Hate Crime 2025: Christenfeindlichkeit in Österreich nimmt deutlich zu
Religiös motivierte Hasskriminalität bleibt in Österreich auf hohem Niveau. Der aktuelle Hate-Crime-Bericht zeigt zudem Unterschiede bei Alter und Staatsbürgerschaft der Tatverdächtigen und löst eine politische Debatte über Prävention aus.

Die Zahl christenfeindlicher Hassdelikte ist in Österreich im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Laut dem aktuellen Hate-Crime-Lagebericht des Innenministeriums wurden 133 christenfeindliche Vorurteilsmotive registriert – ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während antimuslimische und antisemitische Straftaten weiterhin den größten Anteil religiös motivierter Hasskriminalität ausmachen, fällt insbesondere der Anstieg von Angriffen auf Kirchen und andere christliche Sakralstätten ins Gewicht. Insgesamt verzeichnete die Polizei 696 religiös motivierte Vorurteilsmotive.
Sakralstätten verstärkt Ziel christenfeindlicher Angriffe
Mit 264 antimuslimischen und 247 antisemitischen Vorurteilsmotiven entfiel auch 2025 der Großteil der religiös motivierten Hasskriminalität auf diese beiden Bereiche. Die Christenfeindlichkeit nahm hingegen deutlich zu: Die Polizei registrierte 133 entsprechende Vorurteilsmotive, was einem Anstieg von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Delikte gegen andere Religionsgemeinschaften blieben mit 52 Fällen weitgehend konstant.
Auffällig ist insbesondere die Zunahme christenfeindlicher Angriffe auf Sakralstätten. Von 21 registrierten Vorfällen an Kirchen, Friedhöfen und Denkmälern waren zwölf gegen christliche Einrichtungen gerichtet und bestanden überwiegend aus schweren Sachbeschädigungen. Antimuslimische Straftaten ereigneten sich dagegen vor allem im öffentlichen Raum, während antisemitische Delikte besonders häufig im Internet verübt wurden: Mehr als jeder dritte Fall entfiel auf Hasspostings oder die Gutheißung terroristischer Straftaten.
Unterschiede bei Alter und Herkunft der Tatverdächtigen
Die Auswertung der Tatverdächtigen zeigt deutliche Unterschiede je nach Form der Religionsfeindlichkeit. Bei christenfeindlichen Delikten fiel insbesondere die Altersgruppe der 14- bis unter 18-Jährigen auf: Mit 27 Tatverdächtigen stellte sie die größte Gruppe. Antimuslimische und antisemitische Straftaten wurden hingegen überwiegend von älteren Personen begangen. Hier dominierten die Altersgruppen der 25- bis 40-Jährigen sowie der über 40-Jährigen.
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Auch bei der Staatsbürgerschaft zeigen sich markante Unterschiede. Während österreichweit 28 Prozent aller Hate-Crime-Tatverdächtigen keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, lag dieser Anteil bei christenfeindlichen Delikten bei 57 Prozent und bei antimuslimischen Straftaten bei 43 Prozent. Antisemitische Delikte wurden hingegen überwiegend von österreichischen Staatsbürgern verübt: 74 Prozent der Tatverdächtigen besaßen die österreichische Staatsbürgerschaft, 26 Prozent waren ausländische Staatsangehörige.
Politische Stimmen warnen vor „erschreckender Entwicklung“
Angesichts der aktuellen Entwicklungen kündigte Innenminister Gerhard Karner weitere Maßnahmen im Kampf gegen Hasskriminalität an. Die Delikte würden zunehmend „jünger und digitaler“, betonte der Minister bei der Präsentation des Lageberichts. Bereits rund ein Drittel der Tatverdächtigen sei unter 21 Jahre alt. Zudem habe sich das Internet zum häufigsten Tatort entwickelt. Präventionsarbeit müsse daher verstärkt im digitalen Raum ansetzen. Karner verwies in diesem Zusammenhang auf den bundesweiten Schwerpunkt „Sicher und FAIRnetzt“ sowie auf den derzeit in Ausarbeitung befindlichen Nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität.
Kritik an der Bundesregierung kam unterdessen von den Grünen. Sicherheitssprecher David Stögmüller bezeichnete die Verzögerungen beim Inkrafttreten des Aktionsplans als „unverantwortlich“ und warf der Regierung mangelnden Handlungswillen vor. Er forderte einen deutlich stärkeren Ausbau der Präventionsarbeit an Schulen sowie der digitalen Medienkompetenz. Hassverbrechen seien „direkte Angriffe auf eine offene, demokratische Gesellschaft“, weshalb Betroffene besser geschützt und Täter rascher zur Verantwortung gezogen werden müssten.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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