Kirche muss nicht einer Meinung sein: Europas Bischöfe beraten in Wels
In Schloss Puchberg bei Wels diskutieren europäische Bischöfe darüber, wie Kirche mit Vielfalt und Spannungen umgehen kann, ohne daran zu zerbrechen.

Verschiedenheit muss die Kirche nicht spalten, sondern kann ihre Gemeinschaft stärken: Beim internationalen Synodenworkshop im oberösterreichischen Schloss Puchberg bei Wels werben Kardinal Jean-Claude Hollerich und Kardinal Ladislav Nemet, Erzbischof von Belgrad und CCEE-Vizepräsident, für eine Kirche, die zuhört, Spannungen aushält und sich weiterentwickelt. Während Hollerich darin auch eine Antwort auf die gesellschaftliche Polarisierung sieht, betont Bischof Wilmer die Notwendigkeit, auf die unterschiedlichen Erfahrungen in Europa zu hören und gemeinsam neue Wege zu suchen. Nemet wiederum plädiert für mehr Spielräume der Ortskirchen und warnt vor einem einheitlichen europäischen Modell von Synodalität.
Wilmer: Kirche braucht Erneuerung
Bischof Wilmer nimmt noch bis Donnerstag am internationalen Synodenworkshop im oberösterreichischen Schloss Puchberg bei Wels teil. Von der Tagung erhofft er sich ein stärkeres Zusammenrücken der Europäerinnen und Europäer. Dafür müsse man einander wirklich zuhören – „und zwar die Nordeuropäer auf die Südeuropäer, die Leute aus dem Westen auf den Osten“. Europa müsse sich dabei als „große europäische Menschheitsfamilie“ verstehen.
Neben dem Auftrag Jesu, als synodale Kirche zusammenzuhalten, sieht Wilmer eine weitere wichtige Dynamik: Veränderung. „Die Kirche hat sich immer gewandelt seit den Tagen Jesu“, sagte der Bischof. Wandlung sei Teil des kirchlichen Lebens. Deshalb brauche es auch keine Angst vor Erneuerung zu geben. Die Kirche müsse offen sein für „den Geist in der Zeit“, der zeige, wie das Evangelium heute so verkündet werden könne, dass sie „neu nah beim Menschen“ sei. Dafür brauche es auch Kreativität.
Synodalität bedeute für Wilmer zudem, gemeinsam voranzugehen und nicht allein vorzupreschen. Entscheidend sei, anderen Menschen „in die Augen zu schauen“, zuzuhören und nachzufragen. Als konkrete Fragen nannte er: „Wo drückt euch der Schuh, wie können wir euch helfen, wie können wir gemeinsam unterwegs sein?“ Zugleich müsse die Kirche bereit sein, von anderen zu lernen und sich fragen zu lassen, „wie wir das Evangelium vielleicht auch besser verkünden könnten“.
Hollerich: Verschiedenheit aushalten
Wenn die Kirche lernt, Gegensätze auszuhalten, ohne daran auseinanderzufallen, kann sie nach Ansicht von Kardinal Jean-Claude Hollerich auch der Gesellschaft etwas mitgeben. „In unseren Gesellschaften wird viel gesprochen und wenig gehört“, sagte der Luxemburger Erzbischof und Generalrelator der Weltsynode zum Auftakt der internationalen Tagung zur Synodalität in Europa.
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Hollerich warnte vor einer politischen Kultur, in der Menschen mit abweichenden Positionen schnell zu Gegnern würden. Gerade angesichts von Migration, Krieg und Zukunftsängsten brauche es Orte, an denen Menschen einander zuhören und verstehen lernen, „was mein Gegenüber bewegt, welche Freude, Sorgen, welche Trauer und Ängste er oder sie hat“.
Ein solcher geschützter Raum soll auch bei der Tagung entstehen. Die Kirche dürfe dabei nicht als Belehrende auftreten, betonte Hollerich. Sie müsse vielmehr selbst lernen, Spannungen auszuhalten und Verschiedenheit als Teil ihrer Gemeinschaft anzunehmen.
Auch mit Blick auf Europa bedeute Synodalität nicht, dass alle Ortskirchen nach einem einheitlichen Modell funktionieren müssten. Kardinal Nemet betonte, dass unterschiedliche gesellschaftliche und kulturelle Bedingungen auch unterschiedliche Lösungen erfordern könnten. Er plädierte unter anderem für größere Spielräume der Bischofskonferenzen und eine stärkere Beteiligung des Volkes Gottes bei der Auswahl von Bischöfen.
Hollerich verwies seinerseits auf die Bedeutung kontinentaler Zusammenschlüsse. Zugleich müsse es der Kirche gelingen, das Evangelium in einer Sprache zu vermitteln, „die auch junge Menschen verstehen“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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