Lateinischer Patriarch Pizzaballa warnt vor zunehmenden Anfeindungen gegen Christen in Israel
Kardinal Pierbattista Pizzaballa schlägt Alarm: Die christliche Minderheit in Israel sieht sich laut dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt. Neben Berichten über häufigere Übergriffe äußert er auch Zweifel an einer politischen Lösung und warnt vor zusätzlichen Spannungen im Umfeld der kommenden Wahlen.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa, zeigte sich kürzlich erneut besorgt über die Lage der christlichen Minderheit in Israel. In einem Interview beklagte er eine Zunahme von Übergriffen und Anfeindungen gegen Christen und warnte vor weiteren Spannungen im Umfeld der bevorstehenden Parlamentswahlen. Zugleich äußerte er Zweifel daran, dass politische Maßnahmen die Situation nachhaltig verbessern werden.
Wachsender Druck auf Christen im Heiligen Land
Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, sieht die christliche Minderheit in Israel zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt. In einem Interview mit dem „Spiegel“ erklärte er, die Lage habe sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Vor allem Übergriffe gegen Christen nähmen zu. „Dass Christen angespuckt werden, ist nichts Neues, aber es kommt inzwischen viel häufiger vor“, sagte der Patriarch.
Mit Sorge blickt Pizzaballa auch auf die bevorstehenden Parlamentswahlen. Für Christen könne die Situation insbesondere im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt und auf dem Zionsberg „sehr unangenehm werden“.
Als Beispiel verwies der Kardinal auf einen Vorfall Ende April, bei dem eine französische Ordensfrau in der Jerusalemer Altstadt zu Boden gestoßen und durch Tritte verletzt wurde. Die Gerichtsverhandlung gegen den mutmaßlichen Täter sei inzwischen auf Juli verschoben worden. Die Veröffentlichung des Tatvideos durch die Polizei wertete Pizzaballa als ungewöhnlichen Schritt. Dies zeige, dass die Behörden die Schwere des Falls erkannt hätten. Ob sich die Situation für Christen dadurch nachhaltig verbessere, bezweifle er jedoch. „Sicher hat die internationale Empörung dazu beigetragen. Ob sich wirklich etwas für uns ändert, wage ich zu bezweifeln“, sagte der Patriarch.
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Skepsis gegenüber der Regierung
Kritisch äußerte sich Kardinal Pierbattista Pizzaballa auch über das Verhältnis der israelischen Regierung zu den traditionellen christlichen Kirchen. Zwar unterhalte die Regierung enge Kontakte zu evangelikalen Christen, vor allem in den USA, erklärte der Patriarch. „Mit den traditionellen Christen weniger.“ Nach den jüngsten Übergriffen habe die Regierung allerdings reagiert und einen Sondergesandten im Außenministerium ernannt, der zuvor im Vatikan tätig war.
Zugleich beobachtet Pizzaballa eine zunehmende Entfremdung vieler Christen weltweit gegenüber Israel. Gläubige aus zahlreichen Ländern sprächen ihn auf politische Entwicklungen und umstrittene Äußerungen einzelner israelischer Minister an. Diese sorgten oft für Unverständnis und belasteten mitunter auch das Zusammenleben in anderen Staaten. „Sie fragen uns, wie sie damit umgehen sollen. Manchmal weiß ich nicht, was ich sagen soll“, räumte der Patriarch ein.
Kurzfristig sieht Pizzaballa keine Lösung für die bestehenden Spannungen. „Derzeit kann ich weder auf politische noch religiöse Institutionen bauen“, sagte er. Hoffnung schöpfe er jedoch aus dem Engagement vieler Menschen vor Ort. Bei einer Friedenskonferenz in Tel Aviv habe er Tausende Teilnehmer erlebt, die sich aktiv für Verständigung einsetzen wollten. „Das gibt mir Hoffnung.“
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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