Vatikan

„Gott wirkt im Kleinen“: Papst Leo XIV. erinnert an Demut und Bescheidenheit

Eine Goldene Rose mit jahrhundertealter Geschichte, ein neues Papstbild und eine Botschaft, die über den Marienwallfahrtsort hinausweist: Bei seinem Besuch in Genazzano verbindet Leo XIV. die Verehrung Marias mit einem Aufruf zu Demut, Frieden und Vertrauen.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
„Gott wirkt im Kleinen“: Papst Leo XIV. erinnert an Demut und Bescheidenheit
(c) Wikimedia Commons - Cruz.croce - Public Domain

Am Vorabend des Festes der Geburt der Seligen Jungfrau Maria hat Papst Leo XIV. bei seinem Besuch im Heiligtum der Mutter vom Guten Rat eine klare Botschaft formuliert: Gerade in einer von Unsicherheit und Zerstörung geprägten Zeit liege eine besondere Kraft im Kleinen und Unscheinbaren. Bei der Messe überreichte der Papst dem Wallfahrtsort zudem eine Goldene Rose und enthüllte ein neues Wandgemälde.

Wandgemälde und Goldene Rose für das Heiligtum

Nach seiner Ankunft auf dem Piazzale della Pace wurde Leo XIV. von Vertretern der örtlichen Behörden, der Augustinergemeinschaft und dem Bischof von Tivoli und Palestrina, Mauro Parmeggiani, begrüßt. Anschließend enthüllte der Papst in der Basilika ein neues Wandgemälde des Künstlers Marco Innocenzi. Es zeigt Leo XIV. im Profil auf einem Betschemel vor der Marienikone. Damit findet auch der amtierende Papst seinen Platz in einer Reihe von Darstellungen, die unter anderem Urban VIII., Pius IX., Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zeigen.

Eine besondere Bedeutung hatte die anschließende Übergabe einer Goldenen Rose. Sie erinnert an eine Geste von Papst Martin V., der dem Heiligtum bereits 1431 eine solche Rose überreichte. Das historische Exemplar ging während der napoleonischen Epoche verloren. Die neue Rose trägt die Wappen des Heiligtums sowie jene Martins V., Leos XIII. und Leos XIV.

Als Zeichen des Austauschs überreichte das Heiligtum dem Papst seinerseits eine Reliquie des seligen Augustiners Stefano Bellesini, dessen Gebeine in der Basilika verehrt werden. Bischof Parmeggiani würdigte den Besuch als Ermutigung für die Ortskirche, den Glauben zu stärken und sich für Frieden und Einheit einzusetzen.

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Maria und die Kraft des Unscheinbaren

In seiner Predigt erinnerte Papst Leo XIV. an seine persönliche Verbindung zu dem Wallfahrtsort und an seinen ersten Besuch kurz nach Beginn seines Pontifikats. Im Mittelpunkt stand die Rolle Marias in der Heilsgeschichte. Dabei bezog sich der Papst auch auf die Schriften des heiligen Augustinerbischofs Thomas von Villanova und auf das, was die Evangelien über die Jugend Marias nicht berichten.

Ihre Bedeutung, so Leo XIV., liege nicht in außergewöhnlichen äußeren Umständen, sondern in ihrer Berufung zur Mutter Gottes. Mit Blick auf die Geburt Marias verwies er auf einen Grundzug des göttlichen Handelns: Gott wähle das Kleine und Unscheinbare. „Zerbrechlich wie ein junger Spross und doch ein Zeichen der Treue Gottes“ sei die Menschheit, der Maria anvertraut werde, sagte der Papst.

In dieser Perspektive werde auch deutlich, was christliche Demut bedeute. Gottes Allmacht zeige sich nicht in Überheblichkeit, sondern in Schöpfung, Dienst und der Sorge um das Leben. Von Maria könne der Mensch dabei eine besondere Form geistlicher Aufmerksamkeit lernen: Sie trete mit Gott ins Gespräch, stelle Fragen und bewahre die Ereignisse „in ihrem Herzen und verbinde“ sie miteinander.

Zum Ende seiner Predigt lenkte Leo XIV. den Blick auf die Gegenwart. In Zeiten von Krieg, Zerstörung und Unsicherheit brauche es die Fähigkeit, Frieden zunächst im eigenen Inneren aufzunehmen und ihn anschließend im gesellschaftlichen Leben wirksam werden zu lassen. Der Papst erinnerte dabei an den Propheten Micha, der im kleinen Betlehem das Kommen eines „Königs des Friedens“ erkannt habe. Gerade im Unscheinbaren könne sich damit eine Hoffnung zeigen, die weit über den Augenblick hinausweise.

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