Großbritannien lehnt Sterbehilfe-Gesetz ab
Nach zwei Jahren intensiver Beratungen ist die Debatte über den assistierten Tod in England und Wales vorerst entschieden. Das Scheitern des Gesetzentwurfs ist auch ein Erfolg für Kirchen, Ärzte und Lebensschutzorganisationen, die vor möglichen Folgen für besonders verletzliche Menschen gewarnt hatten.

Das britische Unterhaus hat einen Gesetzentwurf zur Sterbehilfe für unheilbar kranke Erwachsene in England und Wales abgelehnt. Nach einer kontroversen Debatte stimmten 286 Abgeordnete dagegen, 270 dafür. Damit endet vorerst eine zweijährige parlamentarische Auseinandersetzung, die auch innerhalb der Kirchen und der medizinischen Fachwelt heftige Kontroversen ausgelöst hatte.
Umstrittener Gesetzentwurf
Dem Votum war eine vierstündige, teils hitzige Debatte im „House of Commons“ vorausgegangen. Damit endete eine zweijährige parlamentarische Auseinandersetzung, in deren Verlauf sich das Unterhaus bereits zweimal grundsätzlich für eine Regelung der Sterbehilfe ausgesprochen hatte.
Im April 2026 war das Vorhaben im „House of Lords“ auf erheblichen Widerstand gestoßen. Die zweite Parlamentskammer brachte in der Folge rund 1.200 Änderungsanträge ein und verlangte damit weitreichende Überarbeitungen des Gesetzentwurfs.
Vorgesehen war, unheilbar kranken Erwachsenen in England und Wales mit einer Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten die Möglichkeit zu geben, einen assistierten Tod zu beantragen. Voraussetzung sollte die Zustimmung zweier Ärzte sowie einer unabhängigen Expertenkommission sein.
Die Abstimmung über das Vorhaben verlief weitgehend entlang persönlicher Überzeugungen und nicht nach festen Parteilinien. Die Labour-Regierung unter Ministerpräsident Andy Burnham, dem ersten katholischen Regierungschef des Vereinigten Königreichs seit dem Bruch mit Rom im 16. Jahrhundert, hatte sich in der Frage für neutral erklärt. Viele Abgeordnete schilderten im Parlament persönliche Erfahrungen mit schwerkranken Angehörigen – sowohl als Argument für als auch gegen die geplante Regelung. Burnham selbst blieb der Abstimmung fern. Er begründete dies im Vorfeld damit, er wolle „die Debatte nicht unzulässig beeinflussen“. Zugleich sprach er sich jedoch für eine Stärkung der Palliativversorgung aus.
„Grundsätzlich falsch“
Die katholische Kirche in England und Wales hatte den Gesetzentwurf entschieden abgelehnt. Der Erzbischof von Westminster und Vorsitzende der Bischofskonferenz, Richard Moth, bezeichnete ihn als „grundsätzlich falsch“ und „zutiefst unvollkommen“.
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Erleichtert über das Ergebnis zeigte sich auch der für Fragen des Lebensschutzes zuständige Erzbischof John Sherrington von der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales. Er würdigte alle, die sich gegen den Gesetzentwurf engagiert hatten – darunter Abgeordnete, Ärzte, Juristen, Behindertenorganisationen, Vertreter anderer Religionsgemeinschaften sowie Menschen ohne religiöses Bekenntnis.
Die gemeinsame Kampagne habe dazu beigetragen, „die Würde und Heiligkeit jedes Lebens“ zu verteidigen, erklärte Sherrington. Zugleich dankte er Bürgern, die ihre Abgeordneten kontaktiert und sich auf andere Weise an den Protesten beteiligt hatten, sowie für die Gebete der vergangenen Wochen.
Der Umgang mit schwerer Krankheit, Behinderung und dem Alter müsse von „Solidarität, Fürsorge und Respekt“ geprägt sein, betonte der Erzbischof. Eine mitfühlende Gesellschaft müsse Menschen in schwierigen Situationen beistehen, „statt sie zu ermutigen, ihr Leben zu beenden“.
Besonders hob Sherrington die Bedeutung von Angehörigen, Freunden, Pflegekräften und medizinischem Personal hervor. Ihr täglicher Einsatz mache deutlich, wie wichtig menschliche Beziehungen und die Verantwortung füreinander seien – „besonders in den verletzlichsten Momenten des Lebens“.
Als wichtigste Antwort auf das Leiden am Lebensende bezeichnete der Erzbischof einen besseren Zugang zu qualifizierter Palliativ- und Hospizversorgung. Diese müsse allen offenstehen, die sie benötigten, damit sie ihre letzten Tage „mit möglichst viel Komfort, Würde und Unterstützung“ verbringen könnten. Die katholische Kirche wolle sich deshalb weiterhin für eine bessere Versorgung einsetzen und Menschen unterstützen, die Sterbende in Hospizen, Krankenhäusern, Pflegeheimen oder zu Hause begleiten.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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