Nach den Erdbeben in Venezuela: Kirchen werden zu Orten der Hoffnung und des Trostes
Die Erdbeben-Katastrophe hat ganze Gemeinden ausgelöscht und hinterlässt tiefe Spuren: Rund 4.500 Menschen kamen ums Leben, zehntausende werden noch vermisst. Inmitten der Zerstörung stehen Seelsorger den Überlebenden bei, beten mit Angehörigen um ihre Verstorbenen und geben den Menschen neue Hoffnung.
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Rund drei Wochen nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela suchen viele Überlebende Halt im Glauben. Während Tausende Menschen um Angehörige trauern und ganze Gemeinden zerstört sind, werden Kirchen zu Zufluchtsorten für Gebet, Trauer und Hoffnung. Priester und Ordensleute begleiten die Betroffenen oft bis an die Grenzen ihrer Kräfte.
Seelsorger stoßen an ihre Grenzen
Die Seelsorger in den Erdbebengebieten Venezuelas leisten derzeit Außergewöhnliches. Pfarrer Laudence Betancourt aus der Pfarrei „Unsere Liebe Frau von Lichtmess“ in Caraballeda berichtet, dass sich die Zahl der Gottesdienstbesucher verfünffacht habe. Obwohl die Kirche noch im Bau ist und Dach sowie Teile der Wände fehlen, suchen die Menschen dort Trost und Halt.
„Es ist enorm, was zu tun ist“, beschreibt Pfarrer Betancourt die Lage vor Ort. Besonders bewegend sei für ihn der Einsatz bei einer Familie aus seiner Pfarrei gewesen. Zehn Tage lang begleitete er die Eltern, während Einsatzkräfte in den Trümmern nach ihren beiden Söhnen suchten. Selbst als keine Hoffnung mehr auf ein Überleben bestand, hätten die Eltern ihn gebeten zu bleiben und mit ihnen zu beten. Über die Tage hinweg unterstützte er die Familie bis spät in die Nacht, bis die Leichen der 16- und 23-jährigen Brüder geborgen worden waren. Doch nur wenige Stunden später wurde er bereits zum nächsten Einsatz gerufen, um für weitere Opfer die Totenandacht zu halten.
Auch Pfarrer Daniel Acosta aus Tarmas stößt an seine Grenzen. „Wir müssen diejenigen begleiten, beraten und unterstützen, die Angehörige verloren haben, aber auch jene, die ihre Arbeit und Existenzgrundlage verloren haben“, sagt er. Kraft schöpfe er aus dem Gebet: „Wir vertrauen uns dem Herrn an und bitten ihn jeden Tag, uns zu helfen.“
Doch die seelische Belastung sei enorm. „Am Abend zieht sich das Herz zusammen und es kommen die Tränen“, gesteht der Priester. In seiner Gemeinde ist das Kirchendach eingestürzt, viele Gemeindemitglieder und Freunde kamen ums Leben. „An jedem Tag ist es ein neuer Schlag, wenn man erfährt, dass jemand, den man gekannt hat, nicht mehr unter uns ist.“
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Nach aktuellen Angaben starben bei den Erdbeben rund 4.500 Menschen. Die Vereinten Nationen gehen zudem davon aus, dass noch etwa 50.000 Menschen vermisst werden.
Hoffnung zwischen den Trümmern
Besonders schwer getroffen wurde die Pfarrei in Ciudad Chávez, einer Siedlung bei La Guaira. Nach Angaben von Pfarrer Alfredo Bustamente wurde die jüngste Pfarrei der Diözese nahezu vollständig zerstört. „80 Prozent meiner Gläubigen sind ums Leben gekommen“, berichtet der Seelsorger. Von den Mitgliedern des Kirchenchors hätten lediglich vier überlebt, auch vier Ministranten seien unter den Todesopfern. Vor dem Erdbeben lebten rund 22.500 Menschen in der Siedlung. Wie viele Gemeindemitglieder insgesamt ums Leben kamen, ist bislang unklar.
Zu den wenigen Gebäuden, die den Erdstößen standhielten, gehört das diözesane Heiligtum des venezolanischen Heiligen José Gregorio Hernández, das zugleich als Pfarrkirche St. Oscar Romero dient. Zwar stürzte die Statue des Heiligen von ihrem Sockel, blieb jedoch unversehrt. Für Pfarrer Bustamente ist dies ein bewegendes Zeichen: „Wenn man ihm in die Augen schaut, sieht man, dass sein Gesicht traurig ist.“
Viele Überlebende empfinden ihre Rettung angesichts der verheerenden Zerstörungen als Wunder. Diesen Gedanken griff auch der Bischof von La Guaira, Pablo Modesto, in einer Predigt auf. „Die Frage ist nicht, warum ich am Leben bin, sondern wofür ich am Leben bin“, sagte er. Gott habe den Menschen das Leben geschenkt, „damit wir es in den Dienst anderer stellen und nicht in Resignation verfallen“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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