Papst Leo ehrt Jungfrau von Almudena mit Goldener Rose: „Mauern einreißen, die trennen“
Mit einer Goldenen Rose hat Papst Leo XIV. die Jungfrau von Almudena geehrt. Bei einer feierlichen Andacht in Madrid verband der Pontifex die Legende der wiederentdeckten Marienstatue mit einem eindringlichen Appell an die Gegenwart: Christen müssten den Mut haben, Mauern einzureißen, die Menschen voneinander trennen.
Bei einer feierlichen Andacht in der Kathedrale Santa María de la Almudena hat Papst Leo am dritten Tag seines Spanienbesuchs die Jungfrau von Almudena mit einer Goldenen Rose geehrt. Vor Klerus, Gläubigen und Königinmutter Sofía von Spanien erinnerte der Pontifex an die christlichen Wurzeln Spaniens und rief dazu auf, „Mauern einzureißen“, die Menschen voneinander trennen. Die Geschichte der in den Stadtmauern Madrids verborgenen und später wiederentdeckten Marienstatue deutete er als Symbol für Versöhnung, Erneuerung und die Kraft des Glaubens.
Die Almudena und das Gedächtnis eines christlichen Spanien
Seit dem 11. Jahrhundert ist die Jungfrau von Almudena eng mit der Geschichte Madrids verbunden. Der Überlieferung zufolge versteckten Christen während der islamischen Herrschaft über die Iberische Halbinsel ein Marienbild in den Stadtmauern, um es vor der Profanierung zu bewahren. Jahrhunderte lang blieb das Marienbild verschollen. Erst nach der Rückeroberung Madrids durch König Alfons VI. von Kastilien im Jahr 1085 soll es auf wundersame Weise wiederentdeckt worden sein: Während einer Prozession stürzte ein Teil der Mauer ein und gab den Blick auf das unversehrte Bildnis frei – flankiert von zwei Kerzen, die all die Jahre hindurch gebrannt haben sollen. Bis heute wird die Schutzpatronin der spanischen Hauptstadt jedes Jahr am 9. November mit einem großen Stadtfest geehrt.
Die tiefe Verehrung der Gottesmutter gehört fest zur religiösen Identität Spaniens. Kaum ein Land Europas pflegt eine so ausgeprägte Marienfrömmigkeit wie Spanien. Es werden zahlreiche Marienfeiertage gefeiert, und jede Stadt hat ihre Jungfrau, die einen eigenen Namen sowie ein eigenes Aussehen hat.
Im Mittelpunkt Madrids steht dabei die Jungfrau von Almudena, deren Bildnis in der Kathedrale Santa María de la Almudena aufbewahrt wird. Dort würdigte Papst Leo die traditionsreiche Marienverehrung bei einer feierlichen Andacht, an der auch Königin Sofía, die Mutter von König Felipe VI., teilnahm.
Eine Goldene Rose für die Jungfrau
Die besondere Stellung der Almudena in der Geschichte und im religiösen Leben Madrids wurde auch bei der Andacht mit Papst Leo sichtbar. Mit einer der höchsten Auszeichnungen des Heiligen Stuhls ehrte der Pontifex die Schutzpatronin der spanischen Hauptstadt mit einer Goldenen Rose. Bereits zuvor hatte er im Rahmen der Heilig-Jahr-Feier der Marianischen Spiritualität die Marienstatue von Fatima mit dieser besonderen Würdigung bedacht. Die Auszeichnung sei „ein Symbol der kindlichen Liebe des Papstes zur Jungfrau Maria“, hieß es während der Feier.
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Die kunstvoll gefertigte Rose aus Gold und Edelsteinen blickt auf eine lange Tradition zurück. Einst wurde sie vor allem Herrschern verliehen, heute zeichnet der Papst damit auch Persönlichkeiten, Heiligtümer oder Institutionen aus, die sich in besonderer Weise um die Kirche verdient gemacht haben.
Im Anschluss betete Papst Leo gemeinsam mit den Gläubigen das Gebet, das der heilige Johannes Paul II. zur Weihe der Kathedrale Santa María de la Almudena im Jahr 1993 verfasst hatte. In seiner Ansprache erinnerte der Papst zudem an die Ursprünge der Marienverehrung in Madrid.
Mauern einreißen, die trennen
In seiner Ansprache nutzte Papst Leo XIV. das Wunder der einstürzenden Mauer, die einst den Blick auf die Statue der Jungfrau von Almudena freigab, um einen Vergleich zur heutigen Zeit zu ziehen. Die wiederentdeckte Marienfigur sei erst durch eine „zerstörte Mauer“ zu ihrem Volk zurückgekehrt, erinnerte der Pontifex. Der Einsturz einer Mauer bedeute jedoch nicht nur Verlust, sondern eröffne auch neue Möglichkeiten und schaffe Raum für einen Neuanfang.
Mit Blick auf die Gegenwart warnte Leo vor den Barrieren, die Menschen voneinander trennen. „In unseren heutigen Gesellschaften gibt es nach wie vor viele Mauern, die nicht schützen, sondern trennen, entfremden und isolieren“, sagte er. Aus Angst vor Veränderungen oder unbequemen Wahrheiten würden solche Mauern oft gestützt oder schlicht ignoriert, anstatt sie zu überwinden.
Die Botschaft der Jungfrau von Almudena bestehe gerade darin, den Mut zur Erneuerung aufzubringen, betonte der Papst. „Um etwas Neues, Schönes und Beständiges zu errichten, muss man bereit sein, Mauern einzureißen“, erklärte er. Nur so entstünden Räume, die den Blick auf neue Horizonte eröffneten und einen gemeinsamen Weg in die Zukunft ermöglichten.
Zum Abschluss wandte sich Leo direkt an die Gläubigen Madrids. Sie sollten „nicht nachlassen im Bezeugen eures Glaubens“, forderte er und rief zugleich zu einem glaubwürdigen Zeugnis der Nächstenliebe und der Hoffnung auf. Gerade diese Tugenden seien es, die Menschen als „eine einzige Familie von Brüdern und Schwestern“ vereinen und ihnen Kraft für ihren Auftrag in der Welt schenken könnten.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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