentliche Kern der Freiheit: „Das Gute zu wählen ist der eigentliche Akt der Freiheit.“ Als Maßstab formulierte Leo XIV.: „Das Gute schenkt Leben und nimmt es niemals weg.“

Liebe als einzige Waffe

An die Entscheidung für das Gute knüpfte Leo XIV. auch seine Gedanken zu den Prinzipien von „Gleichheit und Brüderlichkeit“ an, die in der französischen Gesellschaft eine besondere Bedeutung haben. Ihre Grundlage sieht der Papst nicht allein in gesetzlichen Regelungen. Vielmehr seien sie „die radikalen und mutigen Entscheidungen eines freien Herzens“. Wer diese Werte zu den eigenen mache, entscheide sich dafür, „wahrhaftige Männer und Frauen zu werden, frei von jeglichem Kompromiss“.

Beim dritten der von ihm herausgegriffenen Verben – dem „Kämpfen“ – setzte Leo XIV. zugleich eine klare Grenze. Der christliche Kampf richte sich nicht gegen andere Menschen und dürfe weder von Gewalt noch von Verachtung oder Unterdrückung geprägt sein. „Unsere einzige Waffe ist die Liebe, die sich verschenkt“, betonte der Papst.

Den Weg zu einem solchen Leben müssten die Jugendlichen dabei nicht allein gehen. Die Gemeinschaft der Kirche und das Zeugnis der Heiligen könnten Orientierung und Halt geben. Leo XIV. ermutigte die jungen Menschen deshalb, selbst zu „Friedensstiftern“ zu werden. Als Beispiel verwies er auf den „kleinen Weg“ der heiligen Theresia vom Kinde Jesu: Die alltägliche, oft unscheinbare Liebe könne zum Fundament eines dauerhaften Friedens werden.

Zum Abschluss richtete der Papst den Blick erneut auf Christus. In seinem „guten Kampf“ und seinem „guten Bekenntnis“ werde die Erlösung sichtbar, die mit seinem Sieg über Sünde und Tod verbunden sei. Auch die im Stadion ausgestellte Tunika und das Kreuz verwiesen für Leo XIV. zugleich auf das Leiden Christi und auf die Hoffnung, die aus seiner Auferstehung erwachse.

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