Christenverfolgung

Israels Armee erklärt christliches Dorf Taybeh im Westjordanland zum Sperrgebiet

Im letzten rein christlichen Dorf des Westjordanlands wächst die Angst: Nach anhaltenden Siedlerangriffen erklärt Israels Armee Taybeh zum Sperrgebiet – der Pfarrer vor Ort zweifelt an den offiziellen Motiven.

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Andreas Nachbar
2 min Lesezeit
Israels Armee erklärt christliches Dorf Taybeh im Westjordanland zum Sperrgebiet
(c) Wikimedia Commons - Ralf Lotys - CC BY-SA 3.0

Das Westjordanland kommt nicht zur Ruhe: Die israelische Armee hat das christlich-palästinensische Dorf Taybeh sowie Teile der Nachbarorte Dayr Jarir und Ramun zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Die am 23. Juli erlassene und bis 2027 befristete Anordnung soll laut Armee vor gewalttätigen Übergriffen israelischer Siedler schützen – eine Begründung, die der örtliche Pfarrer Baschar Fawadleh zurückweist. Trotz des Betretungsverbots für Israelis seien weiterhin Siedler mit ihrem Vieh im Sperrgebiet unterwegs, so der Geistliche. Die einstige Hochburg der christlichen Palästinenser gilt als letztes vollständig christliches Dorf im besetzten Westjordanland; angesichts wachsender Gewalt erwägen immer mehr der knapp 1.200 Bewohner die Auswanderung.

Ausnahmen und Kritik an der Anordnung

Wer nicht im betroffenen Gebiet wohnt, darf es laut der Anordnung weder betreten noch sich dort aufhalten. Ausgenommen von dem Verbot sind jedoch Palästinenser, wie ein Armeesprecher gegenüber Medien klarstellte. Auch Journalisten dürfen sich weiterhin dort aufhalten – vorausgesetzt, ihre Anwesenheit gefährdet nicht ihr eigenes Leben und beeinträchtigt keine Militäreinsätze.

Pfarrer Baschar Fawadleh von Taybeh äußerte sich am Montag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) skeptisch zur offiziellen Begründung. Die Absperrung diene angeblich dem Schutz der Bevölkerung vor israelischen Siedlern, doch dieser Schutz ließe sich seiner Ansicht nach auch mit anderen Maßnahmen erreichen. Seine Kritik untermauerte er mit dem Hinweis, dass sich Siedler mitsamt ihrer Viehherden trotz des Verbots weiterhin im gesperrten Gebiet aufhielten.

Bereits am Montagvormittag war eine deutliche Militärpräsenz an der Zufahrtsstraße zu dem rund 30 Kilometer nördlich von Jerusalem liegenden Taybeh zu beobachten. Die Kontrollen und Absperrungen führten zu langen Staus bei Fahrzeugen, die das Dorf verlassen wollten.

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Deutlich verschärfte Lage

Nach Angaben von Pfarrer Fawadleh verschärfe sich die Lage zunehmend. Angesichts der zunehmenden Gewalt erwägen jedoch weiterhin viele von ihnen, dem Dorf den Rücken zu kehren. Der Geistliche berichtet von einer drastischen Verschärfung der Situation in den vergangenen Monaten.

Palästinensischen Angaben zufolge kam es allein im Juli zu mindestens elf Übergriffen von Siedlern im Umfeld von Taybeh. Wie Fawadleh schilderte, seien israelische Siedler seit vergangenem Mittwoch mehrfach auf das Land einer christlichen Familie vorgedrungen und hätten dort ihre Schafherde weiden lassen.


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