„Kein Bischof geht allein“: Papst Leo XIV. fordert Oberhirten zu Nähe und Menschlichkeit auf
Zum Abschluss ihres Ausbildungskurses im Vatikan empfing Papst Leo XIV. rund 150 neu ernannte Bischöfe aus aller Welt und gab ihnen eine zentrale Botschaft mit: Ihr Dienst beginnt bei Christus und zeigt sich in der Nähe zu den Menschen.

Papst Leo XIV. setzt bei den neu ernannten Bischöfen einen klaren Akzent: Nicht Distanz und Autorität, sondern Nähe, Zuhören und gelebte pastorale Liebe sollen ihren Dienst prägen. Beim Abschlusskurs für rund 150 neue Oberhirten erinnerte er daran, dass jeder Bischof zuerst Jünger Christi ist – und warnte zugleich davor, angesichts Künstlicher Intelligenz den Menschen und seine Würde aus dem Blick zu verlieren.
Nähe beginnt bei Christus
Papst Leo XIV. hat die rund 150 neu ernannten Bischöfe aus aller Welt zu einem offenen und nahbaren Dienst aufgerufen. Im Mittelpunkt seiner Ansprache zum Abschluss des Ausbildungskurses im Vatikan stand die Erinnerung: Ein Bischof solle für alle Menschen da sein – unabhängig davon, ob sie katholisch, Angehörige einer anderen Religion oder dem Glauben fernstehen. „Alle müssen einen Platz im Herzen des Bischofs finden, denn sie haben schon einen Platz im Herzen von Christus“, sagte Leo.
Die vergangenen Tage hätten den neuen Oberhirten gezeigt, wie wichtig Gemeinschaft sei: Sie hätten gemeinsam gebetet, Eucharistie gefeiert, zugehört und persönliche Hoffnungen und Erfahrungen geteilt. Daraus ergebe sich eine einfache, aber entscheidende Erkenntnis: „Kein Bischof geht allein.“
Zugleich erinnerte der Heilige Vater die Bischöfe daran, dass sie trotz ihrer vielfältigen Aufgaben zunächst Jünger Christi seien. Ihre wichtigste Aufgabe bestehe darin, „bei Jesus zu bleiben“. Wer Christus verkünden wolle, müsse selbst in seiner Nähe leben. Und wer andere führen wolle, müsse sich „täglich von Christus führen lassen“.
Deshalb dürften Eucharistie, das Wort Gottes und das Gebet im Leben eines Bischofs keinen Nebenplatz einnehmen. Der Auftrag sei klar, so der Papst: „bei ihm zu bleiben und von ihm ausgesandt zu werden“.
Den Menschen nahe sein
Für Leo XIV. gehören die Nähe zu Christus und die Nähe zu den Menschen untrennbar zusammen. Die Bischöfe sollten die ihnen anvertrauten Menschen kennen, ihre Geschichten hören und, wo möglich, auch ihre Häuser besuchen und mit ihnen beten. Gerade kleine Gesten könnten nachhaltig wirken: „Eine Begegnung, ein Segen, die Zeit, die man einem Priester schenkt, das Zuhören einer Familie, der Dialog mit einem Jugendlichen“ könne „in der Seele eines Menschen ein ganzes Leben lang“ bleiben.
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Dabei verwies der Papst auf einen Gedanken seines Vorgängers Franziskus: „Nähe ist einer der Wesenszüge Gottes in Bezug auf sein Volk.“ Diese Nähe sollten die Bischöfe besonders auch ihren Priestern vermitteln – als Väter und Brüder, gerade auch gegenüber älteren oder kranken Geistlichen. Ihr Amt sei ein „Dienst der Liebe“, ein „amoris officium“, wie der heilige Augustinus es nannte.
In diesem Zusammenhang nahm Leo XIV. die Bischöfe angesichts der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz in die Pflicht. Die Technologie eröffne ungeahnte Möglichkeiten, könne aber die grundlegenden Probleme des Menschen nicht lösen. „All dies kann die Menschheit nicht von der Sünde befreien“, sagte der Papst. Umso wichtiger sei es, die Frage nach der Würde des Menschen wachzuhalten. Mit seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ wolle er den Hirten dafür „eine Vision und eine Methode“ an die Hand geben.
Gemeinsam unterwegs
Weiter rief der Pontifex die neuen Bischöfe dazu auf, in ihren Diözesen Räume für Austausch und Nachdenken zu schaffen. Sie sollten „Wege der Reflexion und des Dialogs fördern“ und Menschen darin bestärken, sich „in den Dienst der Zivilisation der Liebe“ zu stellen. Gerade angesichts des technologischen Wandels müsse die Kirche den Menschen und seine Würde im Mittelpunkt halten.
Zum Abschluss erinnerte der Papst an ein Wort des heiligen Augustinus: „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.“ Bischöfe sollten deshalb nicht über ihrem Volk stehen, sondern mit ihm unterwegs sein – im Gebet, beim Hören auf das Wort Gottes und in der gemeinsamen Eucharistie. Seine abschließende Einladung: „Suchen wir gemeinsam jeden Tag das Antlitz des Herrn.“
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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