Mit einem eindringlichen Appell zur Anerkennung der bereits bestehenden Glaubensgemeinschaft hat Papst Leo am Sonntagabend in Rom das Ende der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen begangen. In der Basilika Sankt Paul vor den Mauern hob der Pontifex bei der feierlichen Zweiten Vesper die bestehende Einheit hervor. In seiner Predigt zum Fest der Bekehrung des Paulus erinnerte Papst Leo daran, dass jede echte Begegnung mit Christus ein Moment der Verwandlung sei, der Denken und Lebensausrichtung grundlegend erneuere. Diese innere Umkehr, so betonte er, sei auch heute Voraussetzung dafür, dass Christen gemeinsam und glaubwürdig das Evangelium in der Welt verkünden können.
Gemeinsame Verantwortung der Christen
Papst Leo rief die Christen in Rom dazu auf, bestehende Trennungen und Missverständnisse nicht als Hindernis für ihre gemeinsame Glaubensbasis zu sehen. „Wir teilen den Glauben an den einen und einzigen Gott, den Vater aller Menschen, und wir bekennen gemeinsam den einen Herrn und wahren Sohn Gottes Jesus Christus und den einen Heiligen Geist, der uns zur Einheit und zum gemeinsamen Zeugnis des Evangeliums drängt“. Weiter betonte er an diesem Sonntagabend bei der Feierlichen Zweiten Vesper in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern – am Grab des Apostels Paulus: „Wir sind eins! Wir sind es bereits! Erkennen wir es an, erleben wir es, bekunden wir es!“ Der Termin markierte zugleich den Abschluss der „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“.
Zu diesem Anlass richtete Papst Leo auch Worte an die Christen in Armenien, die in diesem Jahr die Texte für die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen erstellt hatten. Er betete dafür, „dass die Samen des Evangeliums auf diesem Kontinent weiterhin Früchte der Einheit, der Gerechtigkeit und der Heiligkeit tragen und so zum Frieden zwischen Völkern und Nationen in der ganzen Welt beitragen“. Zudem erinnerte er an die Mahnung seines Vorgängers Johannes Paul II., dass die Einheit der Christen nicht aus strategischem oder politischem Nutzen angestrebt werden dürfe, sondern einzig im Interesse der Verkündigung des Evangeliums von zentraler Bedeutung sei.
An der Messe in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern nahmen auch hochrangige Vertreter anderer christlicher Konfessionen teil. Dazu gehörten der griechisch-orthodoxe Metropolit Polykarpos für das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, der armenisch-apostolische Erzbischof Khajag Barsamian sowie der anglikanische Bischof Anthony Ball. Kurienkardinal Kurt Koch, Präfekt des Dikasteriums für Ökumene, war ebenfalls bei der Liturgie anwesend. Vor Beginn des Gottesdienstes betete Papst Leo gemeinsam mit seinen Gästen am Grab des Apostels Paulus.
Die Bekehrung des Paulus als Vorbild für die Einheit der Christen
In seiner Predigt zog der Papst die Bekehrung des Paulus als Beispiel heran. Jede Begegnung mit Christus sei „ein Moment der Verwandlung“, der neue Sichtweisen eröffne und das Leben neu ausrichte. Dieses transformative Erlebnis gelte auch für die Christen heute: Sie sollten sich von Christus verwandeln lassen, um gemeinsam das Evangelium in der Welt zu verkünden. Papst Leo betonte, dass es die gemeinsame Aufgabe aller Christen sei, mit Demut und Freude auf Christus hinzuweisen und sein Wort weiterzugeben, das erleuchtet und tröstet. Die jährliche Gebetswoche für die Einheit der Christen erinnere daran, dass Spaltungen zwar das Licht Christi nicht auslöschen, aber das Bild, das es der Welt vermittelt, trüben. „Schaut auf Christus! Kommt zu ihm! Nehmt sein Wort an, das erleuchtet und tröstet!“, appellierte der Pontifex.
Zudem erinnerte Papst Leo an den 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa, den er im vergangenen Herbst gemeinsam mit anderen christlichen Kirchenführern während seiner ersten Auslandsreise in der Türkei begangen hatte. Wie die Kirchenväter damals sei es auch heute die Aufgabe der Christen, „den Männern und Frauen unserer Zeit mit einer Stimme den Glauben zu verkünden“. Dabei sei es hilfreich, sich der bereits bestehenden Einheit in den wesentlichen Glaubensfragen bewusst zu sein.
