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„Nicht mit Bösem antworten“: Verletzter Priester ruft nach tödlichem Klosterangriff zur Vergebung auf

Wenige Tage nach dem tödlichen Angriff auf eine Benediktinerinnenabtei in Polen spricht ein verletzter Priester nicht von Vergeltung, sondern von Liebe und Vergebung.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
„Nicht mit Bösem antworten“: Verletzter Priester ruft nach tödlichem Klosterangriff zur Vergebung auf
(c) Wikimedia Commons - Emde-project - CC BY-SA 4.0

Noch sind die Spuren des Messerangriffs sichtbar: Mit einem Verband um den Kopf und deutlich erkennbaren Blutergüssen steht der verletzte polnische Priester Adrian Mantykiewicz in der Benediktinerinnenabtei von Jarosław. Wenige Tage zuvor war dort ein Priester getötet worden, mehrere Menschen wurden verletzt. Doch Mantykiewicz spricht in seiner Predigt nicht von Vergeltung – sondern von Liebe und Vergebung und ruft zum Gebet für den Angreifer auf.

„Das ist ein Ort, den ich für sicher hielt“

Wie tief der Schock in der Abtei sitzt, zeigt auch die Reaktion einer Nonne. Gegenüber dem Fernsehsender TVN sagte sie, die Geistlichen könnten kaum begreifen, was geschehen sei. „Das ist ein Ort, den ich für sicher hielt.“ Umso schwerer wiegt der Angriff für die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Tatverdächtige in der Nacht zuvor Deutschland verlassen und war nach Polen eingereist. Sein Ziel soll zunächst ein Grenzübergang zur Ukraine gewesen sein. Statt die Grenze zu passieren, machte sich der 31-Jährige jedoch auf den Weg zur Abtei.

Dort soll er in der Küche ein Messer an sich genommen haben. Anschließend kam es zu dem Angriff. Die Ermittler gehen davon aus, dass insgesamt fünf Menschen verletzt wurden. Einer der Verletzten, der Priester Stanislaw Zbojnowicz, erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Der Tatverdächtige wurde wenig später in Jarosław festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord, versuchten Mord und die Verursachung schwerer Verletzungen vor. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen und zum Motiv des Angriffs dauern an.

Unklar ist bislang insbesondere, was den Mann zu der Tat veranlasste. Eine Befragung war zunächst nicht möglich. Sachverständige stellten bei dem Beschuldigten nach Angaben der Staatsanwaltschaft „Symptome einer psychischen Erkrankung“ fest. Deshalb beantragte die Staatsanwaltschaft seine Untersuchungshaft in einer psychiatrischen Klinik.

Mit Liebe und Vergebung antworten

Eine Woche nach dem tödlichen Messerangriff ist der getötete Priester beigesetzt worden. Angehörige, Freunde und Gläubige nahmen am Dienstag in der Pfarrkirche von Grzeska Abschied. Den Trauergottesdienst feierte Weihbischof Stanislaw Jamrozek von der Erzdiözese Przemyśl.

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Bei den Trauerfeierlichkeiten appellierte Primas-Erzbischof Wojciech Polak, den Angriff nicht mit einer ganzen Bevölkerungsgruppe in Verbindung zu bringen. Der „kriminelle Akt eines einzelnen Menschen“ dürfe „in unseren Herzen keinen Hass und keine Abneigung gegenüber unseren Schwestern und Brüdern aus der Ukraine hervorrufen“, so Polak.

Auch aus der Ukraine kamen Worte des Mitgefühls. Präsident Wolodymyr Selenskyj und die ukrainischen Bischöfe verurteilten die Tat und sprachen den Angehörigen und weiteren Betroffenen ihr Beileid aus.

Zur Vergebung rief zudem der bei dem Angriff verletzte Priester Adrian Mantykiewicz in einer Predigt auf. Vom Angriff gezeichnet rief er die Gemeinde dazu auf, trotz des Geschehenen nicht von Hass bestimmt zu werden.

„Egal, was passiert ist, wir müssen das Böse, das hier in unserer Abtei geschehen ist, mit Güte, Liebe und Vergebung überwinden“, sagte Mantykiewicz. Wie der Primas-Erzbischof warnte auch er vor einer Verurteilung der ukrainischen Bevölkerung. Für die Tat sei nicht ein ganzes Volk verantwortlich, sondern „nur eine einzige Person“, betonte er. Das Kloster habe zudem vielen Menschen aus der Ukraine geholfen, die vor dem Krieg nach Polen geflohen seien. Jarosław liegt im Südosten Polens, nicht weit von der ukrainischen Grenze entfernt.

Aufruf zum Gebet

„Wir vergeben und bitten euch, für uns zu beten“, sagte Mantykiewicz. Er bat die Gläubigen, für den verstorbenen Zbojnowicz, für die Genesung des ebenfalls verletzten Priesters Pienkowski und auch für ihn selbst zu beten, damit er bald wieder in die Abtei zurückkehren und seinen Dienst aufnehmen könne.

Besonders eindringlich sprach der Priester über den Tatverdächtigen. Die Menschen sollten für ihn beten, vor allem um „die Gnade der Bekehrung“. Denn: „Er braucht dieses Gebet am meisten.“

Abschließend betonte der Priester: „Diese Homilie fällt mir schwer.“ Dennoch sei er ein Jünger Jesu Christi. „Christus lehrt mich zu lieben“, erklärte Mantykiewicz. Eine Liebe, „die ihr Leben für ihre Feinde hingab“. Seine Predigt schloss er mit einem persönlichen Bekenntnis: „So ist mein Herr und Meister. Und ich bin sein Diener.“

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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