Niederländischer Weihbischof kritisiert Synodalen Weg: „Die Welt wartet nicht auf eine weitere Organisation, die ihr zuhört“
Der niederländische Weihbischof Rob Mutsaerts fordert einen Kurswechsel: Statt immer neuer synodaler Strukturen brauche die katholische Kirche vor allem eines – Heiligkeit, klare Verkündigung und eine erneuerte Ausrichtung auf Christus. Mit deutlichen Worten wendet er sich an Papst Leo XIV.

Der niederländische Weihbischof Rob Mutsaerts stellt den weltweiten synodalen Prozess der katholischen Kirche offen infrage. In einem Brief an Papst Leo XIV. warnt er davor, dass die Synodalität zum „Selbstzweck“ und zu einer dauerhaften kirchlichen Regierungsform werden könnte. Entscheidend sei nicht, wie viel beraten und beteiligt werde, sondern ob Menschen dadurch tatsächlich näher zu Christus und zum ewigen Heil geführt würden.
Mutsaerts warnt vor „dauerhafter Regierungsform“
Die Welt brauche keine weitere Organisation, die ihr lediglich zuhöre, sondern eine Kirche, die ihr Orientierung gebe, schreibt der niederländische Weihbischof Rob Mutsaerts. Die Menschen warteten darauf, „dass ihnen jemand sagt, wozu sie geschaffen wurden“. Für den einfachen Gläubigen gehe es nicht um einen „fortwährenden Prozess“, sondern um Klarheit auf dem Weg zu Gott. Die Kirche müsse deshalb „mit Liebe, aber ohne Furcht auf Christus“ hinweisen.
Mutsaerts veröffentlichte seinen offenen Brief an Papst Leo XIV. am 13. August auf Niederländisch und Englisch. Darin äußert er grundsätzliche Zweifel am weiteren Verlauf des synodalen Prozesses, den Papst Franziskus 2021 eröffnet hatte. Die derzeitige Umsetzungsphase soll über verschiedene Ebenen der Kirche fortgeführt werden und 2028 in eine Kirchliche Versammlung in Rom münden.
Der Weihbischof warnt jedoch davor, dass aus dem ursprünglich zeitlich begrenzten Prozess eine dauerhafte Struktur entstehen könnte. „Was einst als Synode von 2021 bis 2024 begann, droht eine dauerhafte Regierungsform zu werden“, schreibt er.
Mutsaerts fordert zugleich, die bisherigen Ergebnisse nüchtern zu prüfen. Gute Absichten allein reichten nicht aus: „Gute Absichten entbinden uns nicht von der Pflicht, die Ergebnisse zu prüfen.“ Entscheidend sei, ob der Glaube tatsächlich gewachsen sei, Christus deutlicher verkündet werde und mehr Menschen zur Bekehrung fänden. Auch nach der Entwicklung der Sonntagsmesse, den Priesterberufungen, der Katechese und der Ehrfurcht vor der Eucharistie fragt der Weihbischof.
Sein Fazit fällt entsprechend kritisch aus: „Wenn man solche Fragen stellt, kann man die Synode unmöglich als Erfolg bezeichnen.“ Eine Synode sei traditionell ein Instrument gewesen, um konkrete Themen zu beraten. Im heutigen synodalen Prozess sieht Mutsaerts dagegen die Gefahr, dass die Synodalität selbst zum Ziel werde.
„Christus hat keine Diskussionsgruppe gegründet“
Mutsaerts sieht im gegenwärtigen synodalen Prozess die Gefahr, dass die Synodalität selbst zum Ziel wird. „Im heutigen synodalen Diskurs droht die Synodalität jedoch zu einem Selbstzweck zu werden“, schreibt der Weihbischof. Aus traditionell katholischer Sicht liege darin ein grundlegendes Problem: „Christus hat keine Diskussionsgruppe gegründet.“ Er habe vielmehr Apostel berufen, ihnen Vollmacht gegeben und sie ausgesandt, „um zu verkünden, zu taufen und zu lehren“.
