Kardinal Pizzaballa in Taybeh: „Habt keine Angst“
Zwischen militärischen Einschränkungen und wachsendem Druck bleibt die christliche Gemeinde von Taybeh ihrem Glauben und ihrer Heimat verbunden. Kardinal Pizzaballa sendet ein Zeichen der Ermutigung und ruft die Christen auf, trotz aller Bedrohungen nicht der Angst zu weichen.

Bei einem Besuch im christlich geprägten Ort Taybeh im Westjordanland hat der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, den bedrängten Christen seine Unterstützung zugesichert. Angesichts militärischer Einschränkungen und zunehmender Übergriffe von Siedlern rief er die Gemeinde zu Mut und Glauben auf.
Den Glauben bewahren
Bei einer Messe zu Mariä Himmelfahrt in der lateinischen Kirche „Christus der Erlöser“ in Taybeh betonte Kardinal Pizzaballa, dass die Kirche ihre Präsenz im Westjordanland und im gesamten Heiligen Land weiter schützen werde. „Wir werden weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um die kirchliche Präsenz hier und im gesamten Heiligen Land zu bewahren“, sagte Pizzaballa.
Er stehe zudem laufend mit dem Pfarrer von Taybeh, Pater Bashar Fawadleh, in Kontakt und verfolge die Entwicklungen vor Ort. Die Gemeinde habe für die Christen der Region eine besondere Bedeutung: „Euer Beispiel ist wichtig, damit wir inmitten dieser äußerst komplexen Situation weiterhin eine christliche Stimme sein können.“
Anschließend richtete Pizzaballa den Blick auf die innere Haltung der Gläubigen. Er rief sie dazu auf, trotz der Bedrohungen nicht zuzulassen, dass Angst und Resignation die Oberhand gewinnen. Gerade angesichts der aktuellen Situation müsse es darum gehen, den eigenen Glauben und die Hoffnung zu bewahren.
Mit Blick auf die biblische Lesung vom Marienfest über die Frau und den Drachen sagte der Patriarch: „Wir müssen von der Jungfrau Maria lernen, wie wir unsere Herzen schützen können, denn diese Situation kann sie vergiften.“ Wenn Angst und Verbitterung die Herzen bestimmten, habe letztlich „der Drache gewonnen“.
Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.
GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.
Die Christen sollten deshalb an ihrem Recht auf ein Leben in ihrer Heimat festhalten. „Wir wollen eine Gemeinschaft bleiben, die Leben hervorbringt, ohne auf unsere Rechte – unser Recht auf Leben – zu verzichten oder sie aufzugeben“, betonte Pizzaballa. Seine Botschaft an die Gemeinde fiel entsprechend klar aus: „Seid also mutig. Habt keine Angst.“
Gerade darin liege auch eine zentrale Aussage des christlichen Glaubens, so der Kardinal: an das zu glauben und darauf zu hoffen, was aus menschlicher Sicht unmöglich erscheinen könne.
Taybeh unter Druck
Die Lage in Taybeh, östlich von Ramallah im Westjordanland, bleibt angespannt. Eine israelische Militäranordnung hat das Gebiet von Taybeh und Rimon zum „geschlossenen militärischen Sperrgebiet“ erklärt. Für die knapp 1.200 Einwohner bedeutet dies erhebliche Einschränkungen im Alltag. Zugleich berichten lokale Quellen von zunehmenden Übergriffen israelischer Siedler. Viele Menschen in der Gemeinde blicken daher mit Sorge auf ihre Zukunft.
Auch Papst Leo richtete den Blick auf die Situation der palästinensischen Zivilbevölkerung. Beim Mittagsgebet am Sonntag forderte er ein Ende der Gewalt und appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich stärker für eine Zwei-Staaten-Lösung einzusetzen. Nur so könne, so seine Forderung, ein „gerechter und dauerhafter Frieden“ erreicht werden.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.
Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.
Kommentare (0)
Kommentare werden geladen...