Familie

Leihmutterschaft: Bischof Kohlgraf sieht in der Praxis ein "zentrales Problem"

Die katholische Kirche lehnt Leihmutterschaft grundsätzlich ab. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf warnt vor einer Kommerzialisierung von Kindern, sozialen Abhängigkeiten und möglichen Folgen für die Herkunft der Betroffenen. Zugleich spricht er sich für ein Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland aus.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Leihmutterschaft: Bischof Kohlgraf sieht in der Praxis ein "zentrales Problem"
(c) Bildnachweis: Screenshot | YouTube | Bistum Mainz

Wochen nach der Debatte um die Leihmutterschaft im Zusammenhang mit dem CDU-Politiker Jens Spahn hat sich nun auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zu Wort gemeldet. Er unterstützt die grundsätzliche Kritik des Passauer Bischofs Stefan Oster und bezeichnet die Leihmutterschaft als zentrales ethisches Problem. Zugleich warnt Kohlgraf davor, die Debatte gegen einzelne Personen zu instrumentalisieren.

Leihmutterschaft ein „zentrales Problem“

In einem Statement positionierte sich Bischof Kohlgraf klar gegen die Leihmutterschaft und machte zugleich deutlich, dass seine Einordnung nicht als Stellungnahme zur politischen Debatte um Spahn verstanden werden solle. Unabhängig von der konkreten Causa sei die Haltung der katholischen Kirche zur Leihmutterschaft eindeutig. Der Mainzer Bischof verwies dabei ausdrücklich auf den Passauer Bischof Stefan Oster, der sich früh zu den Vorwürfen geäußert hatte. Dessen „grundsätzlicher Bewertung der Leihmutterschaft“ könne er „weitgehend zustimmen“.

Mit seiner eigenen Stellungnahme habe er bewusst etwas gewartet. Es habe „einen gewissen Beigeschmack“, wenn eine solche Debatte genutzt werde, „um Vorbehalte gegen eine einzelne Person als Instrument einzusetzen“. Damit trennte Kohlgraf die grundsätzliche ethische Frage von der Auseinandersetzung um den CDU-Politiker.

An der grundsätzlichen Kritik der Kirche ließ er jedoch keinen Zweifel. Leihmutterschaft sei „ein zentrales Problem“. Es gebe „kein Recht auf ein Kind“, betonte der Bischof. Kinder seien „kein Besitz und keine Verfügbarkeit des Menschen“, sondern ein „Geschenk Gottes“, das in Liebe empfangen und verantwortungsvoll begleitet werden solle. Durch die Leihmutterschaft drohe das Kind hingegen „zu einem wirtschaftlichen Produkt“ zu werden.

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Herkunft und soziale Ungleichheit als Problem

Neben der Frage nach der Rolle des Kindes richtet Kohlgraf den Blick auch auf mögliche Folgen für die Leihmutter. Entscheidend sei, was es für einen Menschen bedeute, wenn die eigene Entstehung „mit einem Vertrag und möglicherweise auch mit finanziellen Interessen verbunden war“. Das sei „nicht banal“. Kinder hätten vielmehr ein Recht darauf, ihre Herkunft zu kennen und ihre „eigenen leiblichen Wurzeln“ nachvollziehen zu können.

Auch die soziale Dimension der Leihmutterschaft bereitet dem Bischof Sorgen. Der Körper der Frau drohe „zum Mittel wirtschaftlicher Interessen zu werden“. In diesem Zusammenhang warnt die katholische Kirche laut Kohlgraf vor der „Gefahr eines neuen Kolonialismus“. Denn während sich „wohlhabende Menschen“ eine solche Geburt leisten könnten, könnten Frauen aus wirtschaftlicher Not dazu gedrängt werden. Eine besondere ethische Herausforderung sieht Kohlgraf darin, dass „wirtschaftliche Notlagen und soziale Ungleichheiten“ Frauen aus finanzieller Abhängigkeit heraus zu einer Leihmutterschaft bewegen könnten.

Aus diesen Erwägungen folgt für den Mainzer Bischof auch eine klare rechtspolitische Konsequenz: Er halte „das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland für richtig“. Die derzeitige Rechtslage untersagt entsprechende Geschäfte zwar innerhalb Deutschlands, setzt dem Ausweichen ins Ausland jedoch keine vergleichbaren Grenzen. Einen weitergehenden Ansatz verfolgt Italien: Dort können Staatsbürger auch dann strafrechtlich belangt werden, wenn sie für eine Leihmutterschaft ins Ausland gehen.


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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