Papst beim Angelus: Gegen das Anhäufen, für das Teilen
Papst Leo stellt die biblische Brotvermehrung als Gegenbild zu einer Kultur des Anhäufens und Wegwerfens vor. Beim Angelus auf dem Petersplatz wirbt er für eine Spiritualität des Teilens und erinnert daran, dass christliche Solidarität dort beginnt, wo Menschen die Not ihrer Mitmenschen wahrnehmen.

Mit einer deutlichen Kritik an Konsumdenken und Verschwendung hat Papst Leo XIV. beim Angelusgebet auf dem Petersplatz zu mehr Solidarität und Großzügigkeit aufgerufen. Ausgehend von der biblischen Erzählung von der Brotvermehrung betonte er, dass Hoffnung und Gemeinschaft dort wachsen, wo Menschen teilen statt anzuhäufen. Habgier und Wegwerfmentalität seien Ausdruck derselben geistlichen Krankheit, die den Blick für die Not anderer verstelle.
Christus stillt den Hunger
Trotz der römischen Hitze versammelten sich am Sonntag zahlreiche Gläubige zum ersten Angelusgebet auf dem Petersplatz nachder Sommerpause. Ausgehend von der Erzählung von der Brotvermehrung (Mt 14,13–21) stellte Papst Leo XIV. die Botschaft des Teilens in den Mittelpunkt seiner Ansprache. „Christus stillt wirklich den Hunger der Menschheit, unseren Hunger nach Wahrheit und Leben“, sagte er. Zugleich lehre die Tat Jesu, „dass nichts vergeudet wird, wenn es geteilt wird“.
Scharfe Worte fand der Papst für eine Kultur des Anhäufens und Wegwerfens. Beides seien „zwei Seiten desselben Übels: der Habgier“. Diese „Krankheit der Seele“ berausche den Menschen mit Reichtum und lasse ihn die Not anderer vergessen – „diejenigen, die vor Hunger weinen und vor Durst schreien“.
Die Wunder Jesu seien dabei keine Machtdemonstrationen, sondern sichtbare Zeichen seiner Liebe zu den Menschen, erläuterte Leo weiter. Wenn Blinde sehen und Taube hören könnten, eröffne Christus ihnen eine neue Perspektive: Sie würden befähigt, die Frohe Botschaft aufzunehmen und Gottes Wirken zu erkennen.
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Besonders deutlich werde dies in der Erzählung von der Speisung der Fünftausend. „Die Begegnung mit dem Herrn ist eine nährende Erfahrung“, sagte der Papst. Gerade „in der Wüste, also am Ort unserer Not“, erweise sich Christus als „das Brot des Lebens“, durch das das Lebensnotwendige „im Überfluss vorhanden“ sei.
Teilen wird zum Segen
Jesus begegne den Menschen in ihrer Bedürftigkeit und sorge für sie, betonte Leo. Die Erzählung von der Brotvermehrung vermittle deshalb eine bleibende Botschaft: „Was geteilt wird, geht nicht verloren.“ Im Gegenteil, so der Papst, werde es „zum Segen für viele“.
Angesichts von Konflikten, Ungerechtigkeit und Egoismus sei dies ein Auftrag an die Christen, einen anderen Weg einzuschlagen. Zugleich verwies Leo darauf, dass der Blick Jesu zum Himmel, das Dankgebet sowie das Brechen und Austeilen des Brotes bereits auf das Letzte Abendmahl und die Eucharistie hinwiesen.
Abschließend ermutigte der Papst die Gläubigen, die Eucharistie im Alltag sichtbar werden zu lassen. „Verkosten wir die Gnade der Eucharistie und bemühen wir uns dabei, deren Schönheit durch unsere alltäglichen Taten zu bezeugen“, sagte er. Das beginne bereits beim gemeinsamen Tischgebet und dem Teilen des Brotes in der Familie und im Freundeskreis. So könne auch die Urlaubszeit „zu einer Zeit der Ruhe und Geschwisterlichkeit werden“, wenn der Blick auf die Menschen in Not gerichtet bleibe.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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