Papst Leo weiht Christusturm der Sagrada Família: Aufruf zu Frieden und Nächstenliebe
Mit der Segnung des neuen Christusturms der Sagrada Família hat Papst Leo ein Zeichen gesetzt, das weit über die Architektur hinausweist. In seiner Predigt würdigte er Antoni Gaudís geistliches Erbe, sprach über die Kirche als „Haus aus lebendigen Steinen“ und verband eindringliche Appelle zu Frieden, Lebensschutz und Nächstenliebe mit der Botschaft des Kreuzes als Zeichen der Hoffnung.

Mit einer klaren Botschaft gegen Krieg, Gewalt und gesellschaftliche Gleichgültigkeit hat Papst Leo bei einer feierlichen Gedenkmesse in der Sagrada Família in Barcelona den christlichen Glauben als Kraft der Hoffnung und Erneuerung hervorgehoben. Anlässlich des 100. Todestages des Architekten Antoni Gaudí segnete das Kirchenoberhaupt den neuen Christusturm der weltberühmten Basilika und würdigte das noch unvollendete Bauwerk als Symbol für den geistlichen Weg der Gläubigen. Vor Tausenden Gläubigen betonte der Papst: „Wir können nicht an Jesus glauben und Krieg führen.“
Gebet am Grab von Antoni Gaudí
Nach der feierlichen Segnung des Christusturms und einer eindrucksvollen Lichtinszenierung mit Feuerwerk und Chorgesang stand die Würdigung des geistlichen und architektonischen Erbes Antoni Gaudís im Mittelpunkt des Papstbesuchs in Barcelona. Zum 100. Todestag des katalanischen Baumeisters zelebrierte Papst Leo in der Sagrada Família eine Gedenkmesse, an der auch König Felipe VI. und Königin Letizia von Spanien teilnahmen. Die Feier unterstrich die enge Verbindung zwischen dem unvollendeten Meisterwerk und dem Glauben, der seinen Schöpfer geprägt hat.
Vor Beginn der Messe begab sich der Papst zunächst in die Krypta der Sagrada Família, wo Antoni Gaudí begraben liegt. Dort war es ihm ein Anliegen, am Grab des Architekten zu beten. Gaudí, dessen Seligsprechungsverfahren seit Jahren voranschreitet, trägt seit 2025 offiziell den Titel „Diener Gottes“. Für eine Seligsprechung fehlt nun noch die Anerkennung eines Wunders auf seine Fürsprache.
Ein Haus aus lebendigen Steinen
In seiner Predigt griff Papst Leo die Worte des Psalms auf: „Herr, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“ Die Sagrada Família beschrieb er als einen Ort der Begegnung mit Gott und der Einheit der Menschen. Die Basilika öffne ihre Tore „wie weit ausgebreitete Arme“, um Menschen zum Hören auf Gottes Wort und zur Gemeinschaft einzuladen.
Dabei deutete der Papst das monumentale Bauwerk als Bild für die Kirche selbst. „Diese Kirche ist ein einziges Gebäude, das aus vielen Steinen besteht“, sagte er. Wie die Basilika wachse auch die Gemeinschaft der Gläubigen nach einem gemeinsamen Plan, dessen Fundament Christus sei. Die Sagrada Família sei deshalb „weit mehr als nur ein Denkmal“, sondern ein lebendiges Zeichen dafür, dass das christliche Leben ein fortwährender Weg bleibe.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte Leo dem Umstand, dass das Gotteshaus auch mehr als ein Jahrhundert nach seiner Grundsteinlegung noch nicht vollendet ist. Gerade darin liege eine geistliche Botschaft, betonte er. Die Unvollkommenheit des Bauwerks sei „kein Mangel“, sondern Ausdruck einer Sehnsucht und eines Versprechens. Sie erinnere daran, dass der Mensch ebenso wie die Kirche stets auf die Vollendung hin unterwegs sei.
Gottes Herz als Heimat
Im Mittelpunkt seiner Predigt stellte Papst Leo die Zusage Gottes, dem Menschen eine bleibende Heimat zu schenken. Ausgehend von der biblischen Verheißung an König David betonte er, dass nicht der Mensch Gott ein Haus errichte, sondern Gott selbst dem Menschen einen Platz bereite. Dieser Ort sei „sein eigenes Herz“, sagte der Papst – „der Ort des Sohnes für uns, die wir Fremde waren; der Ort des Geliebten für uns, die wir Sünder sind“.
Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.
GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.
Diese Nähe Gottes habe in Jesus Christus ihre Vollendung gefunden. Christus wolle jedem Menschen „das endgültige, ewige Gut“ schenken und bleibe auch angesichts des Bösen an der Seite der Menschen. Der Herr sei „immer bei uns, immer für uns da“, betonte Leo.
Mit Nachdruck sprach der Papst auch über die konkreten Konsequenzen des christlichen Glaubens. Wer Christus nachfolge, könne seinen Glauben nicht von seinem Handeln trennen. In eindringlichen Worten wandte sich Leo gegen Krieg, Gewalt und Gleichgültigkeit gegenüber Leidenden.
„Wir können nicht an Jesus glauben und Krieg führen“, sagte er. Ebenso unvereinbar mit dem christlichen Glauben sei es, „Unschuldige zu töten, einschließlich der Ungeborenen“, oder Menschen ihrem Schicksal zu überlassen. Christen dürften nicht diejenigen im Stich lassen, „die leiden, die weinen, die vor der Not fliehen“. Der Glaube müsse sich vielmehr in Solidarität, im Schutz des Lebens und in tätiger Nächstenliebe bewähren.
Das Kreuz als Zeichen der Hoffnung
Mit Blick auf den neu gesegneten Christusturm der Sagrada Família richtete Papst Leo den Fokus auf die zentrale Bedeutung des Kreuzes im christlichen Glauben. Es sei nicht in erster Linie ein Symbol des Todes, sondern ein Zeichen der Hoffnung und der verwandelnden Liebe Gottes. Gott liebe die Menschen so sehr, dass er „ein Werkzeug des Todes in ein Zeichen der Hoffnung“ verwandle, sagte der Papst.
Das Kreuz auf der Spitze der Basilika stehe deshalb für die Verheißung des Evangeliums. Es sei das Kreuz „der Letzten, die die Ersten werden, der Sünder, die Heilige werden, der Toten, die auferstehen werden“. Wer den Blick auf Christus richte, könne die Welt mit neuen Augen sehen. Dann werde der weithin sichtbare Turm „zum Banner der Nächstenliebe“, das den Menschen Orientierung gebe.
Zum Abschluss seiner Predigt rief Leo die Gläubigen dazu auf, den Glauben nicht bei Worten zu belassen, sondern ihn im Alltag sichtbar werden zu lassen. Die Größe der Sagrada Família dürfe nicht als bloßer architektonischer Rekord verstanden werden. Ihre wahre Bedeutung liege in ihrem geistlichen Auftrag.
Die Schönheit des Gotteshauses, so der Papst, solle die Menschen dazu anregen, „die Kunst zu lernen, nach dem Evangelium zu leben“. Wer den Blick auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus richte, sei zugleich aufgerufen, „das Gesicht derer emporzuheben, die im Staub liegen“. So werde deutlich, dass die Sagrada Família nicht deshalb die höchste Kirche der Welt sei, um weltliche Ranglisten anzuführen, sondern um den Menschen den Weg zu weisen – „mit dem Kreuz, das den Weg erhellt wie eine brennende Lampe“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.
Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.
Kommentare (0)
Kommentare werden geladen...