Generalaudienz: Fortschritt braucht Nächstenliebe
Papst Leo XIV. spricht bei der Generalaudienz über das Verhältnis von technischem Fortschritt, Nächstenliebe und christlichem Glauben.

Technischer und wissenschaftlicher Fortschritt darf nach den Worten von Papst Leo XIV. nicht zum Selbstzweck werden. Bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz erinnerte das katholische Kirchenoberhaupt an die Leitgedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils: Menschliches Wissen und technische Fähigkeiten seien Ausdruck menschlicher Schöpferkraft – müssten aber stets der Würde des Menschen, dem Allgemeinwohl und besonders den Benachteiligten dienen. Anknüpfend an die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ rief Leo XIV. dazu auf, die Chancen des Fortschritts zu nutzen, ohne dabei Nächstenliebe und die Verantwortung für die Gesellschaft aus dem Blick zu verlieren.
Papst Leo XIV.: Fortschritt für alle
Im Mittelpunkt der Generalaudienz stand diesmal das dritte Kapitel des Dokuments des Zweiten Vatikanischen Konzils, „Gaudium et spes“, mit dem Titel „Das menschliche Schaffen in der Welt“.
Der Mensch sei als Ebenbild Gottes „Träger des Fortschritts“, betonte der Papst in diesem Zusammenhang. Mit Freiheit und Verstand erweitere er sein Wissen und trage damit zur Entwicklung der Gesellschaft bei. Die Verbesserungen der Lebensbedingungen über Generationen hinweg seien dafür ein sichtbares Beispiel.
Zugleich mahnte Leo XIV., technischer und wissenschaftlicher Fortschritt dürfe nicht von der Verantwortung für den Menschen getrennt werden. Er müsse „zum Fortschritt des ganzen Menschen und aller Menschen“ beitragen und „von der Nächstenliebe beseelt und geleitet“ sein. Nur so könne er der Würde des Menschen dienen und insbesondere die Lebensbedingungen der am stärksten Benachteiligten verbessern.
Der Papst rief dazu auf, Wissen und Fähigkeiten miteinander zu teilen. Das Konzil lade dazu ein, „das Brot des Wissens und des Könnens zu teilen“, damit Menschen und Völker ihre Möglichkeiten entfalten und gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten könnten.
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Mit Verantwortung an Gottes Schöpfung mitwirken
Für Papst Leo XIV. steht menschlicher Fortschritt nicht im Widerspruch zum Glauben an Gott. Bereits das Zweite Vatikanische Konzil habe betont, dass das jahrhundertelange Bemühen der Menschen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern, der Absicht Gottes entspreche. Unter Bezug auf „Gaudium et spes“ erklärte Leo XIV., Christen müssten die menschlichen Leistungen nicht als Konkurrenz zu Gottes Schöpfermacht verstehen. Im Gegenteil: Die „Siege der Menschheit“ könnten vielmehr „ein Zeichen der Größe Gottes“ sein.
Gott habe den Menschen eine Schöpfung anvertraut, die noch nicht vollendet sei, sagte der Papst. Durch „kluges Handeln“ könnten die Menschen an ihrer Weiterentwicklung mitwirken. Zugleich müsse irdischer Fortschritt klar „von der Entwicklung des Reiches Christi unterschieden werden“.
Die Aufgabe des Menschen bestehe dennoch darin, Güter wie Würde, Gemeinschaft und Freiheit zu fördern. „Die Güter menschlicher Würde, brüderlicher Gemeinschaft und Freiheit“ müssten, so die von Leo XIV. zitierte Konzilsaussage, „auf Erden gemehrt werden“.
Dabei müsse der christliche Glaube nicht im Gegensatz zum Alltag stehen. „Um Gott zu begegnen, muss der Mensch seine irdischen Beschäftigungen nicht aufgeben“, betonte der Papst. Auch Arbeit, Wissenschaft und gesellschaftliches Engagement könnten Teil der persönlichen Berufung sein. Christen seien aufgerufen, gemeinsam mit anderen „am Aufbau der Stadt der Menschen“ mitzuwirken – und dabei das Ziel des menschlichen Lebens und die Begegnung mit Gott im Blick zu behalten.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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