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Katholiken in Südkorea: Widerstand gegen Ausbau der Atomkraft

Mit Straßenmessen, Protestmärschen und deutlichen Warnungen aus der Theologie wächst in Südkorea der Widerstand katholischer Gruppen gegen den geplanten Ausbau der Atomenergie. Dabei verknüpfen sie Umweltfragen mit Glauben und verweisen auf die Gefahren früherer Reaktorkatastrophen.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Katholiken in Südkorea: Widerstand gegen Ausbau der Atomkraft
(c) Wikimedia Commons - Carol M. Highsmith

Am 27. Juni feierten mehrere hundert Teilnehmer eine Straßenmesse in Bosingak im Seouler Stadtteil Jongno-gu. Der Gottesdienst wurde von vier Priestern geleitet, darunter dem Sekretär des bischöflichen Ausschusses für Ökologie und Umwelt, Stephen Yang Ki-seok. In seiner Predigt kritisierte Yang trotz der bekannten Risiken die Pläne der Regierung zur Atompolitik. Er rief die Anwesenden dazu auf, sich für den Wandel hin zu einer kernkraftfreien Gesellschaft einzusetzen.

Katholiken warnen vor Atomkraft

Während der Straßenmesse in Seoul übte Pater Stephen Yang Ki-seok scharfe Kritik an der Energiepolitik der Regierung. Trotz der bekannten Risiken halte sie am Ausbau der Kernkraft fest, sagte er in seiner Predigt. Zugleich rief er die Gläubigen dazu auf, als „ökologische Apostel“ den Übergang zu einer kernkraftfreien Gesellschaft mitzugestalten. Nach dem Gottesdienst zogen die Teilnehmer durch die Straßen der Hauptstadt und skandierten Parolen gegen neue Atomanlagen.

Unter den Demonstrierenden war auch die Seouler Katholikin Maristella Kim Kyung-mi, die gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern an der Kundgebung teilnahm. Ihre Kinder hätten sich bereits mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschäftigt und wüssten um die Gefahren der Kernenergie. „Ich habe teilgenommen, um meinen Kindern zu zeigen, wie gefährlich der Bau weiterer Kernkraftwerke ist“, sagte sie.

Die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 wurde durch ein schweres Erdbeben und den anschließenden Tsunami ausgelöst. Der Ausfall der Stromversorgung führte zum Versagen der Kühlsysteme mehrerer Reaktoren und zur Freisetzung radioaktiver Stoffe. Zwar wurden keine strahlenbedingten Todesfälle registriert, dennoch mussten mehr als 100.000 Menschen vorsorglich ihre Heimat verlassen. Die Vereinten Nationen stufen Fukushima als den schwersten Nuklearunfall seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 ein.

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Bereits wenige Tage zuvor, am 22. Juni, hatte der Seelsorgerat der Diözese Andong in der Kathedrale von Yeongdeok eine „Messe für Leben und Frieden für eine atomwaffen- und kernkraftfreie Welt“ gefeiert. Geleitet wurde der Gottesdienst von Peter Kim Si-yeong, dem Vorsitzenden des diözesanen Ausschusses für Ökologie und Umwelt. In einer verabschiedeten Erklärung kritisierte der Rat die Energiepolitik der Regierung von Präsident Lee Jae-myung und forderte den Verzicht auf neue Großkraftwerke sowie auf kleine modulare Reaktoren. Ein entsprechendes Schreiben übergaben die Teilnehmer dem Landrat von Yeongdeok.

Kritik an Ausbauplänen

Der Theologe und Priester Cho Hyun-chul von der Sogang-Universität in Seoul warnt eindringlich vor den Folgen eines möglichen Reaktorunglücks in Südkorea. Im Gespräch mit Public Radio International sagte er, eine Katastrophe wie in Fukushima hätte für das dicht besiedelte Land verheerende Konsequenzen: „Wir hätten keinen Platz mehr zum Leben. Es gibt keine sicheren Räume.“

Die zerstörerische Kraft der Kernenergie widerspreche zudem „Gottes Absicht“. Deshalb gehe es den katholischen Gegnern der Atomkraft nicht allein um den Ausstieg aus der Kernenergie, sondern ebenso um den Schutz der Schöpfung.

Auslöser der jüngsten Proteste waren die Pläne des staatlichen Energieunternehmens Korea Hydro & Nuclear Power (KHNP), die Landkreise Yeongdeok-gun in der Provinz Nord-Gyeongsang sowie Gijang-gun bei Busan als Standorte für neue Kernkraftwerke auszuwählen. Umweltgruppen und kirchliche Initiativen kritisieren insbesondere das Verfahren der Standortwahl als intransparent. Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) sind in Südkorea derzeit 26 Kernkraftwerke in Betrieb; zwei weitere Reaktoren befinden sich im Bau.


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