"Lebenswertes Leben": Bischof Gerber über schwerstranke Kinder
Mit deutlichen Worten spricht Michael Gerber über den Wert schwerstkranker Kinder und die Aufgabe der Kirche in Krisensituationen. Zugleich gibt er persönliche Einblicke in seine eigene Krebserkrankung und die Krankenhausseelsorge.

Mit eindringlichen Worten hat der Bischof von Fulda, Dr. Michael Gerber, die Begleitung schwerstkranker Kinder und ihrer Familien als wichtigen Teil des Lebensschutzes bezeichnet. Am Rande des Katholikentags in Würzburg erklärte der Fuldaer Bischof in einem Interview mit K-TV, ein krankes Kind sei „oft von Geburt an krank“ und dennoch „ein lebenswertes Leben“. Zugleich sprach Gerber offen über seine eigene überstandene Krebserkrankung und warb für eine Kirche, die Menschen in Krisenzeiten stärker begleitet.
Bischof Gerber spricht über Lebensschutz und Krankheit
Michael Gerber hat sein Engagement für Familien mit schwerstkranken Kindern als wichtigen Beitrag zum Lebensschutz bezeichnet. In einem Interview erklärte der Fuldaer Bischof, er begleite gemeinsam mit einem Netzwerk betroffene Familien und wolle damit deutlich machen, dass auch ein schwer krankes Kind „ein lebenswertes Leben“ sei.
Den Namen des Netzwerks erwähnte Gerber nicht. Zugleich verband er sein Engagement mit der grundsätzlichen Frage, wie die Kirche Menschen in existenziellen Krisen begleiten könne. Dabei verwies er auch auf persönliche Erfahrungen während seiner eigenen schweren Erkrankung.
Anlass des Gesprächs war Gerbers Rückkehr in den vollständigen Bischofsdienst nach einer Krebsdiagnose. Ende Juni 2025 war bei dem damals 55-Jährigen ein Tumor festgestellt worden. Nach einer erfolgreichen Operation, mehreren Chemotherapie-Zyklen und einer Rehabilitation gilt der Krebs inzwischen als geheilt.
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Krankenhausseelsorge: „Liebevolle Begleitung in Krisenzeiten“
Erleichtert und dankbar blickt Michael Gerber auf die vergangenen Monate zurück. „Im Moment ist der Befund, dass der Krebs tatsächlich geheilt ist“, sagte der Fuldaer Bischof. Seit Weihnachten 2025 kehre er schrittweise in den vollen Bischofsdienst zurück und spüre inzwischen wieder „körperliche Fitness“.
Besondere Bedeutung misst Gerber dabei dem Datum seiner Operation am 2. Juli bei, dem Fest Mariä Heimsuchung. „Das war für mich kein Zufall, sondern für mich auch eine Botschaft vom lieben Gott“, erklärte er. In der biblischen Begegnung zwischen Maria und Elisabeth erkenne er ein Vorbild für die Kirche bis heute. Entscheidend sei die Frage: „Wo pflegen wir Beziehungen von Herz zu Herz?“
Prägend seien für ihn auch die Erfahrungen im Klinikum Fulda gewesen. Dort habe er eine „sehr gut aufgestellte“ Krankenhausseelsorge erlebt. Die Seelsorger hätten Patientinnen und Patienten mit einer „sehr wertschätzenden, liebevollen“ Haltung begleitet. Daraus leitete Gerber einen Appell an die Kirche ab: „Wir müssen hier insgesamt stärker einen Fokus setzen: Wie begleiten wir Menschen in Krisen?“
Hintergrund:
Seit 2020 engagiert sich Michael Gerber als Botschafter des Vereins Kleine Riesen Nordhessen. Der Verein trägt das Kinder-Palliativ-Team für den Regierungsbezirk Kassel und begleitet schwerstkranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ganzheitlich in ihrem häuslichen Umfeld. Gerber zeigte sich tief bewegt von der Arbeit der Helferinnen und Helfer. „Sie kümmern sich ganz unmittelbar um Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die sich hautnah dem Tod stellen müssen“, sagte der Fuldaer Bischof. Viele Menschen aus dem persönlichen Umfeld seien mit solchen Situationen überfordert und zögen sich zurück. Umso wichtiger sei die Nähe, die der Verein den betroffenen Familien schenke. „Sie aber sind den betroffenen Familien ganz nah“, betonte Gerber. Für den Bischof ist das Engagement des Vereins zugleich ein Beispiel dafür, wie menschliche und seelsorgliche Begleitung in schweren Krisen konkret aussehen kann.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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