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Nach Reise: Bischof Krämer wirbt für mehr Aufmerksamkeit für Burundi

Burundi bleibt für viele Menschen in Deutschland ein fernes, kaum beachtetes Land. Bischof Dr. Klaus Krämer hat auf seiner Reise erlebt, wie eng Armut, traumatische Erfahrungen und die Suche nach Frieden miteinander verbunden sind – und warum Partnerschaft vor allem eines braucht: genaues Hinsehen und langfristige Verlässlichkeit.

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Andreas Nachbar
5 min Lesezeit
Nach Reise: Bischof Krämer wirbt für mehr Aufmerksamkeit für Burundi
(c) Wikimedia Commons - Public domain

Bischof Dr. Klaus Krämer hat bei einem Besuch in Burundi die enge Partnerschaft zwischen der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem ostafrikanischen Land bekräftigt. Im Mittelpunkt der Reise standen die Friedens- und Versöhnungsarbeit sowie neue Ansätze in der medizinischen Versorgung, Ernährung und Bildung. Angesichts großer Armut, anhaltender Traumatisierungen und eingeschränkter gesellschaftlicher Handlungsspielräume will die Diözese ihre Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort weiter ausbauen.

Burundi sucht Wege zum Frieden

Burundi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt – und findet dennoch nur selten Beachtung in der deutschen Öffentlichkeit. Rund 74 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, etwa 14 Prozent gelten als unterernährt. Besonders betroffen sind Kinder: Mehr als die Hälfte leidet infolge anhaltender Mangelernährung unter Wachstumsverzögerungen.

„Die Not vieler Menschen bleibt für Außenstehende häufig unsichtbar“, berichtet Pater Walter Stärk. Der aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart stammende Afrikamissionar lebt seit 1962 in Burundi und kennt die schwierigen Lebensbedingungen aus nächster Nähe. „Die Menschen verstecken sich. Wir versuchen, denen zu helfen, die zu uns kommen, aber viele Menschen sehen wir auch nicht.“

Ein Zentrum für Frieden und Versöhnung

Die jüngere Geschichte Burundis ist von Bürgerkrieg, Gewalt und ethnischen Konflikten geprägt. Zwar herrscht seit rund zehn Jahren ein fragiler Frieden, doch die Folgen der Vergangenheit sind vielerorts noch spürbar. Gesprächspartner der Delegation aus Rottenburg-Stuttgart berichteten von tiefen Traumatisierungen. Mit Blick auf die für 2027 erwartete Präsidentschaftswahl gewinnt deshalb die Prävention neuer Gewalt an Bedeutung. Gleichzeitig sind Menschenrechte und die Spielräume der Zivilgesellschaft unter der autoritären Regierung stark eingeschränkt.

Ein Zeichen für Versöhnung soll ein neues Zentrum in Nyanza Lac im Süden des Landes setzen. Bischof Dr. Klaus Krämer weihte die Einrichtung gemeinsam mit Bischof Salvator aus der Diözese Bururi nach einem Festgottesdienst ein. Finanziert wurde das Zentrum von der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem Erzbistum Freiburg.

Die Region am Tanganjikasee ist dicht besiedelt. Migration, Landkonflikte und die Rückkehr ehemals Geflüchteter belasten das Zusammenleben. Das neue Zentrum soll deshalb zu einem Ort der Begegnung werden. Jugendliche, kirchliche und gesellschaftliche Verantwortliche sowie Friedensinitiativen aus Burundi und den Nachbarländern sollen dort Bildungsangebote und Trainings zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung nutzen können.

Friedens- und Versöhnungsarbeit ist zugleich ein Schwerpunkt der Länderpartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi. Land, Diözese Rottenburg-Stuttgart und Erzbistum Freiburg wollen ihre gemeinsamen Aktivitäten in diesem Bereich künftig weiterentwickeln.

Dass auch Kunst einen Beitrag zur gesellschaftlichen Verständigung leisten kann, erlebte die Delegation im Kulturzentrum Buja Sans Tabou in Bujumbura. Dort erhalten junge Theaterschaffende Unterstützung und können sich mit der Geschichte und den aktuellen Konflikten ihres Landes auseinandersetzen. Aufführungen, Workshops und Debatten schaffen Räume, in denen auch schwierige und bislang tabuisierte Themen zur Sprache kommen.

