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Pakistan: Brutaler Lynchmord an Christen bleibt nach Freispruch unbestraft

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Mord eines christlichen Ehepaars in Pakistan endet der Gerichtsprozess ohne einen einzigen verurteilten Täter. Der Freispruch der letzten Angeklagten löst bei Kirchenvertretern und Menschenrechtsorganisationen erneut Entsetzen aus – und wirft grundsätzliche Fragen nach dem Schutz religiöser Minderheiten und der Straflosigkeit von Gewalt auf.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Pakistan: Brutaler Lynchmord an Christen bleibt nach Freispruch unbestraft
(c) Wikimedia Commons - Mehroz Amin - CC BY-SA 4.0

Mehr als zehn Jahre nach der grausamen Ermordung des christlichen Ehepaars Shahzad Masih und der schwangeren Shama Bibi hat der Oberste Gerichtshof Pakistans die letzten drei Angeklagten freigesprochen. Damit ist das Verfahren ohne einen rechtskräftig verurteilten Täter endgültig abgeschlossen. Für die katholische Kirche und Menschenrechtsorganisationen ist das Urteil ein weiteres erschreckendes Beispiel dafür, dass Gewalt gegen religiöse Minderheiten in Pakistan vielfach straflos bleibt.

Grausamer Mord an Christen: Gerechtigkeit bleibt aus

Der Fall gilt bis heute als einer der grausamsten Fälle religiös motivierter Gewalt in Pakistan und als ein deutliches Zeichen für die Diskriminierung und Ungerechtigkeit, die viele Christen und andere religiöse Minderheiten im Land erfahren müssen. Es handelt sich um den brutalen Mord an der Katholikin Shama Bibi und ihrem Ehemann Shahzad Masih, die drei kleine Kinder hinterließen.

Das Ehepaar arbeitete als einfache Arbeiter in einer Ziegelei im Ort Kot Radha Kishan im Bezirk Kasur, als sich am 4. November 2014 eine Tragödie ereignete, die bis heute das Gedächtnis der christlichen Gemeinschaft in Pakistan prägt. Nach einer falschen Anschuldigung der Blasphemie gerieten die beiden in die Gewalt eines aufgebrachten Mobs. Was folgte, zählt zu den erschütterndsten Fällen religiös motivierter Gewalt im Land: Das Ehepaar wurde misshandelt, gefoltert und schließlich bei lebendigem Leib in einem Ziegelofen verbrannt.

Nach dem Mord nahm die Polizei Ermittlungen gegen mehr als 600 Verdächtige auf. Unter ihnen befanden sich auch der Besitzer der Ziegelei sowie ein örtlicher Imam. Im Jahr 2016 verurteilte ein erstinstanzliches Gericht fünf Angeklagte zum Tode. Acht weitere Personen erhielten Haftstrafen wegen Beihilfe zum Mord. Zahlreiche andere Beschuldigte wurden jedoch freigesprochen oder kamen gar nicht erst vor Gericht.

Bereits 2019 hob das Obergericht von Lahore zwei Todesurteile – darunter jenes gegen den Imam – auf und sprach zusätzlich 102 weitere Angeklagte frei. Lediglich die Todesurteile gegen drei Beschuldigte blieben zunächst bestehen.

„Im Zweifel für die Angeklagten“: Keine Schuldigen nach zwölf Jahren

Mit dem jüngsten Urteil des Obersten Gerichtshofs Pakistans ist der lange Prozess um den Mord an dem christlichen Paar endgültig beendet. Auch die letzten drei Angeklagten wurden freigesprochen. Das Gericht verwies auf den Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ und begründete die Entscheidung mit Widersprüchen und Lücken in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft. Damit gibt es nach Abschluss aller Gerichtsinstanzen keinen einzigen rechtskräftig verurteilten Täter für die Ermordung des Ehepaars.

Bei den christlichen Gemeinden Pakistans und Menschenrechtsorganisationen sorgte das Urteil für große Enttäuschung. Die Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“ der katholischen Bischofskonferenz Pakistans sieht darin ein weiteres Beispiel für ein besorgniserregendes Muster: Schwere Verbrechen gegen religiöse Minderheiten würden immer wieder ohne Konsequenzen bleiben.

„Es entsteht der Eindruck, dass die Opfer vergessen werden und die Täter am Ende davonkommen“, kritisierte die Kommission und verwies auf ähnliche Fälle aus der Vergangenheit. Dazu zählen unter anderem die Gewalt gegen Christen in Gojra im Jahr 2009 sowie der Angriff auf das christliche Viertel Joseph Colony in Lahore im Jahr 2013. Auch dort wurden zahlreiche Angeklagte mangels ausreichender Beweise freigesprochen.

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Die katholische Kommission fordert deshalb von der pakistanischen Regierung konkrete Maßnahmen: Der Schutz von Zeugen müsse verbessert und die Strafverfolgung bei Gewalttaten gegen religiöse Minderheiten konsequenter umgesetzt werden. Nur so könne das Vertrauen der betroffenen Gemeinschaften in den Rechtsstaat wiederhergestellt werden.

„Niemand hört ihnen zu“

Das Urteil sorgt nicht nur bei Menschenrechtsorganisationen, sondern auch innerhalb der katholischen Kirche Pakistans für tiefe Bestürzung. Bischof Samson Shukardin von Hyderabad, Vorsitzender der Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“ der pakistanischen Bischofskonferenz, rief die Gläubigen trotz der Enttäuschung dazu auf, friedlich zu bleiben, im Gebet Kraft zu suchen und am Glauben festzuhalten.

Gegenüber dem Hilfswerk Kirche in Not zeigte sich der Bischof erschüttert über den Ausgang des Verfahrens: „Shahzad und seine schwangere Frau Shama wurden lebendig ins Feuer geworfen. Was ist am Ende das Ergebnis all dieser Bemühungen um Gerechtigkeit? Die Menschen haben das Gefühl, keine Stimme zu haben und dass niemand ihnen zuhört.“

Für die pakistanischen Bischöfe ist der Freispruch kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines wiederkehrenden Problems. Zwar würden nach Angriffen auf Christen häufig rasch Verdächtige festgenommen, doch viele von ihnen kämen später wieder frei – etwa weil Anklagen zurückgezogen oder Urteile aufgehoben würden.

Dazu verwies Bischof Indrias Rehmat von Faisalabad auf die schweren Ausschreitungen von Jaranwala im August 2023, bei denen 26 Kirchen und mehr als 80 Häuser christlicher Familien angegriffen wurden. Zwar wurde ein Angeklagter von einem Anti-Terror-Gericht zu zehn Jahren Haft verurteilt, zwölf weitere Beschuldigte wurden jedoch freigesprochen. Rehmat kritisierte, dass mutmaßlichen Tätern immer wieder der „Vorteil des Zweifels“ zugestanden werde, während die Opfer mit den Folgen der Gewalt zurückblieben.

„Denjenigen, die unsere Kirchen zerstören, unsere Bibeln schänden und unsere Häuser anzünden, wird Freiheit gewährt. Diejenigen hingegen, die Leid und Tragödien erdulden mussten, werden im Stich gelassen“, sagte der Bischof.

Auch nach dem jüngsten Freispruch zeigte sich Rehmat tief enttäuscht: „Nach zwölf Jahren wiederholt sich die Geschichte. Am schwersten trifft es jene, die weiterhin unter Diskriminierung und Demütigung leiden.“


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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