Kanadische Bischöfe fordern Überprüfung der Praxis der medizinischen Sterbehilfe
Mit Sorge blicken die katholischen Bischöfe Kanadas auf die Entwicklung der medizinischen Sterbehilfe im Land. Zum zehnjährigen Bestehen der gesetzlichen Regelung mahnen sie eine kritische Bilanz an und warnen vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Normalisierung der aktiven Lebensbeendigung.

Die kanadischen Bischöfe haben anlässlich des zehnjährigen Bestehens der gesetzlichen Regelung zur medizinischen Sterbehilfe (MAiD) zu einer kritischen Überprüfung der Praxis aufgerufen. Sie warnen vor einer schrittweisen Normalisierung der aktiven Lebensbeendigung und fordern einen stärkeren Fokus auf palliative Versorgung, psychosoziale Unterstützung und den Schutz vulnerabler Gruppen.
Warnung vor Ausweitung der Sterbehilfe in Kanada
Insgesamt erneuerte die katholische Kirche in Kanada ihre deutliche Kritik an der Praxis der medizinischen Sterbehilfe und ruft Politik und Gesellschaft zu einer grundlegenden Überprüfung der Entwicklung auf. Der Ständige Ausschuss für Familie und Leben der Kanadischen Konferenz der katholischen Bischöfe mahnt, man dürfe sich nicht an die „Normalisierung der Euthanasie“ gewöhnen. In einer Stellungnahme vom 10. Juni heißt es: „Wir lehnen eine Gewöhnung an den Status quo der Euthanasie in Kanada ab.“
Statt einer weiteren Ausweitung der Gesetzgebung fordert die Bischofskonferenz einen stärkeren Einsatz für palliative Versorgung, menschliche Nähe und konkrete Unterstützung für Kranke, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen. Die Kirche sehe ihre Aufgabe darin, „leidende Menschen nicht allein zu lassen, sondern sie mit Mitgefühl und praktischer Fürsorge zu begleiten“, so die Bischöfe. Ziel müsse es sein, tragfähige Alternativen zur Leidensbewältigung zu stärken, insbesondere durch medizinische, soziale und seelsorgliche Begleitung.
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Nach geltendem Recht in Kanada können volljährige, urteilsfähige Personen unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu medizinisch assistierter Lebensbeendigung erhalten, darunter eine schwere und unheilbare Erkrankung sowie unerträgliches Leiden. Die Bischöfe warnen jedoch, dass eine zunehmende Ausweitung der Kriterien – etwa über die ursprüngliche Begrenzung auf einen absehbaren Tod hinaus – eine ethische Verschiebung darstelle, die besonders vulnerable Menschen unter Druck setzen könne.
Menschliche Nähe als Antwort auf die Herbeiführung des Todes
Die katholischen Bischöfe in Kanada zeigen sich besorgt über die rapide Entwicklung der MAiD und deren zunehmende gesellschaftliche Verankerung. Unter Berufung auf den aktuellen Regierungsbericht für 2024 verweisen sie darauf, dass inzwischen 5,1 Prozent aller Todesfälle auf die medizinische Sterbehilfe zurückzuführen sind. In Zahlen sind das 16.499 Fälle im vergangenen Jahr. Die Bischöfe sprechen in diesem Zusammenhang von einem „weltweit am schnellsten wachsenden Euthanasieprogramm“.
Mit Blick auf die gesetzliche Entwicklung seit der Einführung 2016 kritisieren sie insbesondere die schrittweise Ausweitung der Zugangskriterien. Während ursprünglich ein absehbarer naher Tod Voraussetzung war, wurde die Regelung 2021 auf Menschen mit schweren und unheilbaren Erkrankungen ohne unmittelbare Lebensprognose ausgeweitet. Diese Entwicklung werfe, so die Bischöfe, grundlegende ethische Fragen auf und könne den Schutz vulnerabler Personen schwächen.
Besondere Sorge äußert die Kirche auch hinsichtlich der geplanten Erweiterung auf Fälle psychischer Erkrankungen, die derzeit für März 2027 vorgesehen ist. Parallel dazu wird im Parlament über Initiativen beraten, die diese Ausweitung dauerhaft verhindern sollen. Demgegenüber betonen die Bischöfe, dass eine humane Antwort auf Leiden nicht in der „Herbeiführung des Todes“, sondern in umfassender Begleitung liegen müsse. „Hoffnung, menschliche Nähe und wirksame Schmerzlinderung“ seien der angemessene Weg, um schweres Leid zu lindern, heißt es in ihrer Stellungnahme. Die katholische Lehre erinnere daran, dass Sterben weder künstlich verlängert noch aktiv beschleunigt werden dürfe. Abschließend würdigen die Bischöfe den Einsatz jener Organisationen, Pfarreien und medizinischen Fachkräfte, die sich seit Jahren für den Lebensschutz und die Begleitung kranker Menschen engagieren.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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