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Katholikentag in Würzburg endet mit starkem Bekenntnis zu Demokratie und Zusammenhalt

Vier Tage lang wurde in Würzburg diskutiert, gebetet und gestritten – über Glauben, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zum Abschluss des Katholikentags setzten Kirchenvertreter ein deutliches Zeichen gegen Hass und Spaltung und warben für Mut, Dialog und Offenheit.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Katholikentag in Würzburg endet mit starkem Bekenntnis zu Demokratie und Zusammenhalt
© Markus Hauck (POW)

Mit einem eindringlichen Appell für Mut, gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Schutz der Demokratie ist der Katholikentag in Würzburg zu Ende gegangen. Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der Deutschen Bischofskonferenz zogen am Sonntag eine positive Bilanz des viertägigen Glaubensfestes, das nach Angaben der Veranstalter rund 70.000 Teilnehmer anzog. Im Mittelpunkt standen politische Debatten, spirituelle Angebote und Zeichen interreligiöser Verbundenheit.

Klare Haltung für Demokratie und Zusammenhalt

Der Katholikentag in Würzburg ist nach vier Tagen mit einer positiven Bilanz der Veranstalter zu Ende gegangen. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, sprach am Sonntag vom „größten Katholikentag seit 2018“. Das Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ habe „offenbar den Nerv getroffen“. Der Katholikentag sei von Engagement und Zusammenhalt geprägt gewesen und habe ihr „auch ganz persönlich Mut“ gemacht.

Stetter-Karp betonte, dass viele Teilnehmer während des Glaubensfestes eine klare gesellschaftliche Haltung gezeigt hätten. „Wir wollen eine gerechte, eine solidarische und eine offene Gesellschaft“, sagte sie. Zugleich bekannte sie sich deutlich zur Demokratie: „Die Demokratie in unserem Land ist uns sehr viel wert. Wir sind bereit, sie zu verteidigen.“

Den Antrieb dafür verortete die ZdK-Präsidentin im christlichen Glauben. Der Glaube an einen liebenden Gott schenke Hoffnung und Kraft „auch mitten im Leben“. Mit Blick auf gesellschaftliche Spannungen zeigte sich Stetter-Karp optimistisch: „Schon morgen können Glaube, Hoffnung und Liebe gewinnen.“

Hass, Hetze sowie „Mut- und Lieblosigkeit“ könnten überwunden werden, wenn Menschen sich gegenseitig stärkten und gemeinsam Verantwortung übernähmen. Zum Abschluss des Katholikentags appellierte sie deshalb an die Gläubigen: „Brechen wir also auf!“

Bischöfe betonen Dialog und Demokratie

Die führenden Vertreter der katholischen Kirche hoben zum Abschluss des Katholikentags die Bedeutung von Zusammenhalt, Demokratie und Dialog hervor. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, sprach von einem gemeinsamen Weg der Kirche, der sinnbildlich durch die Brücken über den Main sichtbar geworden sei. „Wir müssen Brücken bauen, um andere zu erreichen“, sagte Wilmer. Der Katholikentag habe dabei „starke politische Statements“ gesetzt und ein klares Bekenntnis zur Demokratie abgelegt.

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Die Kirche werde auch künftig „unsere auf einer christlichen Wertebasis errungene Freiheit und Demokratie schützen“, betonte Wilmer. Das Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ sei für ihn ein persönlicher Ansporn gewesen. Mit „Zuversicht und Gottvertrauen“ blicke er nun auf den nächsten Katholikentag in Paderborn.

Auch der Würzburger Bischof Franz Jung zog eine positive Bilanz. Besonders die Atmosphäre des Austauschs habe den Katholikentag geprägt. In Gesprächen mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft habe er „gegenseitige Wertschätzung“ und echtes Interesse am Dialog erlebt. Gerade in Zeiten, in denen häufig eine Stärkung der Demokratie gefordert werde, sei das Treffen eine wichtige Plattform für konstruktive Gespräche gewesen.

Zugleich hob Jung die große Resonanz auf die geistlichen und liturgischen Angebote hervor. Besonders bewegt habe ihn die Mitwirkung des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, an einem Großgottesdienst. Darin sehe er ein starkes Zeichen interreligiöser Verbundenheit.

Großer Zuspruch und offene Debattenkultur

Nach Angaben von Geschäftsführer Roland Vilsmaier löste der Katholikentag großes Interesse aus. Rund 34.000 Menschen hätten ein Ticket erworben, weitere 40.000 Besucherinnen und Besucher seien bei frei zugänglichen Veranstaltungen und auf der Kirchenmeile dabei gewesen. Vilsmaier dankte insbesondere den Menschen in Würzburg und Umgebung für ihre Gastfreundschaft. Fast 700 Gastgeberinnen und Gastgeber hätten etwa 2500 Übernachtungsplätze zur Verfügung gestellt.

ZdK-Generalsekretär Marc Frings bezeichnete das Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ als prägend für den Katholikentag in Würzburg. Das Motto sei während der gesamten Veranstaltung immer wieder aufgegriffen worden – „auf unseren Podien, in den Workshops, bei Gesprächen auf der Kirchenmeile, bei den vielen spirituellen Angeboten“, sagte Frings zum Abschluss.

Der Katholikentag habe sich bewusst breit aufgestellt und unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen Raum gegeben. Nach den Worten des ZdK-Generalsekretärs erhielten auch säkulare Partner sowie Stimmen mit abweichenden innerkirchlichen Positionen eine Bühne. „Das macht uns nicht beliebig, sondern gesprächsoffen“, betonte Frings.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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