Papst-Besuch in Frankreich: Bewusster Verzicht auf Pomp – mit Botschaft?
Der Vatikan soll mehrere protokollarische Vorschläge Frankreichs abgelehnt haben. Was steckt hinter der Zurückhaltung beim Papst-Besuch in Paris?

Frankreich bereitet Papst Leo XIV. einen großen Empfang – doch bei den protokollarischen Wünschen des Élysée soll der Vatikan auf Zurückhaltung gedrängt haben. Trommelwirbel, Gala-Dinner und eine exklusive Führung durch Notre-Dame stehen offenbar nicht auf dem Programm. Gleichzeitig wächst der Andrang auf die Papstmesse: Rund 600.000 Menschen haben sich bereits für die Feier im Herzen von Paris registriert.
Weniger Pomp, politische Botschaft?
Der bevorstehende Besuch von Papst Leo XIV. in Paris soll protokollarisch zurückhaltender ausfallen, als es Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gewünscht hat. Das berichten französische und US-amerikanische Medien im Vorfeld der viertägigen Papstreise.
Demnach hat der Vatikan mehrere Vorschläge der französischen Gastgeberseite abgelehnt. Beim Empfang im Élysée-Palast soll unter anderem auf den üblichen Trommelwirbel der Republikanischen Garde verzichtet werden. Auch ein vom Präsidialamt geplantes Gala-Dinner soll Leo XIV. ausgeschlagen haben.
Keine exklusive Führung durch Notre-Dame
Besonders enttäuschend für Macron soll die Absage an eine persönliche Führung durch die wiederaufgebaute Kathedrale Notre-Dame sein. Der französische Präsident hatte sich nach dem Brand von 2019 stark für den Wiederaufbau eingesetzt und wollte den Papst offenbar selbst durch das Wahrzeichen führen. Auch die symbolträchtigen gemeinsamen Aufnahmen wird es demnach nicht geben.
Ob die französische Seite die entsprechenden Vorschläge tatsächlich gemacht hat und ob der Vatikan sie auf Wunsch des Papstes zurückwies, lässt sich allerdings nicht unabhängig bestätigen. Die Protokollabteilungen äußern sich üblicherweise nicht zu vertraulichen Absprachen im Vorfeld von Staatsbesuchen.
Sollten die Berichte zutreffen, sehen Beobachter darin eine mögliche politische Botschaft. Sie könnte sich sowohl an Macron als auch an die französischen Katholiken richten. Der Präsident hatte sich maßgeblich für die Verankerung eines Rechts auf Abtreibung in der französischen Verfassung eingesetzt. Zudem befürwortet er eine weitgehende Liberalisierung der Sterbehilfe beziehungsweise der Suizidassistenz für schwerkranke Menschen.
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Der mutmaßlich zurückgenommene protokollarische Rahmen könnte vor diesem Hintergrund als bewusste Distanzierung verstanden werden. Nach dieser Interpretation möchte Leo XIV. seinem Gastgeber nicht zusätzlich die symbolträchtigen Bilder eines pompösen gemeinsamen Auftritts liefern.
600.000 Menschen bei Papstmesse erwartet
Der zurückhaltende protokollarische Rahmen ist offenbar nicht das einzige Thema, das den Frankreichbesuch von Leo XIV. prägt. Bei den Gläubigen ist das Interesse an dem Papst dagegen enorm: Rund 600.000 Menschen haben sich bereits für die Messe am 26. September in Paris registriert. Wegen des anhaltenden Andrangs schafft die Stadt nun zusätzliche Zuschauerflächen.
Wie das Erzbistum Paris am Mittwoch mitteilte, wurde ein weiterer Bereich an der Place Charles-de-Gaulle, der sogenannten Place de l’Étoile, sowie an der angrenzenden Avenue de la Grande Armée freigegeben. Die Besucher sollen sich von der Place de la Concorde, wo Leo XIV. die Messe feiern wird, über die Champs-Élysées bis zum Triumphbogen verteilen.
Der Pariser Erzbischof Laurent Ulrich spricht angesichts des Zuspruchs von einer „historischen Feierlichkeit“. Er zeigte sich zugleich überrascht von der Resonanz: Die Zahl der Menschen, die sich auf den Weg nach Paris machten, übertreffe „all unsere Erwartungen“.
Die Messe zählt zu den Höhepunkten der Reise von Leo XIV. nach Frankreich. Der Papst wird vom 25. bis 28. September im Land sein. Nach seinem Aufenthalt in Paris reist er weiter zum Wallfahrtsort Lourdes und anschließend nach Metz in Lothringen.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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