Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Bertram Meier, hat seinen viertägigen Besuch in Sarajevo mit einem positiven Fazit abgeschlossen. Im Mittelpunkt seiner Gespräche in der bosnisch-herzegowinischen Hauptstadt standen der interreligiöse Dialog, die gesellschaftliche Versöhnung nach dem Krieg sowie die Zukunftsperspektiven des Landes auf dem Weg in die Europäische Union. Meier betonte dabei die Bedeutung vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den Religionsgemeinschaften als wesentliche Grundlage für dauerhaften Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Dialog als Schlüssel für Frieden und Versöhnung
„Ich bin als Lernender nach Sarajevo gekommen“, sagte Bischof Dr. Bertram Meier nach seinem Besuch in der bosnisch-herzegowinischen Hauptstadt. Im Mittelpunkt seines Aufenthalts habe die Frage gestanden, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen gut 30 Jahre nach dem Krieg miteinander leben, welchen Beitrag die katholische Kirche zur Verständigung leiste und wie die Menschen im Land in die Zukunft blickten. „Das waren Fragen, die mich in den vergangenen vier Tagen beschäftigt haben“, so Meier.
Während seiner Reise traf der Vorsitzende der Weltkirchen-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz Vertreter der katholischen Kirche, des Islam, der orthodoxen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde. Zudem suchte er das Gespräch mit Akteuren aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der internationalen Gemeinschaft, darunter der Hohe Repräsentant Christian Schmidt und der deutsche Botschafter Alfred Grannas.
In seinen Gesprächen in Sarajevo betonte Bischof Dr. Bertram Meier die zentrale Bedeutung des interreligiösen Dialogs für den gesellschaftlichen Frieden in Bosnien und Herzegowina. Dieser sei „eine gelebte Realität“, die wesentlich zum Erhalt des Zusammenlebens beitrage. Angesichts der starken religiösen Prägung der Volksgruppen – muslimische Bosniaken, orthodoxe Serben und katholische Kroaten – habe der Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften auch eine klare politische Dimension.
Sarajevo-Besuch: Versöhnungsarbeit im Fokus
„Gerade weil der Dialog dem Frieden dient, ist er jede Anstrengung wert“, sagte Meier. Zugleich erinnerte er daran, dass die Folgen des Krieges weiterhin spürbar seien. Die Belagerung Sarajevos zwischen 1992 und 1995 sei im Bewusstsein vieler Menschen noch immer präsent. „Bei den Gesprächen mit Zeitzeugen ist mir deutlich geworden, wie präsent die fast vierjährige Belagerung von Sarajevo auch heute noch im Bewusstsein vieler Menschen ist“, so der Bischof. Die Ereignisse hätten „Wunden hinterlassen, deren Narben nach wie vor sichtbar sind“. Bis heute bleibe es schwierig, „das Leid des jeweils Anderen anzuerkennen und auf gemeinsame Sichtweisen hinzuarbeiten“.
Ein weiterer Schwerpunkt des Sarajevo-Besuchs von Bischof Dr. Bertram Meier war der Austausch mit dem Interreligiösen Rat, der sich auf nationaler und regionaler Ebene für Versöhnung und Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften einsetzt. Nach Angaben Meiers hätten alle Gesprächspartner betont, dass nachhaltige Versöhnung nur auf Vertrauen aufbauen könne. Dieses entstehe nicht kurzfristig, sondern wachse „in langjährigen Prozessen“, so der Bischof.
Entscheidend seien dabei sowohl wertschätzende Dialogformate als auch gemeinsame praktische Erfahrungen. Im Rahmen seines Aufenthalts informierte sich Meier zudem über ein seit rund zehn Jahren bestehendes interreligiöses Studienprogramm, das von islamischen, katholischen und orthodoxen theologischen Fakultäten gemeinsam getragen wird. Bei einem Treffen mit dem Großmufti Husein Kavazović sei ebenfalls hervorgehoben worden, dass Versöhnung auf langfristig gewachsenem Vertrauen basiere, das kontinuierlich gepflegt werden müsse.
Erkenntnisse zu den Herausforderungen der katholischen Kirche in Bosnien-Herzegowina
Ein weiterer Schwerpunkt des Sarajevo-Besuchs von Bischof Dr. Bertram Meier war die Situation der katholischen Minderheit in Bosnien und Herzegowina. In Gesprächen mit dem Erzbischof von Vrhbosna, Tomo Vukšić, und Kardinal Vinko Puljić wurden dabei die aktuellen Herausforderungen der Kirche thematisiert. Besonders deutlich wurde die Sorge über die anhaltende Abwanderung, vor allem junger Katholiken, die verstärkt nach Kroatien oder in westeuropäische Länder ziehen.
Auch die praktischen Erfahrungen kirchlicher Versöhnungsarbeit standen im Fokus, unter anderem in Gesprächen mit Mitgliedern der Bosnischen Franziskanerprovinz sowie bei einem Besuch des Jugendpastoralzentrums Johannes Paul II. in Sarajevo. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeigte sich Meier anerkennend: „Auch unter schwierigen Bedingungen gelingt es in Bosnien und Herzegowina, das kirchliche Leben aufrechtzuerhalten.“ Zugleich betonte er, dass die Kirche trotz rückläufiger Mitgliederzahlen weiterhin „ein wichtiger Akteur im sozialen Bereich und in der Verständigungsarbeit“ bleibe.
Abschließend richtete Bischof Dr. Bertram Meier den Blick auf die politische Zukunft Bosnien und Herzegowinas im Kontext eines möglichen Beitritts zur Europäischen Union. In seinen Gesprächen sei deutlich geworden, dass viele Gesprächspartner eine Weiterentwicklung der Verfassung sowie umfassende demokratische Reformen befürworteten. Meier zeigte sich überzeugt, dass der interreligiöse Zusammenhalt dabei eine wichtige stabilisierende Rolle spielen könne. Er könne helfen, bestehende gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden und den Weg des Landes in Richtung EU-Integration konstruktiv zu begleiten.
