Kultur

„Happy Kadaver“: Wenn Respekt vor dem Glauben zur Ausnahme wird

Die ZDF-Überschrift „Happy Kadaver“ zu Fronleichnam hat bei vielen Katholiken Unverständnis und deutliche Empörung ausgelöst. Was als Wortspiel gedacht war, wird von Gläubigen als respektlose Entgleisung gegenüber einem zentralen Hochfest des Glaubens wahrgenommen.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
„Happy Kadaver“: Wenn Respekt vor dem Glauben zur Ausnahme wird

Die Kritik kam schnell und deutlich. Nachdem das ZDF in seinem „Update am Morgen“ am Donnerstag den katholischen Feiertag Fronleichnam mit der Überschrift „Happy Kadaver“ versehen hatte, hagelte es Proteste und Zuschriften von Lesern. Der öffentlich-rechtliche Sender reagierte schließlich, änderte die Überschrift und entschuldigte sich für die Formulierung. Doch der Vorfall wirft Fragen auf, die weit über eine missglückte Wortwahl hinausgehen. Denn im Zusammenhang mit einem so hohen Feiertag war die Wortwahl weit mehr als nur ein misslungenes Wortspiel. Dass eine solche Formulierung überhaupt den Weg in einen redaktionell verantworteten Beitrag finden konnte, lässt aufhorchen.

Sensibilität mit zweierlei Maß?

„Happy Kadaver“ – „Warum Sie heute arbeiten oder nicht“ – so lautete der Titel des Beitrags des ZDF-„Update am Morgen“ in der Ausgabe vom 04. Juni. Hintergrund war das Fest Fronleichnam. Fronleichnam ist mehr als nur ein arbeitsfreier Tag. Das Hochfest erinnert an die bleibende Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie. Die Bezeichnung „Happy Kadaver“ passt hier schon allein von der Bedeutung her nicht ins Bild. Und das wusste offenbar auch die Autorin des Beitrags. Auch wenn es als Assoziation der Worte „froh“ und „Leichnam“ gedacht war, die ins Englische übersetzt wurden, so erklärte sie doch im Text, dass Fronleichnam nichts mit einem „Leichnam“ zu tun habe, sondern vom mittelhochdeutschen „vrône lîcham“ stamme und „Leib des Herrn“ bedeute. Es ist also das genaue Gegenteil von dem, was die Überschrift hergibt. Es ist die bleibende und reale Gegenwart Christi in Leib und Blut unter seinem Volk. Umso erstaunlicher erscheint die Entscheidung, ausgerechnet eine bekannte Verunglimpfung als Überschrift zu wählen.

Erst nachdem zahlreiche Leser ihren Unmut äußerten, änderte das ZDF den Titel in „Warum Sie heute arbeiten oder nicht“. In einem Transparenzhinweis räumte der Sender ein, man habe keine religiösen Gefühle verletzen wollen und habe die Formulierung deshalb angepasst. Der Vorgang berührt eine grundsätzliche Frage: Würde eine vergleichbare Überschrift über religiöse Feste anderer Glaubensgemeinschaften veröffentlicht werden?

Kaum vorstellbar ist etwa, dass zentrale islamische oder jüdische Feiertage mit spöttischen Wortspielen überschrieben würden. Die Sensibilität gegenüber möglichen Verletzungen religiöser Gefühle ist dort in Redaktionen regelmäßig sehr hoch – und das ist grundsätzlich richtig. Religionen verdienen einen respektvollen Umgang. Doch entsteht der Eindruck, dass diese Sensibilität nicht mit gleichem Maß gemessen wird. Was gegenüber anderen Religionen als diskriminierend gelten würde, wird beim Christentum oft als Satire, Ironie oder kreative Zuspitzung abgetan.

Kein Einzelfall

Die Empörung über „Happy Kadaver“ speist sich auch aus früheren Erfahrungen. Immer wieder haben öffentlich-rechtliche Sender Diskussionen ausgelöst, wenn christliche Inhalte in einer Weise dargestellt wurden, die zum Teil respektlos oder verzerrt erschien.

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Erinnerungen werden etwa an die Christmette wach, in der eine moderne künstlerische Darstellung des Jesuskindes viele Zuschauer eher an eine glitschige Alienfigur als an die Darstellung des Erlösers erinnerte. Auch die Kinder-Nachrichtensendung „logo!“ sah sich bereits Kritik ausgesetzt, nachdem Christen den Eindruck gewannen, das Christentum werde problematischer dargestellt als andere Religionen. Jeder dieser Fälle mag für sich genommen unterschiedlich zu bewerten sein. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie bei vielen Gläubigen das Gefühl verstärken, die eigene religiöse Tradition werde von Teilen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht mit derselben Selbstverständlichkeit respektiert wie andere weltanschauliche Überzeugungen.

Mehr als ein Kommunikationsfehler

Das ZDF hat die Überschrift geändert und sich entschuldigt. Das ist richtig und notwendig gewesen. Doch die eigentliche Frage bleibt bestehen: Warum hielt man die Formulierung zunächst für angemessen? Redaktionelle Entscheidungen entstehen nicht zufällig. Sie spiegeln Haltungen, Einschätzungen und kulturelle Selbstverständlichkeiten wider. Wenn die Verballhornung eines christlichen Hochfestes als geeignete Überschrift erscheint, offenbart dies zumindest ein mangelndes Gespür für die religiöse Bedeutung des Themas.

Gerade öffentlich-rechtliche Medien tragen eine besondere Verantwortung. Sie finanzieren sich aus Beiträgen aller Bürger – auch der Millionen Christen in Deutschland. Von ihnen darf erwartet werden, dass sie religiöse Überzeugungen weder privilegieren noch herabwürdigen.

Wer Toleranz und Vielfalt ernst nimmt, darf christliche Feste nicht zum Gegenstand billiger Spottbegriffe machen. Die erklärende Berichterstattung über Religionen bleibt selbstverständlich legitim. Doch zwischen kritischer Berichterstattung und respektloser Darstellung besteht ein Unterschied.

Die schnelle Reaktion vieler Leser zeigt, dass dieser Unterschied für zahlreiche Menschen längst überschritten war. Das ZDF hat die Überschrift korrigiert. Vielleicht bietet der Vorfall nun Anlass für eine weitergehende Selbstreflexion darüber, wie öffentlich-rechtliche Medien mit dem christlichen Glauben umgehen – und ob hier tatsächlich dieselben Maßstäbe gelten wie bei anderen Religionen.


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Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

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