Christenverfolgung

Indien: Angriffe auf Christen in Westbengalen – Pastor verschleppt und Hauskirche verwüstet

Zwei Vorfälle in Westbengalen, Indien, sorgen bei Kirchenvertretern für wachsende Besorgnis. Sie warnen vor einer zunehmenden Bedrohung christlicher Gemeinden.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Indien: Angriffe auf Christen in Westbengalen – Pastor verschleppt und Hauskirche verwüstet
(c) Wikimedia Commons - Pinakpani - CC BY-SA 4.0

In Westbengalen sind nach Angaben lokaler Kirchenvertreter zwei christliche Gemeinden Ziel separater gewaltsamer Übergriffe geworden. In einem Fall soll ein Pastor während eines Gebetsgottesdienstes verschleppt, misshandelt und zur Abgabe einer Erklärung gegen christliche Gottesdienste gezwungen worden sein. Bei einem zweiten Vorfall verwüstete ein mutmaßlich hinduistischer Mob eine presbyterianische Hauskirche. Kirchenvertreter fordern von Polizei und Behörden eine schnelle und unparteiische Aufklärung der Vorfälle.

Pastor nach Gebetsgottesdienst verschleppt

Am 6. September soll eine Gruppe von rund 25 Personen ein christliches Haus im Dorf Nandapurya im Bezirk West Medinipur gestürmt haben. Dort hielt Pastor Sukhendu Singh einen Gebetsgottesdienst für Christen aus acht Familien der umliegenden Dörfer ab. Sie bedrohten und verschleppten Pastor Sukhendu Singh, berichtete die christliche Augenzeugin Purna Hembram am folgenden Tag gegenüber UCA News. Nach Angaben von Victor Behera, dem staatlichen Koordinator des ökumenischen Bengal Christian Council, brachten die mutmaßlichen Angreifer den Pastor anschließend in ein örtliches Büro der regierenden Bharatiya Janata Party (BJP). Dort sei er misshandelt und gefoltert worden.

Erst am späten Abend wurde Singh freigelassen, nachdem die Angreifer ihn gezwungen hatten, eine schriftliche Erklärung zu unterschreiben, wonach er die umliegenden Dörfer künftig nicht mehr für Gebetsdienste besuchen werde. Darüber hinaus hätten die Männer den Pastor nach Angaben Beheras dazu gezwungen, Christen zum Hinduismus aufzurufen. Er sollte ihnen demnach sagen, „dass das Christentum eine fremde Religion sei und sie zum Hinduismus zurückkehren sollten“. Die Äußerung sei nach Angaben des Kirchenvertreters auf Video festgehalten worden. Ein Anwalt unterstützt die Betroffenen inzwischen dabei, bei der Polizei offiziell Beschwerde einzureichen.

Hauskirche verwüstet

Am selben Morgen kam es im Dorf Rangilabasan im Bezirk East Medinipur zu einem weiteren Zwischenfall. Nach Angaben von Kirchenmitgliedern drang eine Gruppe von rund 125 Menschen in eine presbyterianische Hauskirche ein und beschädigte die als Gebetsstätte genutzte Unterkunft. „Zum Glück war der Großteil der Gemeinde nach dem Morgengottesdienst gegangen“, sagte Chhabi Das, die den Vorfall beobachtete. Kurz darauf sei der Mob in das Haus eingedrungen. Dabei hätten die Angreifer unter anderem ein Kreuz zerbrochen und das Grundstück beschädigt.

Auch Tapan Samanta, in deren Haus der Gottesdienst stattfand, soll angegriffen worden sein. Die örtliche Polizei sei zuvor schriftlich über die regelmäßigen Sonntagsgottesdienste informiert worden, erklärte Das. Mehrere Frauen aus der Umgebung versuchten nach ihren Angaben, einzugreifen. Samanta und einige der Frauen seien anschließend von den Angreifern zu einer Polizeistation gebracht und später wieder freigelassen worden.

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Herod Mullick, Gründungssekretär des Bengal Christian Council, zeigte sich besorgt über die Entwicklung: „Trotz fortlaufender Zusicherungen der Verwaltung bleiben wiederholte Störungen und Angriffe während der Sonntagsgebetsdienste äußerst alarmierend.“

Warnung vor zunehmender antichristlicher Gewalt in Westbengalen

Pater Dominic Gomes, Kanzler der Erzdiözese Kalkutta, verurteilte die Vorfälle deutlich. Gegenüber UCA News erklärte er: „Gewalttaten, Einschüchterungen und Entweihungen von Gotteshäusern sind inakzeptabel und müssen verurteilt werden.“ Gomes appellierte an Polizei und Bezirksverwaltung, die Vorfälle „zügig und unparteiisch“ aufzuklären. Die Verantwortlichen müssten unabhängig von ihrer Identität oder politischen beziehungsweise religiösen Zugehörigkeit zur Rechenschaft gezogen werden. Zugleich forderte er einen besseren Schutz der Betroffenen und der christlichen Gemeinden.

Auch John Dayal, Sprecher der All India Catholic Union, sieht die Entwicklung mit Sorge. Die Häufigkeit und Intensität antichristlicher Gewalt in Westbengalen habe inzwischen „ein alarmierendes Niveau“ erreicht. Nach Einschätzung Dayals nähert sich Westbengalen Bundesstaaten wie Chhattisgarh, Odisha und Uttar Pradesh an, in denen antichristliche Gewalt besonders häufig vorkommt. Kritik übte Dayal zudem am politischen Umgang mit den Vorfällen. Das Schweigen des Ministerpräsidenten von Westbengalen, Suvendu Adhikari, und des indischen Bundesinnenministers habe bei Christen den Verdacht verstärkt, dass die Gewalt möglicherweise von einflussreichen Regierungsvertretern und der regierenden BJP unterstützt werde.


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