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Nuntius van Megen: „Die Deutschen wollen oftmals zu schnell zu viel“

Der neue Nuntius in Deutschland spricht über Säkularisierung, den Synodalen Weg und die Erwartungen an deutsche Bischöfe – mit einer klaren Warnung an die Kirche hierzulande.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Nuntius van Megen: „Die Deutschen wollen oftmals zu schnell zu viel“
© Deutsche Bischofskonferenz/Matthias Kopp

Der neue Nuntius in Deutschland, Hubertus van Megen, sieht die katholische Kirche hierzulande mitten in einem fortschreitenden Säkularisierungsprozess. Zugleich wirbt der niederländische Erzbischof um Verständnis für die Vorbehalte Roms gegenüber dem Reformkurs des Synodalen Wegs. Deutschland dürfe nicht davon ausgehen, dass sich die Kirche durch möglichst weitreichende Anpassungen an die Gesellschaft retten lasse, so der Papst-Botschafter.

„Ich weiß eigentlich gar nichts von Deutschland“

Sein erster Eindruck nach dem Umzug nach Berlin war überraschend selbstkritisch: „Ich weiß eigentlich gar nichts von Deutschland“, sagt der neue Nuntius Hubertus van Megen. Dabei war der niederländische Erzbischof, der unweit der deutschen Grenze im Umfeld des Bistums Aachen aufwuchs, lange davon ausgegangen, das Nachbarland gut zu kennen.

„Durch meine Herkunft und die Nähe zum katholisch geprägten Aachen dachte ich früher immer, Deutschland sei ein sehr katholisches Land“, berichtet van Megen. Erst später habe er festgestellt, „dass das nicht ganz so ist“.

Heute erkennt der Nuntius deutliche Parallelen zwischen der Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland und jener in seiner niederländischen Heimat. Dort habe es in den vergangenen Jahrzehnten Entwicklungen gegeben, die nun „zeitverzögert“ auch Deutschland erreichten. Vor allem die Säkularisierung schreite weiter voran.

Van Megen verbindet damit eine grundsätzliche Warnung an die Kirche: Sie dürfe nicht darauf setzen, sich lediglich stärker an die Gesellschaft anzupassen. Die Vorstellung, die Kirche könne auf diese Weise gerettet werden, sei eine „Illusion“. Ihre Aufgabe bleibe es, die Botschaft Jesu Christi zu verkünden – auch wenn das gesellschaftliche Interesse daran aus seiner Sicht deutlich nachgelassen habe.

Werben um Verständnis für Roms Kritik

Kritisch blickt van Megen auf das Tempo der Reformbemühungen in Deutschland. „Die Deutschen wollen nach meinem Eindruck oftmals zu schnell zu viel“, sagte der Nuntius. Zugleich stellt er die Frage nach der Motivation hinter den Veränderungen: Gehe es darum, die Kirche durch bestimmte Reformen tatsächlich zu erneuern – oder um die Hoffnung, sie auf diese Weise retten zu können? Letzteres hält van Megen für eine „Illusion“.

Seinen kritischen Blick verbindet der Nuntius mit Verständnis für die Vorbehalte, die es in Rom gegenüber dem deutschen Reformkurs gibt. „Wahrscheinlich ist es die Angst, dass die Kirche zu einer Gremienkirche wird, wo alles diskutiert werden muss und man nur noch von einem Meeting zum nächsten rennt“, sagte er. Dahinter könne auch die Sorge stehen, „dass es eine protestantische Kirche wird“.

Gleichzeitig betont van Megen, dass die deutschen Bischöfe ihre Reformvorschläge in Rom vorlegen. Darin sieht er ein wichtiges Zeichen: „Das Gute ist, dass die deutschen Bischöfe alle Reformvorschläge vom Synodalen Weg in Rom vorlegen.“ Die Kirche in Deutschland mache damit deutlich, dass sie „keinen Alleingang“ anstrebe, sondern sich weiterhin als Teil der Universalkirche verstehe.

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Aus seiner Sicht wird der deutsche Reformprozess auch außerhalb des Landes aufmerksam beobachtet. Die Kirche in Deutschland erwecke mitunter den Eindruck, sie „läuft immer ein bisschen voraus“. Ein großer Teil der Weltkirche frage sich deshalb: „Was geschieht da in Deutschland?“

Ein Bischof darf „keine graue Maus“ sein

Van Megen wirbt jedoch nicht nur um Verständnis für die römischen Vorbehalte gegenüber dem deutschen Reformkurs. Auch in Sachen Bischofswahl sieht er manches anders als die Kritiker des Verfahrens. Den Vorwurf, Laien seien daran kaum beteiligt und die Auswahl erfolge weitgehend im Geheimen, weist der Nuntius zurück.

Die Vertraulichkeit habe vor allem mit dem Schutz der Kandidaten zu tun. Im Laufe der Suche würden sensible Informationen bekannt, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. „Je mehr man Informationen teilt, desto größer ist das Risiko, dass sie öffentlich werden“, erklärt van Megen.

Zugleich würden bei der Auswahl durchaus viele Menschen aus dem Umfeld eines Kandidaten befragt – etwa frühere Professoren und Lehrer oder Mitglieder von Pfarreien, in denen er tätig war. Man spreche mit Menschen, die die Bewerber aus eigener Erfahrung kennen. „Insofern ist das Verfahren doch sehr demokratisch“, sagt der Nuntius.

Bei der Frage, was einen guten Bischof ausmacht, setzt van Megen vor allem auf Persönlichkeit und Weitblick. Ein Oberhirte müsse „vor allem Charisma haben“ und Menschen inspirieren können. Ebenso wichtig seien internationale Erfahrung und der Blick über die Grenzen des eigenen Bistums hinaus. Als Teil einer Weltkirche müsse ein deutscher Bischof auch verstehen, „was es bedeutet, Kirche in Afrika, Lateinamerika oder Asien zu sein“.

Weniger entscheidend seien dagegen Managementqualitäten. „Ein guter Manager zu sein und gut mit Geld umgehen zu können, ist für mich nicht so entscheidend“, sagt van Megen. Dafür gebe es Fachleute. Ein Bischof dürfe vor allem eines nicht sein: „eine graue Maus“.


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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