Dem stellt der Weihbischof ein Verständnis der Kirche gegenüber, das stärker vom Empfang und der Weitergabe des Glaubens geprägt ist. Begriffe wie „empfangen“ und „bewahren“ seien dabei entscheidend. Die Kirche verfüge nicht deshalb über die Offenbarung, weil sie diese selbst hervorgebracht habe, sondern weil sie sie empfangen habe und zur Weitergabe verpflichtet sei.
Daraus folge auch, dass Glaubenswahrheiten nicht durch demokratische Mehrheiten bestimmt werden könnten. „Wahrheit entsteht nicht durch Mehrheitsbeschluss“, betont der Weihbischof. Selbst wenn eine große Mehrheit der Katholiken nicht mehr an die reale Gegenwart Christi in der Eucharistie glauben würde, ändere dies nichts an der Wahrheit dieses Glaubens. Ebenso werde eine moralische Lehre nicht allein dadurch unwahr, dass viele Gläubige sie ablehnten.
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Besonders deutlich wird Mutsaerts bei seiner Analyse der kirchlichen Situation in Westeuropa. Die Probleme seien „nicht schwer zu erkennen“: Kirchen würden leerer, Pfarreien zusammengelegt und Klöster verschwänden. Zugleich alterten Ordensgemeinschaften, während die Kenntnis des katholischen Glaubens zurückgehe. Auch die Beichte sei für viele Katholiken „nahezu verschwunden“.
Für den niederländischen Bischof stellt sich damit die grundsätzliche Frage, ob die Kirche ihre Kräfte auf die richtigen Dinge konzentriert – und ob ein immer stärkerer Fokus auf synodale Strukturen tatsächlich zu einer Erneuerung des Glaubens führt.
Heiligkeit statt neuer Strukturen
Die großen Reformen der katholischen Kirche seien nach Ansicht von Rob Mutsaerts selten aus neuen Strukturen hervorgegangen. Vielmehr habe Erneuerung immer wieder mit Heiligen begonnen. Der Weihbischof verweist auf Gestalten wie Benedikt, Franziskus, Dominikus, Katharina von Siena, Ignatius von Loyola, Teresa von Ávila, Karl Borromäus, Franz von Sales, Johannes Bosco, Thérèse von Lisieux, Maximilian Kolbe und Johannes Paul II. Ihr Programm sei im Kern einfach gewesen: „Werde heilig.“
Heiligkeit habe dabei eine missionarische Kraft, mit der kirchliche Programme und politische Dokumente kaum konkurrieren könnten. Eine Pfarrei mit einem heiligmäßigen Priester habe mehr Zukunft „als eine Diözese mit zwanzig Arbeitsgruppen für Synodalität und hochbezahlte Manager“, schreibt Mutsaerts.
Auch das Ordensleben und die Liturgie sieht der Weihbischof unter diesem Gesichtspunkt. Ein kleines Kloster mit überzeugend gelebtem Glauben könne mehr Menschen erreichen als „hundert Seiten kirchlichen Fachjargons“. Ebenso könne ein Priester, der sichtbar aus dem Bewusstsein heraus handle, am Altar vor Gott zu stehen, Menschen wieder zur Eucharistie führen.
Mutsaerts sieht darin eine mögliche Alternative zum derzeitigen Schwerpunkt auf synodalen Prozessen. Es gehe nicht darum, weniger zuzuhören oder Beteiligung abzulehnen. Vielmehr brauche es „mehr Heiligkeit“, „mehr Umwandlung“ und „mehr Verkündigung“. Dialog und Beteiligung müssten letztlich dazu führen, dass Menschen im Glauben erneuert würden.
Seinen Brief beendet der Weihbischof mit einer persönlichen Bekräftigung seiner Verbundenheit mit dem Papst und der Kirche. Er schreibe „in aufrichtiger Ehrfurcht vor Ihrem Amt und aus Liebe zur Kirche“, betont Mutsaerts. Seine Kritik am Synodenprozess entspringe nicht dem Wunsch, „Zwietracht zu säen“, sondern der Sorge, dass wertvolle Zeit verloren gehe, während viele Menschen Christus nicht mehr kennen.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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