Kultur

Kirche im Wandel: Neue Zahlen zur Erwachsenentaufe und Bildung

Weniger Mitglieder, weniger Gottesdienstbesucher, weniger pastorales Personal: Die katholische Kirche in Deutschland steht unter Veränderungsdruck. Doch die neuen Zahlen erzählen nicht nur von Rückgang. Sie zeigen auch, wo Kirche weiterhin Menschen erreicht – etwa in katholischen Schulen und bei Erwachsenen, die sich bewusst für die Taufe entscheiden.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Kirche im Wandel: Neue Zahlen zur Erwachsenentaufe und Bildung
(c) Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die neue Arbeitshilfe Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2025/2026 veröffentlicht. Die Broschüre bilanziert aktuelle Entwicklungen bei Mitgliederzahlen, Gottesdienstbesuchen, pastoralen Diensten und Finanzen und zeigt zugleich, wo Kirche weiterhin präsent ist – in Bildung, Seelsorge, Caritas, Kultur und gesellschaftlichem Engagement. Zwei Schwerpunkte richten den Blick in diesem Jahr auf den Bereich Bildung an katholischen Schulen sowie auf Erwachsene auf dem Weg zur Taufe.

Bischof Wilmer: Kirche muss ehrlich auf ihre Wirklichkeit blicken

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer, verweist im Vorwort sowohl auf die Herausforderungen als auch auf das vielfältige kirchliche Engagement. Weniger Mitglieder, Gottesdienstbesucher und pastorales Personal sowie veränderte finanzielle Möglichkeiten prägten die Entwicklung. Zugleich machten die Zahlen sichtbar, dass Kirche weiterhin für Menschen da sei und Verantwortung übernehme. „Kirche ist nicht nur dort, wo Gottesdienst gefeiert wird“, schreibt Wilmer. Sie sei auch dort präsent, wo Menschen begleitet, gestärkt und getröstet würden, soziale Verantwortung übernommen und Hoffnung weitergegeben werde.

Katholische Schulen als Lern- und Lebensorte

Mehr als 850 katholische Schulen gehören zur Bildungslandschaft in Deutschland. Knapp 300.000 Kinder und Jugendliche besuchen Einrichtungen in Trägerschaft von Bistümern, Orden, kirchlichen Stiftungen und anderen freien Trägern. Die Deutsche Bischofskonferenz hebt in ihrer neuen Arbeitshilfe die besondere Bedeutung dieser Schulen hervor. Ihr Anspruch geht dabei über die reine Wissensvermittlung hinaus: Kinder und Jugendliche sollen sich ganzheitlich entwickeln und nicht nur leistungsfähig, sondern auch „lebensfähig“ werden. Neben fachlicher Bildung sollen deshalb persönliche Fragen, Begabungen und individuelle Entwicklungswege Raum erhalten.

Dabei übernehmen nicht nur Lehrkräfte Verantwortung. An einer katholischen Schule arbeiten im Durchschnitt mehr als 40 Lehrerinnen und Lehrer, unterstützt unter anderem durch Fachkräfte in der Schulsozialarbeit und Verwaltung. Sie begleiten Schülerinnen und Schüler auch bei persönlichen Krisen, Konflikten und der Suche nach neuen Perspektiven. Hinzu kommen religiöse und pastorale Angebote wie Schulpastoral, soziale Projekte und gemeinsame Feiern im Kirchenjahr. An manchen Schulen werden Kinder und Jugendliche zudem auf die Erstkommunion und die Firmung vorbereitet. Katholische Schulen verstehen sich damit zugleich als Lern- und Lebensorte.

Zwischen Anspruch und Veränderungsdruck

Dieser Anspruch steht allerdings vor wachsenden Herausforderungen. Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Ganztagsangebote und veränderte schulpolitische Rahmenbedingungen setzen die Träger unter Druck. Bereits mehr als 35 Prozent der katholischen Schulen bieten Ganztagsangebote an. Gleichzeitig belasten die Einrichtungen finanzielle Herausforderungen sowie die Frage, wie das christliche Profil in einer zunehmend weltanschaulich vielfältigen Gesellschaft verständlich und glaubwürdig vermittelt werden kann. Die Entwicklung der katholischen Schulen steht damit exemplarisch für die größere Frage, wie Kirche unter veränderten Bedingungen präsent bleiben und ihrem Auftrag gerecht werden kann – ein Spannungsfeld, das auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in seinem Vorwort zur Arbeitshilfe beschreibt.

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Mehr Erwachsene finden zum katholischen Glauben

Während die katholische Kirche insgesamt weiter Mitglieder verliert, ist bei den Erwachsenentaufen ein gegenläufiger Trend zu beobachten. Im Jahr 2025 ließen sich in Deutschland 2.650 Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren katholisch taufen – 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden 109.002 Menschen katholisch getauft, darunter vor allem Kinder. Die Zahl der erwachsenen Taufbewerber zeigt jedoch, dass sich auch in einer weitgehend säkular geprägten Gesellschaft Menschen bewusst auf die Suche nach dem christlichen Glauben machen.

Die Wege zur Taufe sind dabei unterschiedlich. Manche Menschen kommen durch persönliche Begegnungen mit Christen zum Glauben, andere über eine Partnerschaft oder die Vorbereitung auf eine kirchliche Hochzeit. Wieder andere suchen nach Orientierung, Sinn und Gemeinschaft oder finden über die Liturgie einen Zugang zur Kirche.

Zu ihnen gehört Valentin Rühm, der 2025 getauft wurde. Den Anstoß gab die Vorbereitung auf seine Hochzeit. Er habe sich dabei entschieden, seinem zunächst „losen Glauben“ mehr Halt zu geben. Nach einem Gespräch und einem Basiskurs sei die Taufe gefolgt. „Seitdem ist Gott stärker in meinen Alltag gerückt“, berichtet Rühm.

Auch Murat Güzey beschreibt seinen Weg als persönlichen Suchprozess. Er habe zunächst die vier Evangelien gelesen und sei von der Botschaft Jesu Christi tief bewegt gewesen. Besonders die Themen Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung hätten ihn angesprochen. In der christlichen Botschaft habe er schließlich Antworten auf Fragen gefunden, nach denen er lange gesucht habe.

Die Beispiele machen deutlich, dass kirchliche Zugehörigkeit nicht allein durch familiäre oder gesellschaftliche Tradition entsteht. Für manche Erwachsene beginnt der Weg zur Taufe vielmehr mit einer persönlichen Begegnung, einer Lebensentscheidung oder einer Suche nach Sinn und Orientierung. Damit verweist die Arbeitshilfe neben den rückläufigen Mitgliederzahlen auch auf eine andere Entwicklung: Menschen finden weiterhin neue und sehr persönliche Wege zum Glauben.

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Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

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