Hilfe, die im Alltag ankommt

Frieden und Versöhnung sind in Burundi eng mit der sozialen Not vieler Menschen verbunden. Wer dauerhaft in Armut lebt, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hat oder nicht ausreichend zu essen bekommt, steht vor Herausforderungen, die weit über politische Konflikte hinausgehen. Bei seinem Besuch machte sich Bischof Krämer deshalb auch ein Bild von konkreten Hilfsangeboten.

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Im Centre Nouvelle Espérance in Bujumbura werden Menschen begleitet, die mit HIV leben oder unter den Folgen der Erkrankung leiden. Das Zentrum kümmert sich darüber hinaus um Waisen, besonders schutzbedürftige Kinder und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Medizinische Behandlung wird dabei mit psychosozialer Begleitung und sozialer Unterstützung verbunden.

Die medizinische Versorgung bleibt in Burundi dennoch vielerorts unzureichend. Es fehlen Gesundheitsstationen, medizinische Geräte und Rettungsfahrzeuge. Schwere Erkrankungen können deshalb häufig nicht angemessen behandelt werden. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart zeigte sich grundsätzlich bereit, beim Aufbau von Gesundheitszentren und bei der Anschaffung von Ambulanzfahrzeugen zu unterstützen. Welche Projekte konkret möglich sind, soll gemeinsam mit Partnern vor Ort geprüft werden.

Auch die Ernährungssituation der Bevölkerung war Thema der Gespräche. Ein Siebtel der Bevölkerung gilt als unterernährt, Kinder sind besonders betroffen. Weil die Diözese selbst keine akute Not- und Katastrophenhilfe leisten kann, wird nach Wegen gesucht, bestehende kirchliche Strukturen stärker zu nutzen. Eine Möglichkeit könnten zusätzliche Schulspeisungen an katholischen Bildungseinrichtungen sein. Sie könnten Kindern zumindest eine nahrhafte Mahlzeit am Tag sichern.

Bildung als Zukunftsperspektive

Die Partnerschaft zwischen Burundi und der Diözese Rottenburg-Stuttgart soll auch jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen. Neben zahlreichen zivilgesellschaftlichen Projekten hat die Diözese den Bau einer Kirche in Gitega unterstützt. Bischof Krämer weihte sie gemeinsam mit dem Erzbischof von Gitega, Bonaventure Nahimana, ein. Mehr als 2.000 Gläubige kamen zur Kirch- und Altarweihe.

Die katholische Kirche verfügt in Burundi über eine große gesellschaftliche Reichweite und genießt hohes Ansehen. Rund 56 Prozent der Bevölkerung gehören ihr an. Diese Verankerung könnte auch beim Ausbau der Hochschulbildung eine wichtige Rolle spielen. Im Gespräch mit kirchlichen Verantwortlichen ging es um den Plan der burundischen Bischofskonferenz, eine katholische Universität mit mehreren Standorten aufzubauen.

Ein solches dezentrales Modell könnte jungen Menschen aus verschiedenen Landesteilen den Zugang zu universitärer Bildung erleichtern. Krämer sieht darin einen Ansatz, der jedoch über die Diözese hinaus beraten werden müsse. Das Vorhaben solle auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz und gemeinsam mit den kirchlichen Hilfswerken geprüft werden. Der Oberhirte der Diözese Rottenburg-Stuttgart kündigte an, die Idee in die zuständigen Gremien in Deutschland einzubringen.

Wir können zuhören“

Zum Abschluss seiner Reise fiel die Bilanz des Bischofs nachdenklich aus. Die Dimension der Armut und die Vielzahl der Herausforderungen in Burundi ließen sich nicht mit einzelnen Projekten bewältigen. Entscheidend seien deshalb langfristige Beziehungen und ein kontinuierlicher Austausch mit den Menschen vor Ort.

„Wir werden die großen Probleme Burundis nicht allein lösen können. Aber wir können zuhören, verlässliche Beziehungen pflegen und gemeinsam konkrete Verbesserungen erreichen“, sagte Krämer. Für ihn beginnt Partnerschaft dabei nicht erst mit einem konkreten Hilfsprojekt. „Partnerschaft beginnt damit, dass wir die Menschen wahrnehmen, ihre Erfahrungen ernst nehmen und ihre Situation auch in Deutschland sichtbar machen.“


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Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

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